Luftverkehr

Germanwings-Offensive - Lufthansa in Berlin vor dem Abflug

Die Lufthansa gibt einen Großteil ihrer innerdeutschen und innereuropäische Flüge an ihre Billigtochter Germanwings ab. Besonders betroffen davon ist Berlin. Das Kranich-Logo wird seltener am Himmel.

Foto: Oliver Berg / dpa

„Heute unter den Linden. Morgen über alle Berge.“ Mit Slogans wie diesen warb die Lufthansa bis vor Kurzem noch allgegenwärtig für ihre preisgünstigen Flüge „ab Berlin nonstop nach Europa“. Doch Flugzeuge mit dem Kranich-Logo werden bald immer seltener an Berlins Himmel zu sehen sein. Schrittweise wird die Niedrigpreis-Tochter Germanwings alle Lufthansa-Flüge innerhalb Deutschlands und Europas übernehmen.

Lediglich die Verbindungen zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt am Main und München werden in diesem Bereich noch von eigenen Maschinen bedient. Der Lufthansa-Konzern will im hart umkämpften innereuropäischen Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair Markt endlich Paoli bieten und so in diesem Geschäftssegment endlich aus den roten Zahlen kommen.

Noch vor gut einem Jahr war alles anders. Mit Blick auf die für den 3. Juni 2012 geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER hatte die Lufthansa ihr Angebot von und nach Berlin kräftig ausgebaut. Faktisch über Nacht wurde die Zahl der direkt von der deutschen Hauptstadt erreichbaren Ziele von acht auf 38 ausgebaut. Zusammen mit den Konzern-Töchtern Swiss, Austrian und Brussels Airlines kam die Lufthansa-Gruppe sogar auf 49 Nonstop-Ziele, für die One-way-Tickets ab 49 Euro gebucht werden konnten.

Die Kranich-Airline erhöhte für den Strecken-Ausbau die Zahl der ständig in Berlin stationierten Maschinen von neuen auf 15. Der Strecken-Ausbau ab Berlin hat der Lufthansa deutlich Zuwächse gebracht. Fast sechs Millionen Passagiere hat sie mit ihren Airbus-Maschinen von und nach Berlin gebracht, nach eigenen Angaben ein kräftiges Plus von 16 Prozent.

Deutliche Kampfansage an die Air Berlin

Nun sollen nach und nach Maschinen der Tochter Germanwings die Strecken von Lufthansa übernehmen. In Berlin soll dieser Übergang im Laufe des Winterflugplans 2013/14 erfolgen und bis Mai 2014 abgeschlossen sein. Ob dabei alle bisherigen Lufthansa-Verbindungen erhalten bleiben, so sagt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann, werden die Kunden entscheiden. Im Klartext: Reicht die Auslastung nicht aus, werden die Verbindungen eingestellt.

Bereits zu Beginn des Sommerflugplans hatte Lufthansa einige Ziele wie etwa Manchester, Budapest und Lyon wegen mangelnder Nachfrage aus dem Angebot genommen. Winkelmann sieht jedoch insbesondere bei Warmwasser-Zielen – also Regionen, die vor allem für Urlaubsreisende interessant – noch Potential. Eine deutliche Kampfansage an die Air Berlin, die trotz aller Probleme mit 8,3 Millionen Passagieren im Jahr 2012 noch klarer Markführer in Berlin ist.

Im aktuellen Sommerflugplan bietet Germanwings 204 Flügen pro Woche ab und nach Berlin. Nach Übernahme aller vorgesehenen Lufthansa-Verbindungen soll die zahl auf 624 Starts und Landungen pro Woche steigen. Auch die Zahl der ständig in der Hauptstadt stationierten Flugzeuge erhöht sich von derzeit zwei auf dann zehn Maschinen. 2014 will Germanwings dann mindestens 2,6 Millionen Fluggäste befördern.

Neues Tarifssystem bei Germanwings

Laut Vorstand Carsten Spohr wird die Lufthansa selbst sich nicht völlig aus Berlin zurückziehen. „Es gibt ja weiterhin die Verbindungen nach Frankfurt und München, die wir von Berlin aus anfliegen. Das werden immer noch mindestens 200 Flüge pro Wochen sein“, sagte er.

Ob denn alle Lufthansa-Kunden den Wechsel zur Billigtochter mitmachen, wird jedoch von vielen Branchen-Experten bezweifelt. Mit drei ab 1. Juli neu eingeführten Tarifen will die Airline möglichst alle vom Schnäppchenjäger bis zum Geschäftreisenden für sich begeistern. Um vor allem die gut betuchten Kunden nicht zu verlieren, führt Germanwings erstmals eine Art Business-Class ein. Die im Innern völlig neu gestalteten Maschinen bieten in den ersten drei Reihen nicht nur mehr Beinfreiheit, auch der Mittelplatz bleibt frei. Die Kunden, die Tickets zum Best-Tarif kaufen, erhalten zudem ein reserviertes Handgepäckfach und werden wie aus der Lufthansa-Business-Class gewohnt bevorzugt abgefertigt. Vielflieger sollen zumindest teilweise die gewohnten Privilegien behalten dürfen. Ab 2015 will das Unternehmen mit diesem Konzept schwarze Zahlen schreiben.