Mordanklage

Angeklagter verschluckt Messerspitze - Prozess unterbrochen

Ein 35-Jähriger soll in Berlin eine Frau misshandelt, vergewaltigt und beraubt und dann ihre Wohnung angezündet haben. Der Prozess gegen ihn wurde nun unterbrochen - weil er eine Messerspitze verschluckt hat.

Versuchter Mord, Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, schwerer Raub, besonders schwere Brandstiftung – die Liste der Vorwürfe, die die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Robert K. erhebt, ließt sich wie der Auszug aus dem Vorstrafenregister eines notorischen Gewaltkriminellen. Aber auch der brutalste Serientäter braucht gewöhnlich einige Zeit, um alle diese Delikte zu verüben. Nicht so offenbar Robert K. Nach Überzeugung der Anklagebehörde hat er die aufgeführten Taten allesamt an einem einzigen Tag begangen, sogar innerhalb weniger Minuten. Seit Montag steht der 35-Jährige dafür in Moabit vor Gericht.

Rober K. ist für die Justiz kein Unbekannter. Der gelernte Schlosser hat bereits wegen Vergewaltigung eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt. Zuletzt saß der gebürtige Pole in seinem Heimatland wegen eines Gewaltdeliktes in Haft. Dort würde er auch heute noch sitzen, hätten die polnischen Behörden ihn nicht ihren deutschen Kollegen eigens für das am Montag am Berliner Landgericht begonnene Verfahren gewissermaßen ausgeliehen.

Die Taten soll Robert K. am 14. März 2012 in Marzahn begangen haben. An dem Tag hielt er sich in der Wohnung einer Bekannten auf. Dort soll er die 47-Jährige plötzlich mit Schlägen traktiert und gewürgt haben, um sie zu berauben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft vergewaltigte er die Frau anschließend und schlug sie dann bewusstlos, bevor er eine Couch in Brand setzte und mit den Wertsachen des Opfers die Wohnung verließ. Die Anklage geht davon aus, dass das Opfer durch das Feuer sterben sollte, um die vorangegangenen Taten von K. zu verdecken. Das 47-Jährige, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, befindet sich mehr als ein Jahr nach der Tat noch immer in Therapie. „Sie hat in der eigenen Wohnung die Hölle durchlebt“, sagte ihr Anwalt Mirko Roeder.

Der Angeklagte hat bislang zu allen Vorwürfen geschwiegen. Das änderte sich auch am ersten Verhandlungstag nicht. Dort traten die Taten jedoch erst einmal in den Hintergrund. Noch bevor die Anklage verlesen werden konnte, beantragte der Verteidiger eine Unterbrechung, um die Verhandlungsfähigkeit seines Mandaten zu überprüfen. Der Grund mutet ausgesprochen skurril an:

Am Freitag vergangener Woche hatte K. seinem Anwalt mitgeteilt, er habe fünf Tage zuvor ein Messer mit einer fünfzehn Zentimeter langen Klinge und zwei Batterien verschluckt. Nun plagten seinen Mandanten Bauchschmerzen, teilte der Verteidiger mit. Er informierte umgehend die Vorsitzende der Strafkammer, die wiederum schloss sich mit der Ärztin der Haftanstalt Moabit kurz. Dabei kam heraus, dass K. kein komplettes Messer, sondern die abgebrochene Spitze eines in Haftanstalten gebräuchlichen Frühstücksmessers verschluckt hatte.

Weitere Gespräche zwischen Richterin und Ärztin ergaben, dass die Messerspitze ihren Weg durch den Körper von K. inzwischen so weit zurückgelegt habe, dass keine Verletzungsgefahr mehr bestehe. Auf Drängen des Verteidigers entschied das Gericht nach mehreren Unterbrechungen, K. trotzdem nochmals ärztlich untersuchen zu lassen. Der Prozess wird, vorausgesetzt, die Messerspitze findet den restlichen Weg, am Mittwoch fortgesetzt.