Herbstumfrage

Berliner Wirtschaft wächst stärker als Bundesdurchschnitt

Berlins Wirtschaft gewinnt mehr und mehr an Stabilität - insbesondere in den Bereichen Handwerk, Bau, Dienstleistung und Gastgewerbe.

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Das ideale Berliner Unternehmen, mit dem man aktuell richtig Geld verdienen kann, sieht ungefähr so aus: Handwerkliches Baugeschäft nebst Immobilienmaklerei, dazu ein Hotel mit Boutique im Erdgeschoss. Denn Handwerk, Baubranche, Dienstleister sowie Gastgewerbe tragen den Berliner Aufschwung. Ihnen geht es aktuell prächtig. Allerdings lauern in der nahen Zukunft Eintrübungen. Das geht aus der Herbstumfrage von Handwerkskammer und IHK hervor. Die Hauptgeschäftsführer der beiden Kammern, Jürgen Wittke (Handwerk) und Jan Eder (IHK), erwarten dennoch in der Hauptstadt ein höheres Wirtschaftswachstum als im Bundesdurchschnitt.

„Im Frühjahr habe ich von zwei Prozent gesprochen. Es gibt keinen Anlass, das zurück zunehmen“, sagte Eder. Für 2013 sind die Kammern angesichts globaler Risiken etwas abwartender. Dann könnte die Wirtschaftsleistung in der Stadt um 1,5 Prozent zulegen. Damit würde Berlin in diesem und kommenden Jahr stärker wachsen als der Bund. Für Deutschland insgesamt erwarten Politiker und Ökonomen in diesem Jahr nur eine schwache Zunahme der Wirtschaftsleistung. Die offizielle Prognose der Bundesregierung geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 0,8 Prozent und im kommenden Jahr um 1,0 Prozent zulegen wird. Sorgen machen neben dem Krisenklassiker Euro-Zone Zeichen von Wachstumsschwäche in Ländern wie China. Das könnte die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen. Deren wichtigste Protagonisten sitzen nicht in Berlin.

In der Hauptstadt dominiert – allen Anstrengungen und einem gewissen Aufholprozess der vergangenen Jahre zum Trotz – eben nicht die Industrie. Handwerk, Baubranche, Einzelhandel, Gastgewerbe und Dienstleistungen sind vor allem auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Besonders stark sind dem Konjunkturbericht der Kammern zufolge die Impulse vom Bau- und Immobiliensektor.

Gute Gegenwart, unsichere Zukunft

Allerdings zeugt der Report nicht nur von einer äußerst guten Gegenwart sondern zeichnet auch das Bild einer Zukunft, die mehr und mehr Unternehmer sorgt. Die Geschäftslage erreicht einen Wert von 44. Das bedeutet: Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Lage überwiegt deutlich. Im Vergleich zum Frühjahr ist dies eine deutliche Zunahme. Damals lag der Wert bei 33. Aufschlussreicher ist aber die Erwartung der Berliner Firmen, von denen mehr als 1100 bei der Erhebung der Kammern mitgemacht haben. Dieser Wert sank von 31 im Frühjahr auf 13. Eine wachsende Verunsicherung in Berlins Unternehmen zeigt sich also, allerdings bei insgesamt guter Lage. Der Geschäftsklimaindex, in dem die Werte für Geschäftslage und Erwartungen aggregiert werden, lag bei der Herbstumfrage bei 127 Punkten. Im Vergleich zum Frühjahr ist das ein kleiner Rückgang. „Wir schauen leicht optimistisch, aber auch gespannt in die Zukunft“, sagte Wittke. Festzuhalten sei aber: „Der Berliner Wirtschaft geht es richtig gut.“ Sein IHK-Kollege Eder ergänzte, die Wirtschaft der Stadt gewinne mehr und mehr an Stabilität.

Für die grundsätzlich stabile Lage der Unternehmen gibt es zwei aussagekräftige Indikatoren, die von den Kammern in der Umfrage ebenfalls erhoben werden: Bereitschaft zum Einstellen neuer Mitarbeiter und zum Investieren. Unter dem Strich wollen noch immer mehr Firmen neues Personal einstellen als Leute entlassen. Der entsprechende Saldowert von Firmen, die Belegschaften aufstocken wollen und jenen, die abbauen werden, beträgt 12. Allerdings überwiegen im Handwerk, der Baubranche und der Industrie bereits die Skeptiker. Einstellen wollen hingegen noch die Dienstleister sowie das Gastgewerbe. Ähnlich ist das Bild bei Investitionen. Dienstleister, Gastgewerbler und Einzelhändler stecken Geld in ihre Unternehmen, Baubetriebe und Industrie halten erst einmal das Geld zusammen.

Im Vergleich zum Rest des Landes steht Berlin aber vergleichsweise robust dar. Stärkeres Wachstum als der Bund kann Berlin aber auch dringend brauchen. Noch immer ist die Stadt im Vergleich der Bundesländer äußerst schwach. Die Arbeitslosenquote ist die höchste aller Bundesländer, das Pro-Kopf-Einkommen eines der niedrigsten in Deutschland. Allerdings konnte Berlin in den vergangenen Jahren seinen wirtschaftlichen Rückstand ein wenig aufholen. Seit 2006 wächst die Hauptstadt stärker als der Bund. Dabei hilft unter anderem auch, dass seit geraumer Zeit die Zahl der Stadtbewohner wieder zunimmt.