Charlottenburg

Berliner City West will alle Wochenmärkte privatisieren

Charlottenburg-Wilmersdorf plant, alle Wochenmärkte im Bezirk zu privatisieren, obwohl sie Gewinn erwirtschaften. Der Bezirk fühlt sich zu dem Schritt gezwungen - vor allem aus Kostengründen.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Die kommunalen Wochenmärkte in Charlottenburg-Wilmersdorf könnten schon ab dem kommenden Jahr privatisiert werden. Sie erwirtschaften nach Auskunft von Stadtrat Marc Schulte (SPD) zwar einen jährlichen Gewinn in Höhe von 60.000 Euro, und der Bezirk erhält noch einmal die gleiche Summe in Form von Gebühren für die Sondernutzung der Flächen, doch das Bezirksamt müsse Stellen sparen.

Acht Vollzeitstellen gibt es bei der Marktverwaltung. Der Bezirk muss insgesamt 138 Vollzeit-Stellen in den kommenden Jahren einsparen, allein die Abteilung Stadtentwicklung laut Schulte 40 davon. "Wir müssen entscheiden, was uns wichtiger ist, eine gut funktionierende Elterngeldstelle oder das Bafög-Amt. Soll ich bei den Grünflächen sparen oder bei den Bauanträgen, die in den nächsten Jahren mehr werden oder beim Tiefbau?", fragte er in der vergangenen Bezirksverordneten-Versammlung, die zum letzten Mal im Rathaus Wilmersdorf stattfand. Aus Kostengründen. Das Haus am Fehrbelliner Platz wird ebenfalls aufgegeben.

Regionale Produkte sollen von zu Hause aus gut erreichbar sein

Wie Schulte weiter berichtete, liegt der Bezirk auch bei den Kosten für die Friedhöfe weit über den Berliner Durchschnittswerten, weshalb möglicherweise auch dort ein Personalabbau nötig werde. Die Opposition in der BVV hingegen sprach sich dagegen aus, die Märkte zu privatisieren, wenn sich dann der oder die Betreiber auf einige wenige lukrative Plätze beschränken.

Eine wohnortnahe Versorgung mit regionalen Produkten sei angesichts der Skandale mit Lebensmitteln in der jüngsten Vergangenheit wichtiger denn je, forderte CDU-Bezirksverordneter Paul-Georg Garmer. Die rot-grüne Zählgemeinschaft gebe mit der Privatisierung die Vielfalt preis, kritisierte er.

Es sei eine Entscheidung von Bezirksamt und BVV, wo gespart werden sollte, sagte Schulte. In Berlin würden sich bereits nur noch fünf der zwölf Bezirke einen öffentlichen Marktbetrieb leisten. Vor der Vergabe an private Betreiber soll es ein Interessenbekundungsverfahren geben. Auch Schulte rechnet damit, dass nicht alle Märkte erhalten werden und die dezentrale Versorgung geringer wird.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.