Prozess

39-Jähriger wegen Doppelmord vor dem Landgericht

Wegen ein paar hundert Euro soll der Berliner Mustafa S. zwei wehrlose Rentnerinnen ermordet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Habgier vor. Er soll Schulden haben und ein Spieler sein.

Foto: Johannes Eisele / dpa

2700 Euro, Schmuck und 25 Packungen Zigaretten - für diese Beute soll ein 39-jähriger Berliner zwei Frauen getötet haben. Die Opfer waren 82 und 85 Jahre alt, die Taten wurden im August 2010 und im Februar 2012 verübt. Seit Mittwoch sitzt der mutmaßliche Täter im Landgericht Moabit auf der Anklagebank. Zweifachen Mord aus Habgier wirft die Staatsanwaltschaft dem 39-Jährigen vor.

Es ist bereits der zweite Anlauf, den das Gericht unternimmt, um den brutalen Doppelmord aufzuklären. Bereits im Oktober vergangenen Jahres musste sich Mustafa S. erstmals wegen des Tatvorwurfs vor einer Schwurgerichtskammer verantworten.

Der Prozess wurde nach 13 Verhandlungstagen ausgesetzt, weil ein Schöffe verstarb und kein Ergänzungsschöffe nominiert worden war. Während der Verhandlung schwieg der Angeklagte zu allen Vorwürfen - genauso wie am Mittwoch.

Zunächst deutete nichts auf ein Verbrechen hin

Als die 85-jährige Ursula M. am 10. Februar vergangenen Jahres tot in ihrer Wohnung an der Berenhorststraße in Reinickendorf aufgefunden wurde, deutete zunächst nichts auf ein Verbrechen hin. Erst durch die Obduktion der Leiche kam heraus: Die gehbehinderte Seniorin, die sich nur mit Krücken und einem Rollator mühsam fortbewegen konnte, wurde erwürgt. Später stellte sich heraus, dass in der Wohnung des Opfers 2000 Euro und Schmuck fehlten. Durch den Abgleich der am Tatort und an der Leiche sichergestellten Spuren mit der DNA-Datenbank des BKA kamen die Ermittler der 4. Mordkommission schließlich auf die Spur von Mustafa S.

Zwei Wochen später wurde der 39-Jährige festgenommen. Eine Durchsuchung seiner Wohnung förderte weiteres Beweismaterial gegen den Verdächtigen zutage. Bereits in seiner ersten Vernehmung habe S. ein Geständnis abgelegt, teilte die Polizei damals mit. Danach hat er sich offenbar unter dem Vorwand, er sei Handwerker und müsse etwas überprüfen, Zugang zu der Wohnung der allein lebenden und hilflosen Frau verschafft.

Ermittler stoßen auf zweites Delikt

Wie in solchen Fällen üblich, überprüfte die 4. Mordkommission, ob der bereits polizeibekannte Mustafa S. als Täter für weitere, noch unaufgeklärte Raubdelikte in Frage kommt. Auch hier wurden die Ermittler fündig. Sie sind inzwischen überzeugt, dass S. noch für einen weiteren Raubmord verantwortlich ist. Am 4. August 2010 soll er eine 82-jährige allein lebende Frau in Wilmersdorf getötet und beraubt haben. Dabei soll er 700 Euro und Zigaretten erbeutet haben. Beide Taten wiesen, wie die Ermittler feststellten, etliche Parallelen auf. Unter anderem kamen beide Opfer durch einen Unterarm-Würgegriff ums Leben, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer am Mittwoch verlesenen Anklageschrift anführte.

Als Motiv für beide Taten vermutet die Staatsanwaltschaft hohe Schulden und Spielsucht des Angeklagten. Da Mustafa S. bislang beharrlich schweigt, muss das Gericht die Hintergründe der Morde jetzt durch die Anhörung von Zeugen aufzuklären. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Aussagen der Kriminalbeamten, die S. nach seiner Festnahme vernommen haben. Auch Personen aus dem Umfeld von S. sollen etwas zu seiner Person und seinen möglichen Motiven sagen können, hoffen die Richter.

Für die Verhandlung sind insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt, das Urteil soll am 8. Mai gesprochen werden. Bei einem Schuldspruch erwartet Mustafa S. eine lebenslange Freiheitsstrafe.