Natur

Berliner Waschbären sterben an Viruskrankheit

Durch den langen Winter sind viele Waschbären in Berlin geschwächt – und krank. Dutzende tote Tiere wurden innerhalb einer Woche entdeckt. Dauerhaft wird der Bestand in Berlin aber kaum sinken.

Ein neuer Staupe-Erreger dezimiert die Zahl der Berliner Waschbären. Knapp 50 tote Tiere wurden allein in den vergangenen Wochen gefunden und untersucht. Das bestätigte Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter des Senats, am Montag. Tatsächlich dürfte die Zahl der erkrankten Tiere nach Ehlerts Angaben aber noch höher sein. Wenn Waschbären in ihrem Bau oder einem anderen Versteck an der Viruskrankheit sterben, werden sie in der Regel nie gefunden. Auch mehrere Füchse starben in diesem Jahr bereits an der Staupe. Es handelte sich jedoch laut Ehlert um eine andere Variante des Virus. Für Menschen sind die Erreger ungefährlich. Hunde könnten sich infizieren, sie sind aber meist geimpft. Gefährdet sind nach Angaben der Veterinärämter vor allem ältere Hunde und Welpen.

Nach Ehlerts Schätzung leben etwa 600 bis 800 Waschbären in Berlin. Andere Schätzungen gehen sogar von mehr als 1000 Tieren aus. Verantwortlich für die Epidemie ist nach Einschätzung des Experten vor allem der lange Winter. Waschbären halten Winterruhe. Durch die lange Frostperiode mussten sie ihre körpereigenen Reserven stärker als üblich angreifen. Auch seien viele Waschbären im März aus dem Ruhezustand erwacht und hätten kaum Nahrung gefunden. Der neuerliche Wintereinbruch habe sie dann zusätzlich geschwächt. Bei vielen schon vorher infizierten Tieren sei die Krankheit daher nun ausgebrochen – mit meist tödlichem Ausgang.

Waschbären sind vielerorts eine Plage

Die Zahl der Berliner Waschbären wird der Virus aber nur kurzfristig verringern. In spätestens ein bis zwei Jahren werde sich die Population wieder erholt haben und mittelfristig weiter wachsen, sagte Ehlert. Nicht zur Freude aller Berliner. Denn Waschbären sind gleichermaßen possierlich wie unbeliebt. Mit ihrem buschigen, gestreiften Schwanz und der Panzerknacker-Maske würden sie zum Liebling taugen. Doch ihr Verhalten macht sie vielerorts zur Plage. Sie wühlen in Mülltonnen, nisten sich lärmend auf Dachböden ein und räubern in Vogelnestern. Die Großstadt bietet den kletterkundigen Allesfressern beste Lebensbedingungen. „Wir können gar nicht so sauber leben, dass Waschbären nicht mehr genug Nahrung finden“, sagte Ehlert.