Krankenhäuser

Notfallpraxen sollen Berlins Rettungsstellen entlasten

Senator Czaja hat einen Plan gegen überfüllte Rettungsstellen: Niedergelassene Ärzte sollen Kliniken am Abend und Wochenende entlasten, denn viele Berliner gehen wie selbstverständlich ins Krankenhaus.

Foto: Markus Heine / dpa

In Berlin sollen künftig mehr sogenannter Notfallarztpraxen entstehen, die vor allem am Abend und am Wochenende die Rettungsstellen der Kliniken entlasten. Dafür will sich Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) einsetzen. Erste Gespräche seien bereits geführt, sagte er der Berliner Morgenpost. „Die Rettungsstellen werden immer mehr von Patienten genutzt, die zwar medizinische Hilfe benötigen, aber keine Notfälle sind“, sagte Czaja.

In keinem anderen Bundesland sei die Zahl der Patienten in der Notaufnahme, die nach der Behandlung sofort wieder nach Hause könnten, so hoch wie in Berlin. Hier sei dies bei zwei Dritteln der Fall. „Ein Teil dieser Patienten könnte auch zum Hausarzt gehen“, so Czaja.

Deshalb machen sich die Berliner Krankenhäuser zunehmend Gedanken darüber, ob nicht niedergelassene Ärzte mit einer Praxis am Krankenhaus tätig sein könnten, so der Senator. „Sie könnten die Patienten übernehmen, die nebenan in der Rettungsstelle nicht notwendigerweise behandelt werden müssen“, sagte Czaja. Die Gesundheitsverwaltung begrüße diese Entwicklung und unterstütze entsprechende Verhandlungen zwischen den Kliniken und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Konkret im Gespräch sei man bereits mit dem Urban-Krankenhaus in Kreuzberg und dem Krankenhaus Neukölln, sagte Czaja weiter. In anderen Bundesländern gibt es bereits das System der Notfallpraxen in Kliniknähe. In Berlin existieren bisher vier solcher Notfallpraxen für den kinderärztlichen Notdienst.

50.000 Patienten in Rettungsstellen großer Berliner Krankenhäuser

In großen Berliner Krankenhäusern werden im Jahr oft mehr als 50.000 Patienten in den jeweiligen Rettungsstellen behandelt. Der große Andrang kann nicht nur zu dem Problem führen, dass ein leichter Fall womöglich einen schwereren in der Behandlung blockiert, er belastet die Kliniken auch finanziell. Denn für einen Patienten in der Rettungsstelle erhalten die Krankenhäuser gut 30 Euro Fallpauschale, die Kosten liegen dagegen oft vier Mal so hoch.

Die Berliner Feuerwehr hatte jüngst beklagt, die Rettungsstellen in Berlin seien so überlaufen, dass sogar Rettungswagen mit Notfallpatienten abgewiesen worden seien. Rund 292.000-mal waren die Rettungskräfte der Feuerwehr vergangenes Jahr im Einsatz, ein Plus von zwei Prozent. Gesundheitssenator Czaja trat nun allerdings der Darstellung der Feuerwehr entgegen, es würden in Berliner Krankenhäusern Notfälle weggeschickt. Auf Nachfragen hin habe die Feuerwehr keine Hinweise geben können, dass Notfallpatienten abgewiesen worden seien, sagte der Senator. „Die Feuerwehr hat keinen einzigen Fall und auch kein Klinikum benannt.“

Viele Berliner gehen direkt in die Rettungsstellen

Richtig sei aber, dass in Berlin viele Menschen wie selbstverständlich mit akuten Problemen in die Rettungsstellen gingen, statt den kassenärztlichen Notdienst zu rufen oder zu einem niedergelassenen Arzt zu gehen. Czaja führt dies auf das „dichte Netz“ von 79 Krankenhäusern in der Stadt zurück, bei dem immer eine Klinik schnell erreichbar sei.

Außerdem sei der kassenärztliche Notdienst vielen Berlinern nicht bekannt. Und schließlich lebten in der Stadt eine große Zahl Menschen, die aus ihrer Heimat USA oder der Türkei das System der „Emergency Rooms“ kennen würden und deshalb eher eine Rettungsstelle als einen Hausarzt aufsuchten. Bei der Einrichtung von Notfallpraxen sei es deshalb wichtig, sie direkt in der Nähe der Rettungsstellen anzusiedeln. „Die ambulanten Angebote müssen dort eingerichtet werden, wo die Patienten auch hingehen“, so Czaja.

Senator Czaja will Finanzmittel für Krankenhäuser aufstocken

Im Interview der Berliner Morgenpost sagte der Senator für Gesundheit und Soziales außerdem, er wolle die Finanzmittel für die Krankenhausinvestitionen in den kommenden Jahren aufstocken. „Aus unserer Sicht brauchen die Krankenhäuser in der Tat mindestens 100 Millionen Euro im Jahr, um ausreichend finanziert zu sein“, sagte Czaja.

Für die laufenden Haushaltsberatungen habe er darum 100 Millionen Euro für 2014 und 120 Millionen Euro für 2015 angemeldet. Derzeit gibt Berlin 95 Millionen Euro für die Krankenhäuser aus. Darin enthalten sind allerdings noch 34 Millionen Euro Rückzahlungen aus einem Darlehen.

Berlin gibt 24 Euro pro Einwohner für Kliniken aus

„Effektiv wurde in der Vergangenheit zu wenig Geld für Krankenhäuser ausgeben“, sagte Czaja. Sein Ziel sei es, in den Verhandlungen mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) eine Angleichung an den Bundesschnitt der Krankenhausinvestitionen zu erreichen.

Derzeit gebe Berlin knapp 24 Euro pro Einwohner für seine Kliniken aus, der Bundesschnitt liege bei 33 Euro. Die Berliner Krankenhäuser hätten in den vergangenen Jahren intensiv Personal eingespart, um die Kosten zu senken, so Czaja. „Wir sind an Optimierungsgrenzen gestoßen.“ Nun müsse der Staat „seiner Verantwortung nachkommen und eine auskömmliche Finanzierung ermöglichen“.