Fall Jonny K.

Senator Heilmann weist Kritik an Ermittlungsbehörde zurück

Heilmann verteidigt die Justiz: Die Fahndung werde energisch vorangetrieben. Im Internet treten Drohungen und Rassismus auf.

Foto: Clemens Bilan / dapd

Im Fall des am Alexanderplatz zu Tode geprügelten Jonny K. hat Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) die Kritik an den Ermittlungsbehörden zurückgewiesen. „Wir sind längst aktiv. Es ist nur so, dass wir nicht so einfach Polizisten in die Türkei schicken können, um den Mann festzunehmen“, sagte Heilmann im „RBB-Inforadio“. Auch die türkischen Kollegen dürften nicht türkische Staatsbürger in Deutschland festnehmen, „sondern sie brauchen einen internationalen Haftbefehl und ein Auslieferungsersuchen“.

Dennoch hält Heilmann eine baldige Auslieferung des 19-jährigen Hauptverdächtigen für möglich, obgleich sich diese schwierig gestalten könnte. Möglicherweise sei der Verdächtige auch türkischer Staatsbürger, sagte Heilmann. Dann dürfe er nicht ausgeliefert werden. In diesem Fall müsse ihm in der Türkei der Prozess gemacht werden.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich zum Stand der Ermittlungen nicht äußern. „Wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Fahndungsmaßnahmen eingeleitet – und das nicht erst gestern“, sagte eine Sprecherin der Justizverwaltung.

Vorwurf: Fahndung nicht energisch genug

Nachdem die „Bild“-Zeitung den als Haupttäter verdächtigten Onur U. in der Türkei aufgespürt hatte, war der Vorwurf laut geworden, dass dies die Aufgabe der Ermittler gewesen wäre und dass die Beamten die Fahndung nicht energisch genug vornehmen würden. Auch der Weiße Ring als Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer kritisierte die Arbeit der Ermittlungsbehörden. In den Augen der Bürger sei die Justiz zu lasch und zu inkonsequent, sagte Verbandssprecher Helmut Rüster am Dienstag dem Radiosender „hr-info“. Dies schaffe „falsche Signale für mögliche Nachfolgetäter. Außerdem laufen wir Gefahr, dass das Vertrauen der Bürger in die Fähigkeit der Rechtssysteme schwindet.“

Die Justiz hatte bereits in der in der Kritik gestanden, als ein Haftrichter zwei festgenommene Tatverdächtige auf freien Fuß gesetzt hatte. Inzwischen ist ein 21-Jähriger wieder in U-Haft, nachdem ein anderer Richter einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft über die Entscheidung seines Kollegen stattgegeben hatte. Außer dem 21-Jährigen sitzt noch ein 19-Jähriger im Untersuchungsgefängnis. Ein dritter Tatverdächtiger wurde freigelassen, weil er nicht Jonny K., sondern dessen Freund geschlagen haben soll, der die Attacke überlebt hatte.

Droh-Mails an Benedikt Lux

Während die Fahndung nach den anderen drei Tatverdächtigen weiterläuft, nimmt die Wut einiger Bürger über die Brutalität der Attacke nach Angaben der Schwester von Jonny K. befremdliche Ausmaße an. „Über Facebook werden mir Nachrichten geschickt, in denen sich die Absender hasserfüllt über die türkischstämmigen Tatverdächtigen äußern und deren Landsleute als insgesamt gewalttätig darstellen“, sagte Tina K. zu Morgenpost Online. „Ich versuche, etwas gegen diesen Hass und den Rassismus zu tun.“ Der Tod ihres 20 Jahre alten Bruders sei die Tat einzelner Männer gewesen. „Das darf man nicht verallgemeinern.“

Am Mittwoch wird die 28-Jährige bei der ARD-Talkshow von Anne Will zu Gast sein (23.45 Uhr). Auch der Bernauer Jugendrichter Andreas Müller und der Sozialarbeiter Fadi Saad werden erwartet, um über das Thema „Keine Gnade für die Opfer – was soll mit den Schlägern geschehen?“ zu diskutieren.

Unterdessen hat der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux sogar E-Mails erhalten, in denen ihm und seiner Familie gedroht wird. Hintergrund ist offenbar eine Äußerung des Abgeordneten, in der er sein Vertrauen in die Justiz im Zusammenhang mit der umstrittenen Freilassung eines Tatverdächtigen bekräftigt hatte. Jetzt werde ihm vorgeworfen, Verständnis für die Täter zu haben. „Ich habe weiterhin Vertrauen in den Rechtsstaat und wünsche mir, dass das auch mehr Bürger haben“, sagte Lux zu Morgenpost Online.