Totschlag-Verdacht

Festnahme nach 18 Jahren – Was Mehmet K. erwartet

1995 soll Mehmet K. einen Mann in einem Kreuzberger Bordell erschossen haben. Nun wurde er in Belgien festgenommen und nach Berlin überführt. Offen ist, wie er sich so lange verstecken konnte.

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

18 Jahre lang fahndete die Berliner Polizei vergeblich nach einem wegen Totschlags gesuchten Verdächtigen, nun konnte sie doch noch einen späten Erfolg verzeichnen. Wie Justizsprecher Martin Steltner am Freitag mitteilte, ist der inzwischen 40-jährige Mehmet K. in Belgien festgenommen und Anfang der Woche nach Berlin überstellt worden. Er soll im Juli 1995 in einem Bordell in Kreuzberg einen 33-Jährigen mit mehreren Schüssen getötet und dessen 24-jährigen Bruder lebensgefährlich verletzt haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat sich der mutmaßliche Täter unmittelbar nach der Tat ins Ausland abgesetzt und im Raum Antwerpen verborgen gehalten. Ob und von wem er dabei Unterstützung erhielt, ist bislang noch unklar.

Schießerei im Bordell „Cherry“ in Berlin-Kreuzberg

Die Taten, die die Berliner Staatsanwaltschaft dem damals 22-Jährigen vorwirft, ereigneten sich am frühen Morgen des 29. Juli 1995. Mehrere Schüsse und Schreie von Menschen rissen die Anwohner der Mittenwalder Straße gegen 3.15 Uhr aus dem Schlaf. Schüsse und Lärm kamen aus dem Bordell „Cherry“. Nachbarn beobachteten zunächst mehrere Mitarbeiterinnen des Etablissements, die größtenteils nackt in sichtbarer Panik auf die Straße rannten. Kurz darauf schleppte sich der 24-jährige Hassan A. blutend und schwer verletzt ins Freie, am Eingang brach er bewusstlos zusammen. Minuten später waren Polizei und Feuerwehr vor Ort.

Noch vor den Rettungskräften leistete ein Polizeibeamter bei Hassan A. erste Hilfe und rettete dem Türken so vermutlich das Leben. Die Feuerwehr brachte den 24-Jährigen ins Urban-Krankenhaus. Es dauerte mehrere Tage, bis er außer Lebensgefahr war. Für seinen Bruder Ali A. dagegen kam jede Hilfe zu spät. Er wurde kurz nach dem Eintreffen der Beamten leblos im Inneren des Bordellbetriebes gefunden, der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. In einem der Zimmer wurde ein 31-jähriger Neuköllner entdeckt und als Tatverdächtiger festgenommen. Er entpuppte sich allerdings schnell als harmloser Gast.

18 Jahre nach der Tat soll Mehmet K. vor Gericht gestellt werden

Bei ihren Ermittlungen erhielten die Beamten der zuständigen 7. Mordkommission schnell Hinweise auf eine Fehde im Zuhälter-Milieu. Doch die Arbeit der Mordermittler gestaltete sich schwierig. Wie in dieser Szene üblich, zeichneten sich mögliche Zeugen nicht gerade durch besondere Auskunftsfreudigkeit gegenüber der Polizei aus.

Der Tatverdacht fiel bald auf Mehmet K. Der offiziell wohnungslose Asylbewerber wurde von der Polizei ebenfalls dem Rotlicht-Milieu zugerechnet. Doch trotz aller Bemühungen schaffte es die Polizei nicht, den Verdächtigen aufzuspüren. Das gelang erst 18 Jahre später. K. erwarten nun eine Anklage und ein Prozess in Berlin.