Gerichtsverhandlung

Der „lustige Willi Lustig“ wegen 40 Betrügereien vor Gericht

Von Betrug bis Urkundenfälschung: Oliver S. muss sich in Berlin vor Gericht wegen diverser Delikte verantworten. Häufig verkaufte er Fahrzeuge, die nur geleast waren – unter besonderem Pseudonym.

Foto: Mascha Brichta / dpa Themendienst

Knapp 40 Betrugstaten, ein Dutzend Urkundenfälschungen und als Dreingabe diverse Verkehrsdelikte – die Liste der Vorwürfe, die die Berliner Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Oliver S. vorwirft, ist lang.

Zwei Jahre, von 2009 bis 2011, soll der 30-Jährige im gesamten Bundesgebiet seinen kriminellen Geschäften nachgegangen sein. Ebenso lange dauerten die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Betrüger, nun steht er – nicht zum ersten Mal – in Moabit vor Gericht.

Ebenso lang wie die Liste der Tatvorwürfe ist die Liste der Geschädigten. Knapp 50 der mutmaßlichen Opfer sollen an den nächsten 17 Verhandlungstagen aussagen. Dazu müssen sie aus ganz Deutschland anreisen, denn auch S. hat bei seinen „Geschäften“ eine intensive Reisetätigkeit entwickelt. Der gebürtige Franke war nicht nur in Berlin aktiv, sondern auch in München, Köln und Stuttgart. Zudem noch in etwa zwei Dutzend Kleinstädten zwischen Flensburg und Oberammergau.

Pseudonym „lustiger Willi Lustig“

Dass der Mann, der ihnen erheblichen Schaden zugefügt haben soll, Oliver S. heißt, wissen die Betroffenen noch nicht lange. Sie kannten ihn zuvor als David Salinas, Raul Esteban oder Maximilian von Hinterbergen. Insgesamt 20 Alias-Namen soll S. bei seinen mutmaßlichen Betrügereien geführt haben. Und in einem bekannten Internet-Aktionshaus agierte er unter dem Pseudonym „lustiger Willi Lustig“. Die Betroffenen fanden das ihrerseits überhaupt nicht lustig. Ihre Schäden liegen zwischen glimpflichen 300 und schmerzhaften 20.000 Euro.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft konzentrierte der Angeklagte seine Aktivitäten vor allem auf zwei Bereiche: Baumaschinen und Immobilien. Bei S. sah das so aus, dass er Bagger, Raupen und andere Maschinen verkaufte, die ihm gar nicht gehörten.

Und die Wohnungen, die S. in mehreren Städten vermietet haben soll, gehörten ihm auch nicht. Die Maschinen hatte er zuvor geleast und die Wohnungen selbst angemietet. Um sie dann in Immobilienanzeigen anzubieten, Kaution zu kassieren und unterzutauchen.

Oliver S. verkaufte im Internet Ware, die nicht existierte

Auch auf anderen Gebieten war S. offenbar aktiv. Er soll im Internet Ware verkauft haben, die gar nicht existierte. Und seinerseits Käufe getätigt haben, ohne zu bezahlen.

In Stuttgart lieh er bei einem Autohändler einen Pkw für eine Probefahrt. Das Auto sah der Händler nie wieder. In München drohte er bei einer Polizeikontrolle aufzufliegen. Laut Anklage rammte der „lustige Willi“ daraufhin zwei im Weg stehende Fahrzeuge, darunter einen Streifenwagen, und raste davon.

In die Betrügereien sei er „so reingerutscht“, bekannte S. vor Gericht. Der 30-Jährige, der nach eigenen Angaben schon als Flohmarkthändler, Spediteur und Begleiter reiferer Damen tätig war, gab an, er sei selbst mehrfach betrogen worden, habe Geld gebraucht und von einem „Profi“ gelernt, wie man das leicht beschafft.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Das Urteil soll Ende Juli 2013 verkündet werden.