Prozess in Berlin

Bewährungsstrafe für 51 Jahre alten Stalker von Schulmädchen

Rüdiger S. verfolgte drei Neunjährige und besaß Kinderpornografie. Der Richter erteilte ihm eine Bewährungsstrafe und Sexualtherapie.

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Der 20. Dezember vergangenen Jahres war für Berlins Kinder ein guter Tag und für Rüdiger S. eher ein schlechter. Der 51-Jährige war auf dem S-Bahnhof Eichborndamm von drei Polizeibeamten festgenommen worden. Als sie auf ihn zukamen, hatte er schnell noch einen USB-Stick weggeworfen – aber nicht schnell genug, die Beamten sahen es, stellten den USB-Stick sicher, und so gab es gegen den gelernten Lackierer gleich zwei Strafverfahren.

Das erste wurde am 22. Oktober 2012 abgeschlossen. Ein Moabiter Gericht verurteilte Rüdiger S. wegen Besitzes von Kinderpornografie zu einem Jahr Haft, ausgesetzt auf Bewährung. Die inkriminierten Bilder – mehr als 41.000 Stück – hatten die Ermittler im Juli 2012 in Reinickendorf bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Was Rüdiger S. aber nicht davon abhielt, sich erneut diese widerlichen Fotos herunterzuladen. Es fanden sich weitere 461 Bilddateien auf dem weggeworfenen USB-Stick.

Der beschlagnahmte USB-Stick war am 20. Dezember aber eher ein Zufallserfolg. Verfolgt wurde Rüdiger S., weil er schon seit Februar 2011 kleinen Mädchen nachstellte – auch Stalking genannt. So war er in Neukölln immer wieder einer Neunjährigen auf ihrem Schulweg nachgelaufen. Das Kind litt unter Angstzuständen, wollte am Ende gar nicht mehr allein zur Schule gehen. Ein weiteres Opfer war eine Elfjährige, die er zwischen Mai und September verfolgte. Wiederum in Neukölln. Das verängstigte Mädchen lief sogar Umwege, um ihn abzuschütteln, allerdings vergeblich. Elf Jahre alt war auch das dritte Opfer, dem er in Reinickendorf nachstellte.

Bei der Polizei hatte sich Rüdiger S., der bislang nicht vorbestraft war, zu den Vorwürfen nicht geäußert. Die drei Mädchen hatten ihn jedoch auf vorgelegten Fotos eindeutig wiedererkannt. So kam es nicht überraschend, dass Rüdiger S. bei einem zweiten Prozess – diesmal vor einem Jugendrichter – sofort ein Geständnis ablegte. Er gebe alle Vorwürfe zu, sagte er. Das alles belaste ihn sehr, und er könne nicht mehr schlafen.

Das pauschale Geständnis ersparte den Mädchen die Befragung, was dem Angeklagten positiv angerechnet wurde. Der Richter stellte das Verfahren ein und begründet das auch mit dem Urteil vom 22. Oktober, das quasi für beide Vorwürfe – Besitz von Kinderpornografie und Stalking von Schulmädchen – ausreiche. Er erteilte dem Angeklagten aber die Auflage, unverzüglich mit einer Sexualtherapie zu beginnen. Ansonsten wird die Bewährung aus dem ersten Prozess widerrufen, und Rüdiger S. muss ins Gefängnis.