DIHK

Eric Schweitzer - ein Berliner für die deutsche Wirtschaft

Am Mittwoch wird der Unternehmer Eric Schweitzer Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Damit steht nach 80 Jahren wieder ein Berliner an der Spitze der Interessenvertretung.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Es ist eine ziemlich sichere Sache, dass der ebenso traditions- wie einflussreiche Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Mittwoch einen Müllmann zu seinem neuen Präsidenten wählt; dazu den jüngsten in seiner 152 jährigen Geschichte und erstmals nach achtzig Jahren auch einen Berliner. Der heißt Eric Schweitzer, ist 47 Jahre alt, führt zusammen mit seinem Bruder Axel das Recycling Unternehmen Alba und steht seit 2004 an der Spitze der Berliner Industrie- und Handelskammer.

Man darf sich getrost so sicher sein, weil Eric Schweitzer keine halbe Sachen macht. Er ist ehrgeizig und kann nicht verlieren. „Deshalb trete ich gar nicht erst an, wenn ich keine Chance zum Gewinnen habe“, hat er einmal verraten. Die Kandidatur ist denn auch wohl bedacht. Offen zu ihr bekannt hat er sich erst, als er drei Bedingungen erfüllt sah. Er muss es tatsächlich wollen und die Familie muss zustimmen, weil das künftige Amt mit mit vielen Reisen und damit mit erheblichen Einschränkungen im Privatbereich verbunden sein wird.

Zweitens muss ihn sein Vorgänger, der 68-jährige Elmshorner Unternehmer Heinrich Driftmann (Kölln-Haferflocken), als Nachfolger vorschlagen. Und schließlich müsse sicher sein, dass er auch gewählt wird. Seit Ende des Jahres sind alle drei Voraussetzungen zu Schweitzers Zufriedenheit erfüllt. Seitdem bekennt er sich zu seiner Kandidatur, verweigert aber bis zum Wahlakt, der eigentlich nur noch Formsache ist, eisern jede inhaltliche Aussage darüber, wie er sich als Präsident eines der wichtigsten Wirtschaftsverbände Deutschlands zu positionieren gedenkt.

Eric Schweitzer ist nicht nur Unternehmer mit Leib und Seele. Er ist zugleich ein begnadeter Kommunikator, Netzwerker und homo politicus. Mit diesen Qualitäten hat er nach seinem Antritt 2004, gerade 38 Jahre alt, als Berliner Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) die etwas verschnarchte Interessenvertretung der 275.000 Mitgliedsunternehmen wieder auf Trab gebracht. Fast noch wichtiger: Er hat die Kammer der Hauptstadt, die sich vor Jahren mit dem Neubau des Ludwig-Erhard-Hauses an der Fasanenstraße übernommen hatte, finanziell weitgehend saniert. Frischen Wind auch für den Dachverband erhoffen sich die 79 Präsidenten der regionalen Handelskammern, wenn sie ihren jungen Berliner Kollegen zu ihrem Sprachrohr küren.

Draht zum Kanzleramt

Der DIHK übernimmt als Dachorganisation im Auftrag und in Abstimmung mit den IHK die Interessenvertretung der gewerblichen deutschen Wirtschaft gegenüber den Entscheidern in der Bundespolitik und den europäischen Institutionen. Anders als andere Branchenverbände stützt sich der DIHK auf 3,6 Millionen Unternehmen aller Branchen und Größenklassen. Das macht den Verband unabhängig von Einzelinteressen, schafft ein besonderes Gewicht gegenüber Politik, Behörden und Institutionen und macht ihn zudem für die Medien interessant.

Der Umgang mit Politiker und Medienleuten fiel dem Vorgänger, wie übrigens allzu vielen Unternehmern, schwer. Das lag nicht zuletzt an der Entfernung zwischen Elmshorn im südlichen Schleswig-Holstein und Berlin. „Wenn ich nach Berlin muss, bin ich ja einen ganzen Tag unterwegs“, hat Heinrich Dickmann einmal geklagt. Schweitzer dagegen ist fast immer in Rufnähe, wenn ein Auftritt nötig oder erwünscht ist. Ins Kanzleramt hat er seit Jahren ohnehin einen guten Draht, seit Angela Merkel ihn in den Rat für Nachhaltige Entwicklung berufen hat.

Und dass er auch mit politisch weniger sympathischen oder gar ideologisch geprägten Gesprächs- und Verhandlungspartnern umgehen kann, hat er zu Zeiten des rot-roten Senats in Berlin bewiesen. Seit der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach Jahren des Desinteresses die Bedeutung der Wirtschaft für die Stadt entdeckt hat, kommen beide gut miteinander aus. Und selbst dem früheren Wirtschaftssenator Harald Wolf von der Linkspartei attestierte er sachliche Zusammenarbeit, solange es nicht um die Rekommunalisierung privatisierter Landesbetriebe ging.

Eric Schweitzer hat also, und das ist für das künftiger Amt ganz wichtig, neben großer unternehmerischer Erfahrung auch diplomatischen Geschick. Für Berlin hätte seine Wahl zudem nicht zu unterschätzende regionalpolitische Bedeutung. Mit der Person Eric Schweitzer würde diese nicht erst wegen der BER-Pleite so gern und oft geschmähte Stadt wieder ein Gesicht bekommen, das durch seine bundesweiten Auftritte Sympathie wecken und vom Positiven künden würde, was in den letzten Jahren wirtschaftlich in dieser Stadt erreicht worden ist. Eine neue große Bühne, auch um für sein Berlin zu werben, „die Stadt, die mir einfach am Herzen liegt“.

Ob alle Beschäftigten im Haus der Deutschen Wirtschaft an der Breiten Straße in Mitte mit der unmittelbaren Nähe ihres wohl künftigen Präsidenten immer ganz glücklich sein werden, ist eine andere Frage. Denn häufiger als manchem Mitarbeiter lieb sein könnte, wird ihr Präsident unangemeldet vorbeischauen und nach dem Rechten schauen. Ernst nehmen sollten sie ihn von der ersten Stunde an. Wenn sich Eric Schweitzer einmal entschieden hat, weiß er, was er will und setzt alles daran, dieses Ziel zu erreichen.

Von seinem jugendlichen Aussehen sollte sich niemand täuschen lassen. Wenn’s drauf ankommt, kann er knallhart sein. Aber lieber zeigt er sich amüsant und mit Freude an Anekdoten aus dem Alltag. Wie jenes Erlebnis nach in Berlin gerade erfolgter Wahl zum jüngsten IHK Präsident Deutschlands. Da war er 38 Jahre alt, verzichtete – wie noch immer – auf Dienstwagen und Chauffeur und fuhr zu einem Treffen aller IHK-Präsidenten in Detmold mit dem eigenen Auto vor. Auf seine Frage, wo das Präsidententreffen stattfinden würde, wurde ihm beschieden: „Dort hinten. Aber der Raum für die Chauffeure ist hier vorn.“

400 Euro Taschengeld mit Alt-Metall

Eric Schweitzer war fast immer der jüngste. Mit 18 Jahren Abitur am Hermsdorfer Georg-Herwegh-Gymnasium, dann eine Wette mit dem Vater, dass er sein Hauptstudium in Betriebswirtschaft in eineinhalb Jahren schafft, gewinnt er als 22-Jähriger mit bestandenem Examen. Zwei Jahre später darf er Dr. auf seine Visitenkarten schreiben. Promoviert hat er über das in der Familie nahe liegende Thema „Ordnungspolitische Probleme der Abfallwirtschaft.“ Nach einem Praktikum in Amerika tritt er 1991 in das elterliche Entsorgungsunternehmen ein, zwei Jahre später, da ist der am 24. Juli 1965 in Ipoh, Malaysia geborene Eric gerade mal 28 Jahre alt, zieht er in den Vorstand ein. Bevor der Vater Alba gründete, war er als Bauingenieur für Hochtief in dem fernöstlichen Land tätig.

Dass der Aufstieg auch auf harter praktischer Arbeitet gründete, dafür hat der Vater gesorgt, nach dem der den genialen Einfall mit der Müllentsorgung hatte. Über den hat der Sohn bei einem Treffen mit dem Autor in Kurzform so erzählt: „1968 wohnte mein Vater als Gast im Hotel Kempinski am Kurfürstendamm. Als er aus dem Fenster schaute und unten im Hof einen Müllberg entdeckte, fragte er, warum der nicht längst abgefahren sei. Da wurde ihm resignierend geantwortet, so sei das eben, wenn Sie einen staatlichen Monopolisten wie die BSR haben. Da hat mein Vater die Chance seines Lebens gesehen und sich einen alten Müllwagen gekauft.“

Dass mit dem Müll das Geld auf der Straße liegt und sich damit viel Geld verdienen lässt, ist den Söhnen in frühester Jugend eingetrichtert worden. In den Anfängen des Unternehmens, so erinnert sich Eric Schweitzer, seien die Brüder in den Schulferien schon früh raus auf die Bauschutt- Deponien gefahren und hätten dort alles gesammelt, was nach Metall aussah. „An guten Tagen haben wir bis zu 400 Mark Taschengeld gemacht“, erinnert er sich. Sobald er den Führerschein hatte, kletterte er selbst auf den Bock eines Müllwagens. Noch heute fährt er hin und wieder einen der gewaltigen blauen Alba-Abfalllaster durch die Stadt. Wer ihn nach seinem Beruf fragt, dem sagt mit leichtem Grinsen, aber Stolz in der Stimme: „Ich bin Müllmann.“