IGA in Berlin

Marzahn bekommt zur Gartenausstellung eine Seilbahn

Um die Besucherströme zu bewältigen, soll zur Internationalen Gartenausstellung 2017 eine Seilbahn über dem Kienberg schweben. Sie soll pro Stunde 4000 Menschen bewegen. Doch es gibt auch Vorbehalte.

Foto: Eventpress Herrmann / picture alliance / Eventpress He

Berlin hat zwar schon seit 55 Jahren – seit der Interbau im Hansaviertel – keine Seilbahn mehr, verfügt aber seit 2003 gemäß EU-Richtlinie über ein eigenes Seilbahngesetz. Mit dieser Absurdität dürfte in vier Jahren Schluss sein.

Zur Internationalen Gartenausstellung 2017 in Marzahn soll eine Seilbahn in Betrieb gehen und über den 102 Meter hohen Kienberg schweben, kündigte jetzt IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt bei der Vorstellung der Themenschwerpunkte an. „Ohne diese Berg-und-Tal-Bahn könnten die Besucherströme nicht bewältigt werden“, sagt er.

Etwa 2,4 Millionen Gäste werden von April bis Oktober 2017 auf dem 103 Hektar großen Ausstellungsgelände erwartet. Die Bahn soll rund 4000 Personen pro Stunde befördern. Drei Stationen sind geplant. Der erste Haltepunkt wird in Hellersdorf am U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße (U5) – 27 Fahrminuten vom Alex entfernt – sein, der zweite direkt auf dem Kienberg und der dritte am Ein- und Ausgang Blumberger Damm des Erholungsparks Marzahn mit seinen „Gärten der Welt“. Dort soll auch ein Besucherservicezentrum mit Gastronomie für 250 Gäste, Souvenirshop und Tagungsräumen entstehen. Laut Schmidt wird es eine „herausragende Architektur“ bekommen. Ebenso sei an eine Bühne mit 500 Sitzplätzen gedacht.

Noch gibt es Vorbehalte gegenüber der IGA-Seilbahn

Schmidt lobt die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt, räumt aber ein, dass es noch Vorbehalte gegenüber der Seilbahn gebe. Er ist sich jedoch sicher, sie entkräften zu können. So werde die Bahn auf jeden Fall landschaftsverträglich sein – und sie brauche im Wuhletal und auf dem IGA-Hauptgelände im Erholungspark keine störenden Stützpfeiler. Sie würden nur an den Berghängen sowie am „Kienbergfuß“ benötigt. Und Schmidt versichert: „Wir werden dafür auch kein öffentliches Geld verwenden.“ Ein Betreiberverfahren sei im Gange. Nach der IGA solle die Bahn wieder abgebaut werden, so der derzeitige Stand der Planungen. Aber Schmidt sagte auch: „Das Meiste, das für die IGA entsteht, bleibt auch bestehen.“

Natürlich spielt die Seilbahn beim internationalen landschaftsarchitektonischen Wettbewerb für das Gartenfestival eine Hauptrolle. 35 renommierte Büros von New York bis Peking und natürlich aus Deutschland entwickeln derzeit Konzepte zur Inszenierung einer spektakulären Gartenschau. Im Herbst werden die besten Entwürfe gekürt. Sie sind mit 360.000 Euro dotiert und werden dann in einer Ausstellung gezeigt.

Aussichtsturm auf der Kienberg-Spitze

Schmidt informierte über insgesamt sechs Themenschwerpunkte der IGA. So sei auf und um den Kienberg ein Stadtwaldprojekt vorgesehen. Die Deponie aus Kriegstrümmern, Aushub für die Plattenbausiedlungen und Schutt des Berliner Stadtschlosses, mittlerweile dicht zugewachsen, soll eine städtische Freizeitlandschaft werden. Auf der Kienberg-Spitze entsteht ein Aussichtsturm.

Drei neue Spielplätze sollen im Erholungspark angelegt werden. Im Wuhletal heißt es „Natur erleben“. Schmidt sagt: „Wir wollen darstellen, wie man Naturschutz und Erholungsnutzung miteinander kombinieren kann.“ Ihm schweben ein Leitsystem für Spaziergänger mittels Smartphone, ein Freilandlabor und ein internationales Schulgartenzentrum vor. Von einem Badeteich, den sich die Marzahner dort wünschen, ist noch keine Rede. Für einen englischen Cottage-Garten wird in dieser Woche der Grundstein gelegt.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.