Spenden

Golfclub Wannsee im Visier der Steuerfahnder

Das Berliner Finanzamt ermittelt gegen den Verein und 180 Mitglieder. Dem Golfclub Wannsee wird vorgeworfen, dass Neumitglieder bei der Aufnahme neben Aufnahmegebühr Zuwendungen gezahlt haben sollen.

Foto: /Arno Burgi / pA/dpa

Einer der ältesten und renommiertesten Golfclubs Deutschlands, der Golf-und-Land-Club Berlin Wannsee, ist im Visier der Steuerfahnder. Das Berliner Finanzamt für Fahndung und Strafsachen ermittelt gegen den Verein und etwa 180 seiner Mitglieder. Es geht um Millionenbeträge. Dem Club wird vorgeworfen, dass Neumitglieder bei der Aufnahme neben der Aufnahmegebühr hohe Zuwendungen gezahlt haben sollen. Diese Zuwendungen sollen dann als Spenden getarnt worden sein, um die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht zu gefährden.

Bei den so genannten Spenden soll es sich jeweils um Summen von bis zu 20.000 Euro gehandelt haben, für die der Club Spendenbescheinigungen ausgestellt haben soll, die beim Finanzamt geltend gemacht werden können. Dies sollen etliche Mitglieder auch getan haben. Gemeinnützige Vereine dürfen indes nur Aufnahmebeiträge unter 1534 Euro verlangen.

In Mails verschiedener Clubmitglieder, die der Berliner Morgenpost vorliegen, heißt es, dass es bereits in der Vergangenheit derartige verkappte Beitragszahlungen gegeben haben soll, die als Spenden getarnt gewesen sein sollen. So ähnlich sei es jetzt wieder, heißt es. Strafbar machen würden sich sowohl die neuen Mitglieder, die Spenden oder Sponsoring von der Steuer absetzen – obwohl es sich in Wirklichkeit um eine Aufnahmegebühr handele –, als auch der Club, der die Grenzen der erlaubten Beitragshöhe weit überschreite und den Status der Gemeinnützigkeit längst verloren habe. Die Mailschreiber seien an einer Aufdeckung der Sachverhalte interessiert, um Schaden vom Golfclub abzuwenden, wie sie schreiben.

Rechtsanwalt Johannes Eisenberg, der den Golfclub Wannsee juristisch vertritt, betonte indes in einem Schreiben, dass die heutigen Verantwortlichen des Vereins nach gegenwärtigem Erkenntnisstand davon ausgehen würden, dass es Straftaten nicht gegeben habe. Außerdem habe der Wirtschaftsprüfer des Vereins diesem erst kürzlich bestätigt, dass die gesetzlichen Regelungen auch in der Vergangenheit eingehalten worden seien.

In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Streit unter den Mitgliedern des Clubs gekommen. Dabei ging es darum, ob der Club gemeinnützig bleiben oder die Gemeinnützigkeit aufgeben sollte, um Eintrittsgebühren und Mitgliedsbeiträge deutlich erhöhen zu können. Etliche Mitglieder wollten den Club kommerziell ausrichten. Sie hatten 2008 gegenüber dem damaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) durchgesetzt, dass die Einmalzahlung für das 99-jährige Erbbaupachtrecht für das landeseigene Gelände am Wannsee vertraglich nicht an die Gemeinnützigkeit des Vereins gebunden wurde.