Verschmutzte Straßen

Berliner Ämter sind machtlos gegen Hundekot

55 Tonnen Hundekot verschmutzen täglich Berlins Straßen. Gegen rücksichtslose Halter können die Ordnungsämter - trotz Bußgeld - wenig tun. Private Initiativen beschäftigen sich mit dem Problem.

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Hundekot ist seit vielen Jahren ein leidiges Thema in Berlin. 98.315 registrierte Hunde gibt es derzeit laut Senatsverwaltung für Finanzen in der Hauptstadt. Nach einer Schätzung der Umweltverwaltung hinterlassen sie täglich 55 Tonnen Kot. Viele Haufen bleiben auf Straßen, Gehwegen und Grünanlagen liegen.

Die Ordnungsämter der zwölf Berliner Bezirke ahnden das jedoch selten, wie eine Umfrage ergab. In Pankow etwa liegt die Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten laut Bezirksstadtrat Torsten Kühne bei rund einem Dutzend pro Jahr. „Der Hundehalter wird seinen Hund immer weiterziehen, wenn er einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes sieht“, sagte Kühne.

„Die Schwierigkeit bei der Kontrolle besteht in erster Linie darin, dass die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes in Dienstkleidung unterwegs und daher sehr auffällig sind“, sagte die Leiterin des Ordnungsamts Neukölln, Nicole Gebell.

Die Strafen fallen je nach Bezirk unterschiedlich hoch aus. In Pankow beträgt das Verwarnungsgeld 35 Euro, in Neukölln sind es maximal 55 Euro. Im vergangenen Jahr habe man aus Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen Paragraph 8 des Straßenreinigungsgesetzes, worunter auch die Nichtbeseitigung von Hundekot fällt, 100 Euro eingenommen, sagte Gebell.

In Friedrichshain-Kreuzberg 300 Euro Bußgeld

In Friedrichshain-Kreuzberg werden keine Verwarnungen ausgesprochen, sondern Bußgelder in Höhe von 300 Euro erhoben. Im Durchschnitt gebe es zwei Anzeigen pro Monat, sagte der Leiter des dortigen Ordnungsamts, Joachim Wenz. „Der Hundeführer muss in flagranti beobachtet werden, wie er den Hundekot eben nicht beseitigt, sondern sich entfernt“, erklärte Wenz. Sein Bezirk habe sich für zivile Streifen ausgesprochen, der Senat habe diese Anregung aber bisher nicht aufgegriffen.

Ordnungsamtmitarbeiter in Zivilkleidung gehören auch zu den Forderungen des Volksbegehrens „Berlin häufchenfrei“. Im Rahmen eines „Gesetzes zur Minimierung der Hundekotbelastung in Berlin“ sollen 60 „Abfallwächter“ ein- und 5000 Spender für Hundekotbeutel aufgestellt werden. Bisher habe man etwas mehr als 5000 Unterschriften gesammelt, sagte Rainer Menke vom Projektbüro „Stadt und Hund“, wo das Volksbegehren ins Leben gerufen wurde. Bis Ende Juni müssen 20 000 zusammenkommen.

Mehr als 200 Tütenspender in Berlin gehen auf das Konto von „Stadt und Hund“. Die Wall AG hat zudem rund 60 „Dog Stations“ mit Tüten und Abfallbehältern in vier Bezirken aufgestellt. Es brauche jedoch viel mehr davon, findet auch Britta Schmidt vom Berliner Landesverband des Verbands für das deutsche Hundewesen.

BSR setzt „Hundekotmobile“ ein

So bleibt es an der Berliner Stadtreinigung (BSR) hängen, die Hinterlassenschaften weitestgehend aus dem Stadtbild zu entfernen. Die BSR setzt dafür „Hundekotmobile“ ein, mit denen die Exkremente aufgesaugt werden. Die Stadt werde allerdings nie frei von Hundekot sein, so eine BSR-Sprecherin, wenn sich Hundebesitzer nicht selber verantwortlich fühlten.

Um auf humorvolle Weise an deren Gewissen zu appellieren, hat Sandra Kaliga die Initiative „Shit happens“ gegründet. Zusammen mit Freunden bestückt sie herumliegende Hundehaufen mit kleinen bunten Fahnen. Darauf stehen Sprüche wie „Ich werde abgeholt“ oder „Haufen sucht Herrchen“. Kaliga findet, dass Hundehalter verpflichtet werden sollten, Hundekotbeutel immer dabei zu haben.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hat die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz im vergangenen Jahr angekündigt, eine solche Mitführpflicht zu prüfen. Man finde den Vorschlag gut, sagte eine Sprecherin.

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