SED-Diktatur

Maueropfer Peter Fechter bekommt kein Ehrengrab

Zum dritten Mal hat die Senatskanzlei die Anregung des Bezirks Pankow nun abgelehnt. Über die Umbenennung der Zimmerstraße wird diskutiert.

Foto: Reto Klar

Peter Fechter bekommt vom Land Berlin kein Ehrengrab. Die Senatskanzlei hat den Antrag aus Pankow im Oktober abgelehnt. Als Grund nannte Sprecher Bernhard Schodrowski, dass ein Kriterium nicht erfüllt sei. Gemäß dem Friedhofsgesetz werden Ehrengrabstätten für Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten eingerichtet. Als solche gelten „Verstorbene, die hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin vollbracht oder die sich durch ihr überragendes Lebenswerk um Berlin verdient gemacht haben.“

Grabstätte ist dauerhaft gesichert

Dieses Kriterium, so der Sprecher der Senatskanzlei, treffe für Peter Fechter nicht zu. Schodrowski verwies darauf, dass Fechters Grab als Grabstätte eines Opfers von Krieg und Gewaltherrschaft anerkannt sei. „Das ist die prominentere Ehrung“, so der Sprecher. „Damit ist die Grabstätte dauerhaft gesichert.“ Ein Ehrengrab dagegen sei zunächst nur für 20 Jahre angelegt und müsse dann verlängert werden. Der Senat unterstütze das Gedenken an Peter Fechter und die Umbenennung der Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße, die CDU-Generalsekretär Kai Wegner im August angestoßen hatte, sagte Bernhard Schodrowoski. Dies sei allerdings Sache des Bezirks Mitte.

Peter Fechter ist in Weißensee begraben, auf dem Friedhof der evangelischen Auferstehungsgemeinde an der Indira-Gandhi-Straße. Der junge Bauarbeiter starb bei einem Fluchtversuch am 17. August 1962. Er verblutete im Mauerstreifen, nachdem er von DDR-Grenzsoldaten angeschossen worden war. Aus Sicht der Pankower Bezirksverordneten sollte er eine Ehrengrabstätte bekommen. Sie hatten das Bezirksamt aufgefordert, sich mit dieser Anregung an die Senatskanzlei zu wenden. Fechters Opfer stehe für die zahlreichen Schicksale, die sich mit der Teilung Berlins verbinden, heißt es im Antrag von SPD und Grünen vom August 2012. Dieses Opfer müsse unvergessen bleiben. „Ein von Berlin dauerhaft zu erhaltendes und zu pflegendes Ehrengrab sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein.“

Gedenktafel in der Behaimstraße

Die Ablehnung der Senatskanzlei stößt auf Unverständnis im Bezirk Pankow. „Ich bin enttäuscht“, sagte Klaus Mindrup von der SPD-Fraktion. Schon in den Jahren 2005 und 2010 hatte Pankow das Ehrengrab für Fechter angeregt, beide Male lehnte die Senatskanzlei ab. „Wir haben nunmehr die Hoffnung, dass sich im Zuge der Straßenumbenennungsdebatte im Bezirk Mitte diese Einschätzung der Senatskanzlei geändert hat“, schrieben die Sozialdemokraten zur Begründung ihres dritten Antrags. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Das Bezirksamt Pankow werde nun anregen, dass eine Gedenktafel für Peter Fechter an seinem Wohnort in der Behaimstraße angebracht werde, sagte Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD). Die Gedenktafelkommission solle dies prüfen.

Die Entscheidung der Senatskanzlei hat Verwunderung ausgelöst. „Wir finden es befremdlich, dass der Senat seine Vorschriften derartig streng auslegt“, sagte Rainer Wagner, Bundesvorsitzender des Dachverbandes der SED-Opfer, UOKG. „Peter Fechter ist durch seinen Tod zum Symbol geworden, weit über Berlin hinaus.“ Fechters Sterben und all das, was sich in den Jahrzehnten danach mit dem Namen Peter Fechter verbunden hat, so Wagner, „hat den Menschen in aller Welt die Problematik der Mauer und des verbrecherischen Grenzsystems der DDR vor Augen geführt“. Aus dieser Sicht stünde ihm ein Ehrengrab zu. „Das wäre ein Zeichen für die Öffentlichkeit, in dieser und in der nächsten Generation.“ Wenn der Bezirk Pankow das Ehrengrab wolle und der Senat es ablehne, „dann ist das eine engherzige Auslegung der Paragrafen, die der Wirklichkeit nicht entspricht.“

Angemessene Ehrung in Pankow

Auch CDU-Generalsekretär Kai Wegner hatte nicht damit gerechnet, dass die Ehrengrabstätte für Fechter abgelehnt wird. „Nach der Diskussion im vergangenen Jahr überrascht mich die Entscheidung der Senatskanzlei“, sagte Wegner. „Da das Schicksal von Peter Fechter sehr bedeutend ist“, so Wegner, „wünsche ich mir, dass sich der Bezirk Pankow und die Senatskanzlei zusammensetzen, um eine angemessene Würdigung und Ehrung für Peter Fechter auch in Pankow zu erreichen.“ Der CDU-Politiker hatte sich im Sommer dieses Jahres dafür eingesetzt, dass die Zimmerstraße in Mitte in Peter-Fechter-Straße umbenannt wird. „Ich hoffe, dass das bis August 2013 erreicht ist“, sagte Wegner. Über die Umbenennung einer Straße entscheidet die Bezirksverordneten-Versammlung Mitte.

Es gebe unterschiedliche Auffassungen in den Fraktionen dazu, sagte Christiane Hoff (Linke), Vorsitzende des Kulturausschusses in Mitte. Darüber werde weiter zu beraten sein. Eine zeitliche Prognose könne man nicht abgeben.

Doch der Ausschuss hat auch Anregungen zum Gedenken an Peter Fechter gegeben. Die Inschrift auf der Stele in der Zimmerstraße verdeutliche nachwachsenden Generationen nicht zwingend den geschichtlichen Hintergrund, der zum Tod des damals 18-jährigen Peter Fechter geführt hat, sagte Christiane Hoff. Deshalb sei zu beraten, ob diese Inschrift durch eine Tafel ergänzt werden sollte. Am Checkpoint Charlie solle es ein Schild geben, das auf die Peter-Fechter-Stele hinweist.

CDU fordert Umbenennung der Zimmerstraße

In Friedrichshain-Kreuzberg setzt sich die CDU für die Umbenennung der Zimmerstraße ein. Eine Peter-Fechter-Straße an diesem prominenten Ort sei die angemessene Art, sich an diesen Teil der deutschen Geschichte zu erinnern, heißt es in einer Resolution, die die CDU-Fraktion in die BVV eingebracht hat. Diese Resolution wird in den Ausschüssen diskutiert.

Für eine Straßenumbenennung spricht sich auch die UOKG aus. Sie wäre ein starkes Signal, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wagner. Er habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Brief gebeten, diese Initiative zu unterstützen. „Wir werden uns jetzt an den Bezirk Mitte wenden und diese Straßenumbenennung vorschlagen“, sagte Wagner.

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