Tarife

Taxiverbände fordern deutlich höhere Fahrpreise in Berlin

Nach vier Jahren Pause sollen in Berlin die Tarife für Taxifahrten erstmals wieder steigen. Über die Höhe der Preiserhöhungen gibt es Streit. Taxiverbände haben einen Kompromissvorschlag vorgelegt.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Spätestens im Herbst sollen Taxifahrten in Berlin teurer werden. Wie hoch die Preissteigerung ausfällt, ist heftig umstritten. Die drei großen Branchenverbände des Taxigewerbes haben nun den Tarif-Vorschlag der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als völlig unzureichend zurückgewiesen. Der Senat hatte im April vorgeschlagen, die Taxipreise um durchschnittlich 5,8 Prozent anzuheben.

Dies sei nicht nur insgesamt zu niedrig, der Vorschlag berücksichtige auch nicht, dass Taxifahrer den meisten Umsatz mit Kurzfahrten von zwei bis sieben Kilometern Länge erzielen würden. Für Fahrten dieser Distanz sehe der Senatsvorschlag lediglich eine Erhöhung von 3,7 Prozent vor. Dies sei „absolut inakzeptabel“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Innung des Berliner Taxigewerbes, des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg und des Landesverbandes von Taxi Deutschland.

Die Branchenvertreter legten zugleich einen Kompromissvorschlag vor, der unter ihrem ersten Tarifantrag liegt. So verzichten die Verbände auf die bisher geforderte Erhöhung des Kurzstreckentarifs für Fahrten bis zu zwei Kilometer von derzeit vier auf fünf Euro sowie die Einführung eines Zuschlags von vier Euro für bestellte Fahrten.

Im Gegensatz zum Taxi haben sich Ticketpreise deutlich verteuert

Auch der Antrag auf eine höhere Pauschale für Wartezeiten – aktuell werden 25 Euro pro Stunde berechnet – wird zurückgenommen. Im Gegenzug fordern die Verbände eine Anhebung der entfernungsabhängigen Preise um sieben bis 14 Cent pro Kilometer.

Nach dem aktuellen Antrag der Taxi-Verbände würde sich eine zehn Kilometer lange Fahrt vom Flughafen Tegel zum Potsdamer Platz, die vom Fahrgast mit einer Kreditkarte bezahlt wird, von 20,60 Euro auf 22 Euro verteuern, ein Plus von 6,7 Prozent. Eine 14 Kilometer lange Tour vom Alexanderplatz in Mitte zum Internationalen Congress Center (ICC), die über die Stadtautobahn führt, würde nach dem Tarifvorschlag der Taxiverbände künftig 25,40 Euro statt 23,70 Euro kosten (plus 7,2 Prozent).

Zuletzt waren die Taxipreise in Berlin im Sommer 2009 gestiegen. Die Taxiverbände argumentieren, dass sich seither etwa die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr trotz erheblicher staatlicher Subventionen um durchschnittlich 8,4 Prozent erhöht hätten. Die für das Taxigewerbe besonders relevanten Preise etwa für Kraftstoffe, die Wagenpflege und für Versicherungen hätten sich in der Zeit teilweise drastisch verteuert.

Das Hauptproblem der Branche ist allerdings, dass die Zahl der Unternehmer bei relativ gleich bleibendem Gesamtumsatz stetig ansteigt. Der Berliner Senat hat aktuell fast 7500 Taxi-Lizenzen vergeben, das sind rund 900 mehr als noch vor zehn Jahren. Hinzu kommt das weiterhin ungelöste Problem der weit verbreiteten Schwarzarbeit in der Branche. Der Senat lehnt eine Beschränkung der Lizenzvergaben ab, weil dies als möglicher Verstoß gegen die Berufsfreiheit rechtlich schwer umsetzbar sei.