„Schwabenhatz“

Wenn Schwaben in Prenzlauer Berg über sich selbst lachen

In Prenzlauer Berg ist es wieder zu einer „Schwabenhatz“ gekommen - allerdings zu einer der ironischen Art: In der Kulturbrauerei wurde das gleichnamige Theaterstück aufgeführt - nun jeden Dienstag.

Foto: Leon Scherfig

Zuschauer Tom Erben steht am Eingang zum Maschinenhaus der Kulturbrauerei. In ein paar Minuten beginnt das Theaterstück „Schwabenhatz“, das aus aktuellem Anlass jetzt in Prenzlauer Berg nochmals auf die Bühne gekommen ist. Tom Erben lacht, er will sich noch schnell eine Brezel holen und auf keinen Fall das Stück versäumen. Er selbst, sagt Erben ironisch, passe eigentlich auch in das von den Theatermachern jetzt karikierte „Feindbild“: Schwabe, Immobilienbesitzer in Prenzlauer Berg und Verleger. Aber er lebe seit 17 Jahren in Berlin, sei vor der großen Schwabenwelle nach Berlin gekommen und könne diese ganze Debatte trotz aller Aufregung nicht recht ernst nehmen.

Regisseur Achim Ruppel – er stammt aus dem württembergischen Ebingen – bringt die Revue, die viel Musik und Gesang mit Parodien etwa von Bertold Brecht verbindet, bereits zum zweiten Mal auf die Bühne. „Das war schon seit Wochen geplant, passt nun aber natürlich sehr gut in die aktuelle Debatte“, sagt der Regisseur. Das Stück erzählt die Geschichte von Gerda, die aus Schwaben stammt und ihre Gewohnheiten mit in die deutsche Hauptstadt bringt. Die Rolle wird von der Schauspielerin Inka Papst dargestellt, die selbst aus Baden stammt.

Ist „Totaler Schwaben Hass“ eigentlich Neid?

Dann beginnt die Aufführung. Alle knapp 120 Plätze sind besetzt. „Ah du räumscht jaaa auch das Würschtl von deinem Hunde auch nich weg“, knarzt die Schauspielerin Inka Papst und betritt fegend und meckernd die Bühne. Die „Schwabenhatz“ sucht nach dem Ursprung der Schwaben, stets mit einem Augenzwinkern. Und beginnt damit ganz vorn, bei Adam und Eva. „Ist doch paradiesisch hier, nisch mal schaffe muss wa“, lässt der schwäbische Adam seine Eva breitbeinig im Sessel sitzend wissen. Gerda knetet Teig für die Spätzle, schwäbelt vor sich hin und kümmert sich beflissen um das ordnungsgemäße Einhalten der Kehrwoche. Zwischendurch gibt es auch Musik. „Denn ich bin Schwabe, und dass ich immer was habe, ist meine Gabe“, rappt es durch den Maschinenhaussaal.

Das Theaterstück wirft an einer Stelle eine Frage auf, die Nicht-Schwaben nachdenklich stimmen dürfte: ob Parolen wie „Totaler Schwaben Hass“, die an einige Hauswände in Prenzlauer Berg gesprüht wurden, womöglich nur Zeichen des Neids sind. Zuschauer Sancho Burmeister sagt: „Ich finde, dass so eine Aufführung ein gutes Zeichen ist. Schließlich zeigt es, dass die Schwaben jedenfalls auch über sich selbst lachen können.“ „Schwabenhatz“ wird jeden Dienstag um 20 Uhr aufgeführt. Der Eintritt kostet 20 Euro.