Ausflugstipp

In Berlin ist das Betreten von fremden Gärten erwünscht

Normalerweise wird das Betreten von fremdem Eigentum nicht gern gesehen. Bei den „Offenen Gärten“ ist es jedoch gewollt. 100 Anlagen überwiegend von Privatpersonen können besichtigt werden.

Foto: Sergej Glanze (2) / Glanze

Schönheit ist Geschmackssache. Beim Garten von Familie Runge dürften sich allerdings die meisten einig sein: Er ist ein kleines Paradies. Blühende Apfelbäume säumen einen Teich. Überall wachsen Tulpen. Und auch sonst blüht und sprießt es an jeder Ecke des 800 Quadratmeter großen Grundstücks.

Am 11. und 12. Mai 2013 öffnet Familie Runge neben 100 anderen vorwiegend privaten Gartenbesitzern wieder ihre Pforte – für interessierte Besucher. Die „Initiative offene Gärten Berlin-Brandenburg“ und der Urania-Verein „Wilhelm Foerster“ Potsdam veranstalten die Veranstaltungsreihe „Offene Gärten Berlin-Brandenburg“.

Das Besondere: Landhaus- oder Staudengärten, Hausgärten und Innenhofgärten können an den beiden Tagen ohne Anmeldung besucht werden. Einzige Voraussetzung ist eine Besucherplakette, die mit dem Programmheft im Vorverkauf oder beim Besuch des ersten Gartens für zwei Euro erhältlich ist. Das Programmheft enthält die Adresse und Öffnungszeiten der teilnehmenden Gärten sowie eine Kurzbeschreibung.

„Bei uns wird alles wiederverwertet. Nichts kommt weg“, sagt Angela Runge. Die 62 Jahre alte freiberufliche Übersetzerin legt viel Wert auf einen biologischen Ansatz in ihrem Garten. Ein selbst gebauter Lehmofen beheizt die Gartensauna, das Wildbienengestell aus Holzresten bietet den Bienen einen idealen Nistplatz. Ehemann Wolfgang Runge ist als ehemaliger Ingenieur für die technische Seite verantwortlich. Die Brücke über den Teich hat er selbst gebaut. „Gartenarbeit ist für uns keine Arbeit – eher Entspannung. Nach so einem langen Winter juckt es mir geradezu in den Fingern, endlich wieder draußen rumzuwerkeln“, schwärmt der 70-Jährige.

Die „Offenen Gärten“ bieten die Chance, diese ganz individuell gestalteten Gärten kennenzulernen. Für das Ehepaar Runge ist es bereits das dritte Jahr, in dem sie ihre Gartentür in Pankow für Besucher öffnen. Sie schätzen den Austausch mit anderen Gartenfreunden. Auf die Idee kamen sie, als sie sich selbst Gärten im Rahmen der Veranstaltung anguckten. „Wir dachten uns, da können wir doch auch mithalten“, sagt Angela Runge. Seitdem wurden sie an den Veranstaltungstagen von bis zu 120 Menschen pro Tag besucht. Aber auch sie möchten es nicht verpassen, sich ein paar Anregungen in fremden Gärten zu holen, weshalb ihr Garten nur am Sonntag geöffnet ist. Am Sonnabend machen sie ihre eigene Gartentour.

Jeder trägt eine eigene Handschrift

Ähnlich geht es Uta Bail. Auch sie lädt am Sonnabend in ihren Hausgarten in Hermsdorf ein. Terrassenförmig angelegte Hornveilchenbeete strahlen in leuchtendem Gelb. Über einen japanischen Garten gelangt man zu einer freien Rasenfläche, die von Heidegärten gesäumt wird. „Jeder Garten ist ein Unikat, trägt eine ganz eigene Handschrift. Auch wenn ich andere Gärten schön finde, weiß ich, dass nur meiner für mich funktioniert“, sagt Uta Bail. „Außerdem ist ein Garten nie fertig – ist man hinten angekommen, kann man vorne wieder beginnen. Aber das macht mir nichts“, sagt die 69 Jahre alte ehemalige Lehrerin. Sie hat ihre Gartenleidenschaft in die Wiege gelegt bekommen. Schon die beiden Großmütter waren sehr dem Garten zugetan. Als Kind schaute sie ihnen besonders interessiert über die Schulter.

Wie das Ehepaar Runge empfindet auch Uta Bail die Arbeit im Garten nicht als Last. Man müsse sich allerdings intensiv mit den einzelnen Pflanzen auseinandersetzen. Dazu liest sie Gartenliteratur und achtet genau darauf, was welche Pflanze braucht. „Zitruspflanzen müssen ab und zu gestresst werden. Denen muss einfach manchmal das Wasser abgedreht werden, sonst tragen sie keine Früchte“, erklärt sie. Jeder Winkel des Gartens ist unterschiedlich bepflanzt. Auf dem Garagendach beginnen gerade die Tomaten zu sprießen. Über der Terrasse ranken die Rosen, die allerdings nur eine sehr kurze Zeit Blüten tragen.

Auch Waltraud Pahl, eine Nachbarin, nimmt an den „Offenen Gärten“ teil. Einen Zaun sucht man zwischen den beiden Grundstücken vergeblich. Die beiden Familien wollten lieber einen sanften Übergang, sodass die Bepflanzung fast unmerklich ineinander übergeht. Zwischen den örtlichen Amphibien sind die beiden Gebiete klarer aufgeteilt. „In meinem Teich gibt es nur Kröten. Die Frösche mögen es lieber bei Frau Pahl. Warum wissen wir nicht“, sagt Uta Bail. Wie auf Kommando springt in diesem Moment ein kleiner Frosch in den Teich.

Beide Frauen freuen sich schon auf das Wochenende. Gerne geben sie Tipps und Anregungen für den eigenen Garten – und nehmen diese auch umgekehrt entgegen. Wer einfach nur auf einer der Bänke bei einem Kaffee die Blumenpracht genießen möchte, ist aber ebenfalls herzlich eingeladen.

Für Rollstuhlfahrer geeignet

Nicht alle der teilnehmenden Gärten werden von Privatpersonen betrieben. Ein besonderes Programm bietet der barrierefreie Garten der Villa Donnersmarck in Zehlendorf. Bei einer Führung lassen sich Rosenbeete, ein naturbelassener Teil sowie ein „Beetegarten“ bewundern. Der Garten wird von Gruppen gepflegt, von denen viele Teilnehmer mit einer Behinderung leben. Als Besonderheit lassen sich alle Bereiche für Rollstuhlfahrer erreichen. Neben Führungen gibt es auch ein umfangreiches Programm wie Lesungen und Musik.