Nahverkehr

Berliner S-Bahn kann erstmals wieder alle Linien bedienen

Erstmals seit Beginn der Krise vor vier Jahren hat die S-Bahn wieder alle 15 Linien am Netz. Nun können die Fahrgäste auch mit der S85 zwischen Grünau und Waidmannslust wieder ohne Umsteigen fahren.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Nach fast vier Jahren Pause kann die Berliner S-Bahn ihre Linie S85 wieder in Betrieb nehmen. Vom 3. Juni an werden die gelb-roten Züge montags bis freitags zwischen Schöneweide und Waidmannslust fahren, im Berufsverkehr am Morgen und am Nachmittag sogar zwischen Grünau und Waidmannslust. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg haben jetzt einem entsprechenden Antrag der S-Bahn Berlin GmbH zugestimmt, teilte der Verkehrsverbund VBB am Montag mit.

Die S85 hat für die S-Bahn hohe Symbolkraft, ist sie doch die letzte Linie, die für ihr normales Fahrplanangebot noch fehlt. Wie auf vielen anderen Verbindungen hatte die Bahn-Tochter im Juli 2009 den Zugverkehr auf der S85 eingestellt, weil ihr die Züge dafür fehlten.

Wegen technischer Probleme und teils gravierender Wartungsmängel hatte das Eisenbahn-Bundesamt zuvor angeordnet, dass die S-Bahn mehr als die Hälfte ihrer Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen musste. Nach einem mehr als 100 Millionen Euro teuren Sanierungsprogramm stehen ihr zwar noch immer nicht alle Triebwagen wieder zur Verfügung. Dennoch würden die Kapazitäten auch für den Betrieb der S 85 ausreichen. „Die dafür benötigten zwölf Züge stehen in Schöneweide bereit“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner der Berliner Morgenpost.

S-Bahn wollte S85 schon zweimal reaktivieren

Bereits zweimal – im Juni und im Dezember 2012 – wollte die S-Bahn die S85 reaktiveren. Dies scheiterte jedoch am Nein der Senatsverkehrsverwaltung und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Begründet wurde die damalige Ablehnung mit der mangelhaften Zuverlässigkeit des Zugangebots auf den übrigen 14 Linien. Das Unternehmen habe nun den Nachweis erbracht, auf genügend Fahrzeuge zurückgreifen zu können, heißt es jetzt vonseiten des VBB. Demnach könnten mit der Inbetriebnahme der S85 wieder 531 Doppelwagen im Netz unterwegs sein. Im Verkehrsvertrag ist für die Hauptverkehrszeit der Einsatz von 562 Doppelwagen vereinbart.

„Alle Linien fahren wieder! Das Rückgrat des Nahverkehrs in der Hauptstadtregion hat wieder alle Wirbel beisammen“, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Sollte es allerdings erneut zur größeren Ausfällen und Verspätungen bei der S-Bahn kommen, drohen die Länder und der VBB an, ihre Zustimmung zur S85 wieder zurückzunehmen.

Halbe Million Strafabzug pro Jahr

Für die S-Bahn hat die Wiederaufnahme der S85 auch deshalb große Bedeutung, weil sie bislang einen Strafabzug von rund einer halben Million Euro pro Jahr für die nicht erbrachte Leistung hinnehmen muss. Bei der Berechnung schlagen Komplettausfälle stärker zu Buche als einzelne Zug-Verspätungen. Insgesamt überweisen die Länder pro Jahr fast 300 Millionen Euro an die S-Bahn Berlin GmbH.

Auch nach einer Reaktivierung der S85 ist das S-Bahn-Angebot aber noch nicht ganz auf dem Niveau vor der Krise. Einen Einsatz der bestellten Sechs-Wagen-Züge auf der Linie S45 soll es laut Buchner erst mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER geben. Derzeit fahren zwischen Südkreuz und Flughafen Schönefeld nur Züge mit vier Wagen. Auch auf den noch ausstehenden Einsatz von Verstärkern auf der Linie S1 (Wannsee-Oranienburg) will die S-Bahn weiterhin verzichten. Durch die anstehenden Bauarbeiten an den Yorckbrücken gebe es keinen Platz im Fahrplan für Zusatzzüge zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz, so Buchner.