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Begriff „Nachhaltigkeit“ ist bereits 300 Jahre alt

Alle reden von Nachhaltigkeit. Dabei ist das Wort keine neue Erfindung: Exakt 300 Jahre gibt es den Begriff. Erfunden hat ihn ein Sachse.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) war seiner Zeit weit voraus. Exakt 300 Jahre ist es her, dass der sächsische Bergbaubeamte sein Buch „Sylvicultura oeconomica“ veröffentlichte. Darin beschrieb er, wie man einen Wald so bewirtschaftet, dass er sich nicht erschöpft und auch nach Generationen noch Holz geschlagen werden kann. Wie also Raubbau am Wald zu verhindern sei. Von Carlowitz spricht in diesem Zusammenhang von „nachhaltend“. Damit gilt er als Vater des Konzepts der Nachhaltigkeit.

Der damalige Hintergrund, eine starke Rohstoffverknappung, kommt Menschen des 21. Jahrhunderts bekannt vor. Weil damals die Erzgruben und Metallhütten einen Boom erlebten, waren große Mengen an Energierohstoff nötig – damals hieß das: Holz. Das verleitete zum Abholzen der Wälder für kurzfristige Interessen. Vergleichbare Diskussionen gibt es bekanntlich auch heute.

Im 21. Jahrhundert beschreibt der etwas spröde Begriff allgemein die Nutzung eines sich regenerierenden Systems auf eine Art, die eine Erschöpfung ausschließt, sodass das System seine wesentlichen Eigenschaften auf Dauer behält. In den 1980er-Jahren entwickelten die Vereinten Nationen eine globale Vorstellung und das Drei-Säulen-Modell: Staaten, Volkswirtschaften und Gesellschaften sollten so entwickelt werden, dass sie dauerhaft stabil sind, ökonomische und soziale Gerechtigkeit herrschen und die Natur nicht irreversibel ausgebeutet wird.

Künftige Generationen nicht mit Altlasten überfrachten

Auch Generationengerechtigkeit gehört dazu: Nachhaltigkeit bedeutet, zukünftige Generationen nicht mit den Schulden und Altlasten ihrer Vorväter und -mütter zu überfrachten oder die Rohstoffe so auszubeuten, dass ihnen, salopp gesagt, nichts übrig bleibt. So umfasst „Nachhaltigkeit“ neben den sozialen, Umwelt- und Wirtschaftsaspekten auch eine politische Dimension.

Je nach dem Zusammenhang wird der Begriff Nachhaltigkeit vielfältig verwendet: für den stabilen Zusammenhalt von Gesellschaften, im Klimaschutz, in der Landwirtschaft beim sensiblen Bewirtschaften von Böden, im Zusammenhang mit dem verantwortungsvollen Handeln von Wirtschaftsunternehmen („Corporate Social Responsibility“) oder beim Verteilen von global begrenzten Gütern zwischen den Staaten der Welt.

Seit 2007 vergibt die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. in Kooperation mit der Bundesregierung den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Er wird jeweils an Firmen und Gemeinden verliehen, die sich durch sozial, ökonomisch und ökologisch verantwortliches Handeln auszeichnen. Der Preis soll aber auch zeigen, dass sich dieses Handeln auszahlen kann, wenn durch pfiffige Ideen zugleich die Wettbewerbsfähigkeit erhöht oder Kosten verringert werden können.