Fall Alexanderplatz

Zwei Tatverdächtige frei - Staatsanwalt legt Beschwerde ein

Der Haupttäter im Fall des am Alexanderplatz getöteten Jonny K. hat sich in die Türkei abgesetzt. Zwei Männer wurden wieder freigelassen.

Foto: Adam Berry / dapd

Nach dem brutalen Mord an dem 20 Jahre alten Jonny K. am Alexanderplatz in Mitte fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den restlichen drei Tätern. Der mögliche Haupttäter könnte sich indes in die Türkei abgesetzt haben, bestätigte jetzt auch die Berliner Staatsanwaltschaft. Der deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund könnte nach den bisherigen Ermittlungen die treibende Kraft bei dem Überfall auf einen 20-Jährigen am Alexanderplatz gewesen sein, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner am Donnerstag. Die zwei 19 und 21 Jahre alten Tatverdächtigen, die sich am Mittwoch in Anwesenheit ihrer Anwälte der Mordkommission gestellt hatten, wurden am Abend überraschend auf freien Fuß gesetzt. Gegen den 21-Jährigen wurde zwar Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge erlassen, der Vollzug jedoch ausgesetzt.

„Begründet wurde dies mit den Aussagen des Beschuldigten zur Tat, den sozialen und familiären Bindungen und seinem Vorleben“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner. Gegen die Haftverschonung habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Ein Antrag auf Aufschub der Haftverschonung seitens der Staatsanwaltschaft wurde nach Angaben des Sprechers ebenfalls abgelehnt. Nach Morgenpost-Informationen war Mehmet E. nach der Tat in der Türkei, bevor er sich Mittwoch der Polizei stellte.

Bei der Vorführung des 19-Jährigen entschied der Haftrichter, das ihm gefährliche Körperverletzung nachzuweisen sei, allerdings zum Nachteil eines der Begleiter von Jonny K. Demnach sei kein Haftgrund gegeben. Gegen diese Entscheidung prüft die Staatsanwaltschaft, Beschwerde einzulegen, so Steltner.

Drei der insgesamt sechs Tatverdächtigen sind weiterhin auf der Flucht. Wie berichtet, sind deren Namen den Ermittlern bekannt. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Wir werden alles daransetzen, auch die restlichen Täter zu bekommen.“ Der hohe Fahndungsdruck habe sich bereits ausgezahlt.

Mit der Festnahme des 19-jährigen Osman A. war den Ermittlern der 1. Mordkommission am Dienstag der Durchbruch gelungen. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Der Tatvorwurf lautet zwar auf Körperverletzung mit Todesfolge, dennoch wird weiter wegen Mordes ermittelt.

Debatte um Sicherheit entfacht

Wie Morgenpost Online erfuhr, soll es sich bei den am Mittwoch festgenommenen um den 19 Jahre alten Melik Y. und den 21-jährigen Mehmet E. aus Wedding handeln. Beide sollen wie Osman A. griechisch-türkischer Herkunft sein. Sowohl Melik Y., Sohn eines Kaufmanns, als auch Mehmet E. sollen einer geregelten Beschäftigung nachgehen. Die drei Männer hätten in Vernehmungen eine Tatbeteiligung eingeräumt, so Justizsprecher Martin Steltner. Bei der Polizei gingen bisher 45 Hinweise zu der Gewalttat ein.

Gemeinsam mit den drei noch gesuchten Komplizen sollen die drei jungen Männer am Morgen des 14. Oktober Jonny K. vor einem Lokal an der Rathausstraße mit Schlägen und zahllosen Tritten gegen den Kopf des längst wehrlosen Opfers so schwer verletzt haben, dass Jonny K. noch am Tatort reanimiert werden musste. Einen Tag später starb der Sohn eines Deutschen und einer aus Thailand stammenden Mutter an Gehirnblutungen.

Der Gewaltexzess hatte bundesweit für Entsetzen und Empörung gesorgt und eine Debatte um die Sicherheit in der Hauptstadt entfacht. Unterdessen hat die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus nach der tödlichen Prügelattacke auf dem Alexanderplatz gefordert, derartige Straftaten „mit Priorität“ zu verfolgen. Das Vertrauen in das staatliche Gewaltmonopol dürfe nicht gefährdet werden, sagte Innenexperte Benedikt Lux am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Er räumte ein, dass absolute Sicherheit nicht versprochen werden könne. Am Sonntagnachmittag findet eine buddhistische Trauerzeremonie in Wilmersdorf statt. Ob auch Politiker des Senats zur Trauerfeier kommen, war am Donnerstag noch offen.