Prozess

Sohn tötet Mutter mit 84 Messerstichen

Christian F. machte Lärm, seine Mutter störte dies. Aus diesem nichtigen Anlass rastete der Sohn aus, so die Ermittlungsergebnisse. Er schlug seine Mutter zu Boden und stach auf sie ein.

84 mal stach ein 24-Jähriger auf seine eigene Mutter ein. Die 57-Jährige hatte keine Chance, die unvorstellbar brutale Attacke zu überleben. Passiert ist das im Oktober vergangenen Jahres in einer Wohnung in Schöneberg. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Täter Christian F. vor dem Landgericht Moabit verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor, geht aber davon aus, dass der 24-Jährige zur Tatzeit schuldunfähig war. Nach dem Willen der Anklagebehörde soll er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Es war am 3. Oktober 2012, als der in Moabit lebende Christian F. seine Mutter in ihrer Wohnung an der Apostel-Paulus-Straße in Schöneberg besuchte. Solche Besuche gab es häufig, Mutter und Sohn sollen sich sehr nahe gestanden haben. Doch an diesem Tag kam es zu einer tödlichen Tragödie und das aus einem völlig nichtigen Anlass. Den Ermittlungsergebnissen zufolge agierte der Sohn mit einem Papierschredder, seine Mutter störte der Lärm, so kam es zum Streit. In dessen Verlauf soll Christian F. die 55-Jährige zunächst zu Boden geschlagen und dann wie von Sinnen immer wieder auf sie eingestochen haben. Zwischenzeitlich warf er sich mehrfach mit seinem ganzen Gewicht auf die am Boden liegende Frau, die dadurch zusätzlich noch mehrere Rippenserienbrüche erlitt.

Es gibt keine Erklärung für ein Tatmotiv

Nach der Tat rief der 24-Jährige seine Schwester an, die daraufhin sofort zum Tatort eilte. Der entsetzliche Anblick, mit dem sie dort konfrontiert wurde, war zuviel für die 31-Jährige, sie brach zusammen. Auch für die hartgesottenen und an schlimme Anblicke gewohnten Mordermittler und Rechtsmediziner war das, was auf sie wartete, ein Schock. Der Körper der Frau war durch die zahlreichen Messerstiche schlimm zugerichtet, das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Christian F. blieb bis zum Eintreffen der Polizei am Tatort und ließ sich dort widerstandslos festnehmen. Eine abschließende Erklärung für sein Tatmotiv haben die Ermittler bis heute nicht, aber schon bald nach seiner Festnahme wurde deutlich, dass der 24-Jährige an einer psychischen Erkrankung leidet. Untersuchungen von Experten haben inzwischen ergeben, dass Christian F. an einer paranoiden Schizophrenie (Persönlichkeitsspaltung) leidet. Die Staatsanwaltschaft glaubt zudem, dass F. seine Mutter für seine psychischen Probleme verantwortlich machte.

Streit soll es häufiger gegeben haben

Ob es schon vor der Tat Anzeichen für eine krankhafte Störung des Angeklagten gab, ist eine der Fragen, die das Gericht mit Hilfe von Sachverständigen klären will. Ein Bekannter der Familie sagte am Dienstag in der Verhandlung, der 24-Jährige habe zuletzt häufiger unter Angstzuständen gelitten. Streit zwischen Mutter und Sohn habe es öfters gegeben, aggressiv sei Christian F. aber nie gewesen, erklärte der Zeuge.

Der Angeklagte selbst schwieg am ersten Verhandlungstag. Über seine Anwältin ließ er lediglich erklären, er bedauere die Tat unendlich und sei bis heute selbst schockiert. Der Prozess wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt