Prozess in Berlin

Tod durch Sado-Maso-Sex - Angeklagter ist voll schuldfähig

| Lesedauer: 3 Minuten
Michael Mielke

Grausame Tat in Berlin-Marienfelde: Michael S. soll seinen Partner getötet und zerstückelt haben. Der Angeklagte verweigerte die Aussage.

Kann ein Angeklagter, der einen anderen Menschen tötet, zerstückelt und einzelne Leichenteile kocht, voll schuldfähig sein? Ein Gutachter hat das am Dienstag vor einem Moabiter Schwurgericht bestätigt.

Angeklagt wegen Mordes ist der 44-jährige Michael S. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 5. Januar 2012 in seiner Wohnung in Marienfelde einen anderen Mann bei zunächst einvernehmlichem sadomasochistischem Sex getötet zu haben. Anschließend hatte er die Leiche des 37-jährigen Carsten Sr. zerstückelt. Für die Ankläger ist das ein Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebes.

Bei der Polizei soll Michael S. gesagt haben, dass es sich um einen Unglücksfall handele, er habe unter starkem Einfluss von Drogen gestanden. Vor Gericht sagte er nicht aus. Und auch bei der Untersuchung durch einen Psychiater, der am Dienstag sein Gutachten abgab, verweigerte der Angeklagte das Gespräch.

So blieb dem Sachverständigen nur das, was er in den Akten fand und während der Beweisaufnahme hören konnte. Der Psychiater verwies darauf, dass es dem Angeklagten trotz einer sehr problematischen Kindheit, die er in Pflegefamilien und Heimen verbrachte, gelungen sei, die Schule und eine Lehrausbildung zum Pferdewirt erfolgreich zu beenden. Seit 1996 lebte er in Berlin, hatte verschiedene Partnerschaften. Das spätere Opfer lernte er über eine Internetplattform kennen.

Carsten Sr. habe sterben wollen, so die Verteidigung

Vieles spreche dafür, so der Psychiater, dass der Angeklagte einen Hang zum sexuellen Sadismus habe. Das sei aber nicht automatisch mit einem Verlust der Selbstkontrolle verbunden. So sehe er bei dem Angeklagten auch ein sehr strukturiertes Verhalten nach der Tat. Michael S. hatte bei der Polizei gesagt, er habe den plötzlich leblos wirkenden Carsten Sr. noch reanimieren wollen. Auch sonst gebe es keine Hinweise auf eine stark eingeschränkte oder gar aufgehobene Steuerungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat.

Eine Relativierung gab es nach der Frage des Schwurgerichtsvorsitzenden, ob es Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Angeklagte durch den Drogenkonsum stark eingeschränkt gewesen sei. Das könne er nicht ausschließen, erwiderte der Gutachter. Er wisse ja nicht, welche Menge an Drogen genommen worden sei.

Eine These der Verteidigung ist es, dass Carsten Sr. sterben wollte und dem Angeklagten deswegen vor seinem Tode nicht das vereinbarte Handzeichen gegeben habe, damit dieser mit den sadistischen Praktiken aufhöre. Das würde auch zu einem Brief des Angeklagten passen, den er vor seiner Festnahme schrieb: „Ich habe sehr viel Mist gebaut“, heißt es. „Das Schlimmste ist, ich habe einen Typen auf sein Verlangen hin ermordet.“ Der Prozess wird am 5. Dezember fortgesetzt.