Tag der offenen Baustelle

Berliner können sich schon mal das Stadtschloss anschauen

Beim Tag der offenen Baustelle können sich die Berliner ein Bild von den Arbeiten zum Humboldt-Forum machen. Einige Gebäudeteile des neuen Stadtschlosses sind bereits so gut wie fertiggestellt.

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Beim Tag der offenen Baustelle im Berliner Schloss – Humboldtforum am 1. Juni müssen die Besucher keine Bauhelme tragen. Die Baustelle wird aufgeräumt, gesichert und barrierefrei sein. Erwachsene und auch Kinder sind am Sonntag von 10 bis 18 Uhr willkommen, um sich einen Eindruck vom künftigen Berliner Schloss zu verschaffen. Der Eintritt in die Humboldt-Box ist an diesem Tag ebenfalls frei.

Besucher können bereits fertige Teile des Rohbaus besichtigen. Fragen zum Berliner Schloss – Humboldt Forum beantworten Mitarbeiter, die an den dunkelblauen Bauhelmen zu erkennen sind. Eine Foto-Ausstellung veranschaulicht, wie die Schmuckelemente der historischen Fassaden wiedererschaffen werden. Bildhauer aus der Spandauer Schlossbauhütte zeigen zudem ihr Können.

Musikalisch begleitet wird der Aktionstag von diversen Gruppen, die unter anderem Brahms, Bach und Schubert spielen. Den Auftakt macht um 11 Uhr das Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit einem Platzkonzert vor der Humbolt-Box, wo die Besichtigungen auch starten (Schloßplatz 5).

Momentan sorgen auf der Schlossbaustelle zwischen Breite Straße und Unter den Linden 150 Arbeiter dafür, dass der Bau vorangeht – zurzeit ist alles im Zeitplan. Spätestens Anfang 2018 soll das 30 Meter hohe Gebäude im Wesentlichen fertig sein. Dann wird der Bezug des Hauses beginnen, und ab Mitte 2019 soll das Forum nach und nach eröffnen.

Das Grundstück ist mit 21.000 Quadratmetern knapp drei Fußballfelder groß, der Platz würde für 400 Einfamilienhäuser reichen. Die historische Fassade mit den Schmuckelementen soll beginnend mit dem Sockelbereich ab dem Frühjahr 2015 nach und nach gebaut werden. Die Gipsmodelle, nach denen die Steinmetze arbeiten, liegen zu 85 Prozent bereits vor.

Kultur, Bildung und Gastronomie

40.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen im neuen Berliner Schloss. Die Museumsflächen liegen in den oberen zwei Etagen, wo die Berliner Museen ihre Schätze der außereuropäischen Kulturen zeigen. Die Humboldt-Universität präsentiert international vernetzte Wissenschaft, und die Zentral- und Landesbibliothek will die Globalisierung mit einer „Welt der Sprachen“ erlebbar machen.

Auch Gastronomie, Großveranstaltungen und Ausstellungsflächen sind geplant. „Hier entsteht ein neues urbanes Zentrum, ein Bindeglied zwischen Kunst, Kultur und der historischen Mitte Berlins“, begeistert sich Manfred Rettig, Vorstand und Sprecher der gemeinnützigen Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum.

Bei diesem Tag der offenen Baustelle gibt jetzt schon wesentlich mehr zu sehen, als beim ersten Mal, als die Stiftung anlässlich der Grundsteinlegung einen Tag der offenen Tür veranstaltete. 2013 kamen 15.000 Berliner. Dieses Mal erwarten die Veranstalter wesentlich mehr Gäste.

Knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung ist das zweite Obergeschoss bereits größtenteils fertig. Der Rohbau ist zu zwei Dritteln geschafft. Rettig zieht eine ausgesprochen positive Bilanz: „Es gibt keine Kostenprobleme, und wenn es so weitergeht, auch keine Terminprobleme.“ Mit den geplanten Baukosten in Höhe von 590 Millionen Euro will er auskommen.

Rettig ist Diplom-Ingenieur und Architekt und hat fundierte Erfahrungen mit der Abwicklung von großen Bauvorhaben für den Bund. Er leitete den Stab der Bundesregierung für den Umzug von Bonn nach Berlin und trug als Geschäftsführer der Bundesbaugesellschaft Berlin die Verantwortung für die Neubauten von Parlament und Regierung im Spreebogen, unter anderem betreute er auch den Umbau des Reichtags.

Stiftungsvorstand will Restrisiken ausschließen

Manfred Rettig will dafür sorgen, dass zwei große Restrisiken, die einen Bau verzögern und teurer machen können, nicht eintreten: Veränderungen in der geplanten Nutzung und Veränderungen beim technischen Ausbau. „Planungsänderungen sind die Grundübel in einem Bauprozess“. Die Stiftung ist Eigentümerin und Bauherrin des Projekts, das als bedeutendstes Kulturbauvorhaben Deutschlands zu Beginn des 21. Jahrhunderts gilt.

Die Besucher werden am Sonntag bei der Besichtigung im Erdgeschoss die Dimensionen des künftigen Schlosses erkennen können. „Schon heute sind die eindrucksvollen Proportionen der Gebäudeteile für das Humboldtforum im Berliner Schloss im Rohbau deutlich sichtbar.“ Das Foyer, die große Eingangshalle, in die man direkt durch den Haupteingang von Portal 3 gelangt, ist 900 Quadratmeter groß. Das Schlossforum, die offene Fußgängerpassage quer durch das Gebäude, hat mit 15 Metern Breite und 75 Metern Länge den Querschnitt einer kleinen Straße. Der Schlüterhof umfasst allein knapp viereinhalbtausend Quadratmeter und wird, wenn er fertig ist, Tag und Nacht Besucher anziehen.

„Ich bin begeistert von diesem großartigen Gebäude und von den neuen Stadträumen, die entstehen. Architekt Franco Stella öffnet das Schloss für die Stadt“, sagt Rettig. Allerdings sei es dafür auch nötig, dass die Breite Straße noch aufgewertet würde. Die öffentlich zugängliche Fußgängerpassage – sie wird kein Dach haben – als Übergang vom Lustgarten zur Breiten Straße werde die Museumsinsel zur Fischerinsel anbinden.

„Ein wichtiges Bindeglied, um die zentrale Mitte mit dem Nikolaiviertel besser zu erschließen“, findet auch Gerhard Buchholz von „Visit Berlin“, den Tourismus-Vermarktern der Stadt. Für die Breite Straße mit den Laufwegen zur Fischerinsel bräuchte es jetzt aber schnelle und kreative Lösungen, die noch vor der Eröffnung des Schlosses umgesetzt werden müssten. „Der Anschluss darf nicht verpasst werden“, mahnt Buchholz.

Näheres zum Programm gibt es im Internet unter www.sbs-humboldtforum.de