JVA Tegel

Briefkasten-Bomber von Rudow nimmt sich in der Haft das Leben

Der Fall hatte in Berlin für Aufsehen gesorgt: Ein zwölfjähriges Mädchen wurde in Rudow von einer Briefkastenbombe schwer verletzt. Nun hat sich der Attentäter Peter J. im Gefängnis erhängt.

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Es war früh am Morgen, als ein Beamter der Justizvollzugsanstalt Tegel am Sonnabend zum ersten Kontrollgang aufbrach. Routinemäßig schloss er eine Zelle nach der anderen auf und vergewisserte sich, dass die Insassen nicht nur anwesend, sondern auch am Leben waren. Doch als er die Zellentür von Peter J. öffnete, wurde der gewohnte Ablauf schlagartig durchbrochen: Der Häftling war tot. Peter J. hatte sich erhängt.

J. war kein unbekannter Häftling gewesen. Vor einigen Jahren war er als sogenannter Bomber von Rudow in die Schlagzeilen geraten. Im November 2008 deponierte er aus Rache zwei Sprengsätze vor dem Wohnhaus der Familie seiner Stiefschwester, um sie und ihren Mann zu töten. Er beschuldigte die beiden unberechtigterweise, an einem Einbruch in seine Wohnung beteiligt gewesen zu sein.

Ein auf dem Autodach seines Schwagers platzierter Sprengsatz explodierte nicht. Eine zweite Bombe im Briefkasten traf J.s zwölfjährige Nichte, als sie die Post holen wollte. Die Bombe zerfetzte ihr den Arm und verletzte das Kind lebensgefährlich. Der Verein „Berliner helfen“ der Berliner Morgenpost sammelte damals Spenden für das Mädchen.

Für J. galten besondere Sicherheitsvorkehrungen

Im Januar 2010 verurteilte das Landgericht Berlin Peter J. wegen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte das Urteil gegen den damals 34-Jährigen und schmetterte die Revision seiner Anwälte ab. Seit dem 17. Januar 2011 war J. dann in der JVA Tegel untergebracht, wo er sich nun das Leben nahm.

Nach Angaben einer Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz galten für den Häftling J. besondere Sicherheitsvorkehrungen. Er war in einem sogenannten Einzelhaftraum in der Teilanstalt II untergebracht. Dort sitzen Häftlinge, die für sich oder andere eine Gefahr darstellen. Peter J. soll in der Vergangenheit mehrfach Gefängnispersonal bedroht haben. Außerdem soll er damit gedroht haben, sich selbst etwas anzutun. Vorangegangene Suizidversuche konnte die Sprecherin allerdings nicht bestätigen.

In Einzelhafträumen dürfen die Häftlinge nur wenige persönliche Gegenstände besitzen. Gefährliche Gegenstände wie beispielsweise Kugelschreiber sind verboten. Auch die Raumausstattung ist reduziert. Waschbecken sind besonders gesichert, damit sie nicht aus der Wand gerissen werden können. Hofgänge erfolgen nur isoliert oder unter strengster Bewachung mit anderen Häftlingen aus Einzelhafträumen. Wie sich J. trotz erhöhter Sicherheitsstufe erhängen konnte, untersucht die Mordkommission in einem sogenannten Todesermittlungsverfahren. Seine erste Chance auf Entlassung hätte Peter J. im Dezember 2023 gehabt.