EU-Projekttag

Bundeskanzlerin Merkel wirbt an Berliner Schule für Europa

Angela Merkel sprach mit Schülern des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums über die Eurokrise, Energiewende und Asylpolitik. Dabei erklärte die Kanzlerin, warum der Euro aus ihrer Sicht so wichtig ist.

Foto: DAVID GANNON / AFP

Es war kein Schulbesuch wie jeder andere von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Am Montag war die Kanzlerin zu Gast am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium, um bei den Schülern für Europa zu werben. Keine kreischenden Teenager, keine Autogrammanfragen, keine Vorzeigeschule – jedenfalls nicht von außen. Das Lichtenberger Schulgebäude aus den 70er-Jahren hat noch immer den Originalanstrich, der von der Fassade blättert.

Mit lautstarken Trommelschlägen begrüßen die Schüler die Kanzlerin und lenken den Blick vom maroden Eingang der Sporthalle ab. Selbstbewusst befragen die Jugendlichen die Kanzlerin auf einem provisorischen Podium in der Halle zu Europa. Kein Lehrer, kein Schulleiter tritt in Erscheinung. Die Jugendlichen übernehmen die Regie. Es geht um die Finanzkrise, um die Energiewende, um die Politik für Asylbewerber.

„Wir alle sind mit dem Euro groß geworden und trotzdem zweifeln viele Schüler angesichts der Eurokrise ob es in diese Richtung weiter gehen kann“, sagt Schülersprecherin Katja aus der 12. Klasse zur Einführung. Die Kanzlerin lässt keinen Zweifel daran, dass es aus ihrer Sicht in Zukunft nur mehr statt weniger Europa geben könne. „Wenn wir in der Welt unsere Vorstellungen durchsetzen wollen, kommen wir mit 80 Millionen Menschen nicht weiter,“ sagt sie.

Jugendarbeitslosigkeit muss bekämpft werden

Felix möchte wissen, wie es kommt, dass sich die Deutschen als Wohltäter sehen und andere Länder in den Deutschen die Schuldigen. Es gebe in einer Gemeinschaft nicht den einen Schuldigen und Unschuldigen – wichtig sei es zu einer gemeinsamen Analyse des Problems zu kommen, so die Kanzlerin. Sehr bedrückend sei die hohe Jugendarbeitslosigkeit, da müsse dringend etwas getan werden.

„Wie lange dauert noch die Schuldenkrise?“, will eine Schülerin wissen. Das werde sich noch eine Weile hinziehen, so Merkel. Es brauche Zeit, bis die Reformen wirken. Bis etwa die Arbeitslosigkeit in Europa zurückgehe, werde es eher Jahre als Tage dauern.

Zur geplanten Energiewende sagte Merkel: „Ich sehe auf absehbare Zeit nicht, dass es zu einem Ausstieg aus der Kernenergie in ganz Europa kommen wird.“ Was man erwarten könne, seien aber vergleichbare Sicherheitsstandards bei Kernkraftwerken. Der zwölf Jahre alte Maxim fragt die Kanzlerin, ob sie glaube, dass die Kernfusion die Zukunftsenergie sein könne. Im Vergleich zur Kernspaltung wäre das doch eine saubere Lösung. Merkel zieht überrascht die Augenbrauen hoch. Es mache auf jeden Fall Sinn hier weiter zu forschen, meint sie und sieht den Zwölfjährigen ermunternd an.

Nach anderthalb Stunden Diskussion ist die Kanzlerin beeindruckt, wie tiefgehend sich die Schüler des bilingualen Gymnasiums mit dem Thema Europa befassen. Anlass für den Besuch war der EU-Projekttag, den die Kanzlerin 2007 ins Leben gerufen hatte. Auch Bundes- und Landesminister wollten am Montag mit Schülern diskutieren.