Burschenschaften

CDU-Politiker Juhnke fühlt sich von Burschenschaft getäuscht

CDU-Innenexperte Robbin Juhnke distanziert sich von der rechten Burschenschaft Teutonia Würzburg, wo er einen Vortrag hielt – und gibt zu, als Schüler in einem umstrittenen Verband gewesen zu sein.

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Nachdem Sozialstaatssekretär Michael Büge eine Posten räumen musste, weil er Mitglied der umstrittenen Burschenschaft Gothia bleiben wollte, ist nun der nächste CDU-Politiker in Kritik geraten. Robbin Juhnke, Innenexperte der Fraktion, war 2012 Gastredner bei der „Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg“, vor der sogar Bayerns ehemaliger Innenminister Günther Beckstein wegen rechter Strömungen bereits warnte. Christina Brüning hat mit Juhnke darüber gesprochen.

Berliner Morgenpost: Herr Juhnke, als Sie vergangenes Jahr am 28. April zum Vortrag nach Würzburg gefahren sind, haben Sie sich dafür interessiert, bei wem Sie dort zu Gast sind?

Robbin Juhnke: Ich habe dort tatsächlich einen Vortrag gehalten, Thema war die Entwicklung Berlins nach dem Mauerfall. Ich war dort in der Annahme, dass ich auf Zuhörer treffe, die selbstverständlich die Werte und Ideale von akademischen Verbindungen vertreten und sich von allem Extremismus distanzieren – zumindest schreibt dies der Bund in Würzburg auf der Homepage.

Also haben Sie sich durchaus vorher über die Teutonia informiert?

Ich hatte den Link zu der Homepage, die Startseite habe ich mir angesehen. Da habe ich nichts Auffälliges gesehen. Und auch am Abend des Vortrags hatte ich dort nicht den geringsten Eindruck, dass dort Personen seien könnten, die extremistische Positionen vertreten. Deswegen war ich weiterhin gutgläubig.

Wenn Sie die Internetseite der Teutonia angeschaut hätten, dann wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass dort Gastredner wie Bernd Rabehl, Ex-Apo-Aktivist und heute Redner bei der NPD oder der Neue-Rechte-Vertreter Götz Kubitschek aufgelistet werden. Wenn Sie einmal Wikipedia besucht hätten, hätten Sie dort Warnungen Ihres bayerischen Parteifreundes Günther Beckstein vor rechtem Einfluss auf die Burschenschaft lesen können, ebenso eine Liste von Mitgliedern, in denen auch ein NPD-Funktionär und rechter Liedermacher auftaucht. Haben Sie das damals nicht gesehen?

Auf der Startseite der Homepage grenzt sich der Bund von jeglichem Extremismus ab. Ich habe es dann bei diesen Informationen bewenden lassen, weil es zum damaligen Zeitpunkt auch noch keine kritische Debatte über Burschenschaften gegeben hat. Vielleicht war ich auch nicht ausreichend sensibilisiert. Aber jetzt habe ich die Debatte genutzt, um mich intensiver damit auseinander zu setzen.

Das heißt, Sie können die Kritik an Ihrem Vortrag jetzt nachvollziehen?

Erst in den letzten Tagen sind mir durch eigene Recherchen unangenehme Dinge bekannt geworden. So werden etwa Gästen der Teutonia und Mitgliedern Äußerungen vorgeworfen, die mit meinem politischen Verständnis absolut nicht in Einklang zu bringen sind. Sollten diese Vorwürfe stimmen, ist das für mich vollkommen inakzeptabel. Ich habe deshalb dem Altherren-Vorsitzenden der Teutonia einen Brief geschrieben und eine Stellungnahme gefordert.

Fühlen Sie sich getäuscht?

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen sicherlich.

Wie ist Ihre Rede dort zustande gekommen?

Über einen Bekannten, der dort seit wenigen Jahren Mitglied ist und mir immer unverdächtig erscheint, deshalb habe ich keine Bösgläubigkeit an den Tag gelegt. Ich halte auch grundsätzlich akademische Verbindungen heute noch für zeitgemäß, wenn sie ihre Ideale und Werte leben – nämlich Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland. Die Nationalhymne ist von einem Burschenschaftler verfasst worden, von Hoffmann von Fallersleben. Ich glaube, diese Ideale sind unvereinbar mit radikalen Positionen. Im Gegenteil sind mir viele Korporierte immer aufgefallen mit Bereitschaft etwas zu leisten und sich für die Gesellschaft zu engagieren.

Bereuen Sie den Besuch in Würzburg?

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, würde ich sicher nicht wieder einen Vortrag dort halten. Aber wie gesagt, der Abend dort selbst bot mir keinen Anlass zu Misstrauen.

Aber Günther Becksteins Warnungen glauben Sie doch vermutlich?

Ich kannte die Warnung von Günther Beckstein nicht.

Die Teutonia ist Mitglied im selben als rechtslastig umstrittenen Dachverband wie Michael Büges Burschenschaft Gothia. Weil die Gothia dort nicht austreten wollte, und Herr Büge nicht aus der Gothia, musste er als Staatssekretär gehen. Sie haben danach Ihre Solidarität zu Herrn Büge bekundet – warum?

Ich habe bisher den Grundsatz gehabt, mich gegenüber Journalisten nicht in der Causa Büge zu äußern. Ich habe mich in der Fraktionssitzung dazu geäußert, das wurde nach außen kolportiert. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie haben auf einer öffentlichen Facebook-Seite Ihre Solidarität kundgetan.

Herr Büge hat meine Solidarität.

Äußern Sie sich denn zu der Problematik, dass die Gothia Mitglied in diesem umstrittenen Dachverband ist?

Ich kenne mich in der burschenschaftlichen Verbandspolitik nicht ausreichend aus. Aber ich weiß, dass auch Reden von Politikern bei Burschenschaften in einer großen Tradition stehen. Helmut Kohl, Willy Brandt, Egon Bahr - sie alle haben bei Burschenschaften gesprochen.

Inzwischen tauchen Burschenschaften aber immer wieder im rechten Kontext auf. Sollte die Szene langsam mal prüfen, in welcher Tradition sie eigentlich stehen wollen?

Ich finde, mit ihren Werten und der Tradition ist alles Radikale unvereinbar. Zu dieser Tradition gehören auch die Grundlagen unserer Verfassung.

Aber dennoch taucht es gerade dort immer wieder auf.

Deshalb ist es in ihrem Interesse, sich deutlich davon zu distanzieren. Die größte Mehrheit der Korporierten hat mit so etwas nichts zu tun, deshalb kann ich nur raten, deutlich Abstand zu nehmen.

Waren Sie selbst einmal Mitglied in einer Verbindung oder Burschenschaft?

Ich bin kein Mitglied einer Studentenverbindung. In einer Schülerverbindung hatte ich Kontakt zum Verbindungsleben, bin aber als Student nicht eingetreten.

Welche Verbindung war das?

Iuvenis Gothia.

Also die Verbindung, in der auch Herr Büge war, wo angeblich schon Schüler Fechtkämpfe absolvieren?

Ich habe das gelesen, aber zu meiner Zeit, vor fast 30 Jahren, habe ich nie gefochten.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.