Zusammen lernen

Berlins Gemeinschaftsschulen erhalten gute Noten

Ein Drittel aller Schüler an Berliner Gemeinschaftsschulen werden in die gymnasiale Oberstufe versetzt. Das zeigt eine neue Studie. Der Clou: Starke und schwache Schüler profitierten gleichermaßen.

Foto: Franziska Kraufmann / ZB

Gemeinschaftsschulen sind bei Eltern immer beliebter. Offenbar hat sich herumgesprochen, was eine neue Studie deutlich zeigt: In dieser Schulform werden starke und schwache Schüler gleichermaßen gefördert, und der Lernerfolg hängt nicht mehr von der sozialen Herkunft der Kinder ab. Für das kommende Schuljahr haben sich für die siebten Klassen 1931 Schüler auf 1960 Plätze an Gemeinschaftsschulen beworben. In Neukölln etwa sind drei von vier Gemeinschaftsschulen stärker nachgefragt, als Plätze vorhanden sind.

In Gemeinschaftsschulen lernen Schüler von der ersten Klasse bis zum Mittleren Schulabschluss oder teilweise auch bis zum Abitur gemeinsam. Wie erfolgreich die Gemeinschaftsschulen arbeiten, zeigen die Ergebnisse der vierten Begleitstudie des Schulversuchs Gemeinschaftsschule. Demnach haben die Schüler an den Gemeinschaftsschulen höhere Lernzuwächse in den Kompetenzbereichen Lesen, Orthografie und Englisch als in den Vergleichsgruppen an den etablierten Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien in Hamburg. In Mathematik und Naturwissenschaften sind die Lernfortschritte an den Gemeinschaftsschulen indes etwas geringer als die der Hamburger Vergleichsgruppe.

Bemerkenswert ist, dass laut Studie gerade Schüler aus benachteiligten Sozialmilieus einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Kompetenzen zeigen. Besonders große Lernzuwächse haben zudem Schüler mit Förderbedarf. Deren Anteil an der Gesamtschülerschaft der Gemeinschaftsschulen ist in den vergangenen Jahren sogar von vier auf zehn Prozent gestiegen.

Leistungsstarke Schüler profitierten laut Studie besonders

Die Gemeinschaftsschulen werden im Auftrag des Senats seit ihrem Start als Schulversuch 2008/09 von der Universität Hamburg und dem Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung wissenschaftlich begleitet. An der nun vorliegenden vierten Studie haben 13 der inzwischen 22 Berliner Gemeinschaftsschulen teilgenommen. Von den 1029 getesteten Schülern haben 35 Prozent die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe erreicht. Acht Prozent der Schüler erwarben den Hauptschulabschluss, 22 Prozent den erweiterten Hauptschulabschluss und 28 Prozent den Mittleren Schulabschluss.

Laut Studie haben die leistungsstarken Schüler die größten Sprünge gemacht. In dieser Gruppe ist der Lernfortschritt an der Gemeinschaftsschule gegenüber dem an den Vergleichsschulen in Hamburg überdurchschnittlich hoch. Die individuell angepassten Aufgaben und das selbstständige Planen des Lernprozesses – beides gehört zum Konzept – kommen offenbar vor allem den leistungsstarken Schülern zugute.

Berliner Bildungssenatorin Scheeres lobt Gemeinschaftsschulen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte zur Studie: "Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung der Gemeinschaftsschulen von Fortschritten und Verstetigung des Erreichten gekennzeichnet ist." Die Gemeinschaftsschulen hätten sich bisher auf die Förderung von Lesekompetenz und Rechtschreibung konzentriert. Bei den Naturwissenschaften bestehe aber noch Entwicklungsbedarf.

Die Bildungsexpertin der Linken, Regina Kittler, forderte, dass mehr Mittel für die Entwicklung von Gemeinschaftsschulen in den Haushalt eingestellt werden. Die Lehrer müssten stärker fortgebildet werden. Außerdem sollte es in jedem Bezirk mindestens eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe geben. Gerade bemühe sich die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Pankow um eine Oberstufe.

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