Tourismusmesse

Reise buchen auf der ITB wird zum Stresstest

Viele Messe-Besucher nutzten den erstmalig angebotenen Service. Das führte zu langen Wartezeiten. Die Reiseunternehmen zeigten sich zufrieden, da überwiegend hochpreisige Reisen gebucht wurden.

Foto: Soeren Stache / dpa

Stau, Kälte, Wind, gestresste Menschen und endlose Parkplatzsuche. So stellte sich am Sonnabendvormittag die Situation vor den Messehallen am Funkturm dar. Und stand damit sicherlich im Gegensatz zu den Wünschen der Besucher der Internationalen Tourismusbörse (ITB), die sich auf der weltgrößten Reisemesse auf die schönsten Wochen des Jahres einstimmen wollten. Am Sonnabend konnten sich die Besucher über Reiseziele in 180 Ländern informieren. Nach drei Messetagen für Fachbesucher hatten am Wochenende Privatbesucher die Möglichkeit, die 11.000 Messestände zu besichtigen. Und erstmals können an diesem Wochenende Reisen direkt auf der Messe gebucht werden.

„Ich möchte mit meiner Tochter und den Enkeln für zwei Wochen nach Marokko“, sagt Ingrid Tempel aus Potsdam. „Hauptsache in die Wärme.“ Angelockt von den Angeboten des Reiseveranstalters l’tur steht sie vor dem Stand und wartet auf einen freien Platz am Verkaufstresen. „Ich mag die Atmosphäre auf der ITB und habe mir Anregungen geholt.“ Jetzt wartet die Frau auf ihr Reiseschnäppchen. Mit Messepreisen und zusätzlichen drei Prozent Ermäßigung will das Unternehmen möglichst viele Besucher in die Ferne schicken.

Mallorca bleibt beliebtes Reiseziel

„Wir haben einen regen Zulauf. Mallorca läuft gut“, sagt Reiseverkehrskaufmann Benjamin Herfert. „Besucher, die weiter weg wollen, buchen Dubai oder die Dominikanische Republik.“ Eine Reise in den Wüstenstaat gibt es bereits ab 499 Euro pro Person mit Flug und Hotel. Mallorca im März wird für 222 Euro angeboten. „Dieses Angebot gilt nur im März“, sagt Carola Fröhlich aus Spandau. Für eine Woche im Mai zahlt sie 349 Euro. Den Entschluss, auf der Messe eine Reise zu buchen, hatte sie erst am Morgen am Frühstückstisch. „Auf die ITB wollten wir auf jeden Fall, mit meiner Mutter möchte ich für eine Woche nach Mallorca, und hier bekomme ich noch drei Prozent Rabatt.“

Andere Messebesucher sehen die Möglichkeit, an einem Stand eine Reise zu buchen, skeptisch. „Viel zu laut und zu voll“, sagt Heinz Elsner. Auf der Messe würde er sich nur informieren, um dann ins Reisebüro zu gehen. „Bei drei Prozent Rabatt kann sich jeder ausrechnen, wie teuer der Urlaub sein muss, damit ich den Eintrittspreis von 14,50 Euro wieder drin habe.“

Kritik vom Reiseverband

Der Reiseverkauf wurde bereits im Vorfeld der ITB vom Deutschen Reiseverband (DRV) kritisiert. Der Verband befürchtet Umsatzrückgänge in Berliner und Brandenburger Reisebüros. Dieser Meinung haben sich auch einige Reiseveranstalter angeschlossen. Und wer Reisen verkauft, gewährt nicht auch zwingend einen Messerabatt. Schließlich wolle es man sich nicht mit „seinem Vertriebssystem, den Reisebüros, verderben“. Mehr als 60 Reiseveranstalter sollen es sein, die Reisen auf der Messe an die Endverbraucher verkaufen.

„Offiziell ist es das erste Jahr, in dem das möglich ist“, sagt eine Mitarbeiterin aus der Reisebranche. „Inoffiziell wurden auch früher schon hin und wieder Reisen an private Kunden verkauft.“ Der Reiseveranstalter Schauinsland Reisen beispielsweise nutzt die Messe als Plattform im klassischen Sinn. Buchungen sind nicht möglich. „Unsere Mitarbeiter beantworten gerne Fragen, informieren und bieten eine Übersicht über unsere Reiseangebote und Verfügbarkeiten“, sagt Kathrin Kremer. „Wir möchten aber, dass unsere Kunden ihre Reisen im Reisebüro buchen.“ Bei der Firma Sun Trips hingegen kann in den Messehallen gebucht werden. „Die Möglichkeit ist da“, sagt Nicola Aleff, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens.

Besucher buchen vorwiegend hochpreisige Reisen

„Als ich gelesen hatte, dass auch Reisen gebucht werden können, dachte ich, dass alle Anbieter in einer Halle zu finden sind“, kritisiert die Besucherin Marion Neumann aus Steglitz. „Ich habe keine Lust, an jedem Stand zu fragen, ob ich buchen kann.“ Hin und wieder weisen Schilder auf die Möglichkeit hin. „3 % Messerabatt“, ist auf einem Ausdruck am Stand der FTI Group zu lesen. Man habe auch schon Reisen verkauft, aber noch mehr Beratungsgespräche geführt.

„Wir waren überrascht, dass mehr hochpreisige Urlaubsreisen auf der Messe gebucht wurden“, sagt eine Mitarbeiterin. Sie vermutet, dass der Messerabatt bei einer teureren Reise mehr ins Gewicht fallen würde. Anders sieht es bei den so genannten Reisespezialisten aus. Sie bieten nur Beratung bei individuell zusammengestellten Reisen in die entlegensten Winkel der Welt an. Beispielsweise Kanutouren auf dem Amazonas oder Trekkingtouren in Nepal. „Buchungen auf einer Messe wollen weder die Kunden, noch die Veranstalter,“ sagt eine Reisespezialistin.

An den Ständen der Länder ist eine Buchung ebenso nicht möglich. Die Länder würden von den Fremdenverkehrsbüros präsentiert, heißt es auf Nachfrage. Die Messe Berlin bezeichnet die Möglichkeit der Reisebuchung als Experiment. Damit wollte man verhindern, dass Anbieter bereits nach den Fachbesuchertagen wegfahren. Das Experiment soll nach der ITB ausgewertet werden, heißt es.