Schulen

Berlins Schüler müssen in Containern unterrichtet werden

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Florentine Anders

Foto: Hendrik Schmidt / picture alliance / dpa

Berlin braucht in den nächsten Jahren etwa 60 neue oder wieder in Betrieb genommene Schulen, weil die Schülerzahlen dramatisch ansteigen.

In allen Bezirken wächst in den kommenden neun Jahren die Zahl der Schüler. Am stärksten wird die Schülerzahl in Lichtenberg steigen. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage der bildungspolitischen Sprecherin der Linkspartei, Regina Kittler, hervor. Die neue Bevölkerungsprognose hatte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bereits im Februar vorgelegt.

Jetzt steht fest, was das für die einzelnen Bezirke bedeutet. Insgesamt rechnet die Bildungsverwaltung mit einem Anstieg um 36.478 Schüler. In diesem Schuljahr ist die Talsohle des Schülerrückgangs der vergangenen Jahre mit 289.000 erreicht. Von nun an steigen die Zahlen kontinuierlich. Das zeichnete sich bereits mit den starken Einschulungsjahrgängen in den vergangenen zwei Jahren ab.

Im Boombezirk Lichtenberg werden in den nächsten zehn Jahren laut Prognose 8575 neue Schulplätze benötigt. Gleich an zweiter Stelle steht Marzahn-Hellersdorf. Hier rechnet die Verwaltung mit 6483 zusätzlichen Schülern, gefolgt von Pankow, wo der Bedarf bei 6401 neuen Schulplätzen liegt. In Treptow-Köpenick werden Gebäude für 4887 zusätzliche Schüler gebraucht, Reinickendorf muss Platz für mehr als 3000 Schüler beschaffen.

Schüler müssen auf Container ausweichen

Insgesamt müssen etwa 60 neue Schulen gebaut oder wieder in Betrieb genommen werden. Seit dem Mauerfall wurden viele Schulen geschlossen, verkauft oder anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Nun müssen die Bezirke neue Räume schaffen. Ein Schulneubau kostet je nach Größe zwischen zehn und 25 Millionen Euro.

Die Zahlen sind die Grundlage für den Schulentwicklungsplan, der im Sommer vorliegen soll. Damit will der Senat dafür sorgen, dass rechtzeitig die benötigten Kapazitäten geschaffen werden.

Doch in einigen Bezirken hat man offenbar schon jetzt ein großes Problem. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) stellt in der Beantwortung der Kleinen Anfrage fest, dass in einigen Regionen kurzfristiger Handlungsbedarf bestehe und „der Schulraumbedarf nur durch mobile Unterrichtsräume“ gedeckt werden könne. Im Klartext bedeutet das, die Schüler müssen auf Container ausweichen.

Weiteres Problem: Ausreichend Personal muss gefunden werden

Die zuständigen Stadträte in Pankow und Lichtenberg hatten schon lange vor dieser Entwicklung gewarnt und immer wieder Hilfe vom Senat bei den Investitionen für Schulneubauten gefordert. Doch die Hilferufe blieben in den vergangenen Jahren ohne Erfolg. Zwar sind in den vergangenen fünf Jahren 3000 Schulplätze entstanden, aber das reicht nicht aus.

Schon bis 2017 braucht Pankow noch einmal 6000 neue Plätze, und die Liegenschaften des Bezirks sind inzwischen alle aufgebraucht. „Schulcontainer werden das Problem nicht lösen. Es müssen neue Schulen gebaut werden. Die Mittel dafür müssen schnellstens eingeplant und bereitgestellt werden. Entsprechende Grundstücke müssen gesichert werden“, sagt Regina Kittler.

Und noch ein weiteres Problem gibt es: Für die wachsende Zahl der Schüler muss auch ausreichend Personal gefunden werden. Schon jetzt gibt es für Mangelfächer nicht genügend ausgebildete Fachkräfte.