Prügelattacke

Fall Jonny - Berliner Polizei kennt Namen eines Schlägers

Im Mordfall am Alexanderplatz hat die Polizei eine Spur: Offenbar kennt ein Zeuge einen der Täter und gibt auch über die Komplizen Auskunft.

Foto: Michael Gottschalk / dapd

Knapp eine Woche nach dem Mord vor den Rathauspassagen in Mitte scheinen die Ermittlungen endlich einen entscheidenden Schritt voranzukommen. Den Ermittlern der 1. Mordkommission liegt jetzt eine erste vielversprechende Zeugenaussage vor. Bekannt sein sollen demnach die Wohnorte der verdächtigen Männer, die den 20 Jahre alten Jonny K. aus Spandau totprügelten.

Zudem erfuhr Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen, dass dem Zeugen ein Mitglied der Tätergruppe sogar namentlich bekannt sei. Von einem weiteren Verdächtigen soll der Zeuge, über den keine näheren Angaben gemacht wurden, zumindest den Spitznamen kennen.

Die Polizei wertete am Freitag die inzwischen vorliegenden Videoaufzeichnungen aus dem Lokal „Cancún” aus, wo sich die Gruppe der mutmaßlichen Täter in der Nacht zu Sonntag aufgehalten haben soll. Dort fand nach einem Konzert des türkischen Sängers Murat Boz im Tempodrom eine Aftershow-Party statt.

Mindestens 700 zumeist türkischstämmige Gäste sollen anwesend gewesen sein. Zeitgleich zu den Videoauswertungen wird geprüft, ob die von dem Zeugen erkannten Männer auf Bildern von Überwachungskameras in der Umgebung des Tatortes auftauchen. Die Kriminalpolizei dürfte damit in der Lage sein, Zielfahnder auf die Verdächtigen anzusetzen.

Ungewöhnlich hohe Belohnung

Bis Freitag waren insgesamt 30 Hinweise zu dem Fall eingegangen, ohne dass sich eine heiße Spur ergeben hätte. Erst am Dienstag hatten die Berliner Sicherheitsbehörden eine ungewöhnlich hohe Belohnung von 15.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Aufklärung des Verbrechens führen. Grund dafür war nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei die „Brutalität des Verbrechens“. Wie berichtet, war der 20-Jährige an der Rathausstraße in Höhe der Hausnummer 11 von den Tätern durch Tritte gegen den Kopf so schwer verletzt worden, dass er bereits am Tatort reanimiert werden musste. Dennoch starb der junge Mann am folgenden Tag an den Folgen von Gehirnblutungen.

Der Mord an Jonny K., der am Oberstufenzentrum Handel II in Marzahn für sein Fachabitur gelernt hatte, hat über Berlin hinaus große Bestürzung hervorgerufen. Vor allem deshalb, weil der Gewaltexzess völlig grundlos erfolgte. Wie berichtet, hatte sich das spätere Opfer nach einer Party um seinen betrunkenen Freund gekümmert, als er unvermittelt erst angepöbelt und dann brutal geschlagen und getreten wurde.

Mobile Wache auf dem Alexanderplatz

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief die Bevölkerung in Berlin nach dem tödlichen Angriff auf Jonny K. zum Kampf gegen Gewalt auf. „Die Polizei kann nicht alleine gegen die Gewalt vorgehen“, sagte er dem Radiosender 104.6 RTL. Auch die Attacke eine Woche vor dem Mord an Jonny K., als ein 23-Jähriger am Alexanderplatz angeschossen wurde, ist weiterhin ungeklärt. Wowereit forderte, dass Gewalt in Berlin unmittelbar geächtet werden müsse.

Die Polizei könne solche Taten nicht alleine verhindern, sondern sei auf die Hilfe der Berliner Gesellschaft angewiesen. Härtere Strafen für brutale Straftaten hält Wowereit jedoch für abwegig. „Das Strafmaß wird sicherlich nicht das Problem. Wenn die Täter ermittelt sind, und die Beweislage klar ist, wird es sicherlich ein ganz hohes Strafmaß geben.“ Innensenator Frank Henkel (CDU) nahm am Freitag „positiv zur Kenntnis, dass es offenbar Ermittlungsfortschritte gibt“, ohne diese näher bewerten zu wollen.

Der Innensenator hatte am Donnerstag die Familie des Toten besucht. Auf Initiative des Senators wird nun geprüft, ob eine mobile Wache auf dem Alexanderplatz für mehr Sicherheit sorgen könnte, sagte ein Sprecher der Innenverwaltung. Diese Wache – ein großes Polizeifahrzeug, das flexibel auf dem Platz eingesetzt werden könnte – soll die ständig in Mitte tätigen Polizisten unterstützen. „Ziel ist, das Sicherheitsgefühl auf dem Platz zu erhöhen“, so Henkels Sprecher Stefan Sukale.

Stellenkürzungen zurücknehmen

Der Berliner Landesverband der Polizeigewerkschaft (GdP) forderte die Senatsverwaltung auf, die geplanten Stellenkürzungen im Vollzugswesen zurückzunehmen. 249 Stellen sollen nach Angaben der Gewerkschaft gestrichen werden – dabei würden schon jetzt rund 230 Beschäftigte fehlen, sagte ein Sprecher der Polizeigewerkschaft zu Morgenpost Online am Freitag. Die Kürzungen sollten deshalb rückgängig gemacht werden, forderte der GdP-Landesvorsitzende Michael Purper. „Mit dieser Maßnahme könnten die Politiker den Bürgerinnen und Bürgern Berlins zeigen, dass es ihnen ernst damit ist, sofort etwas für die Sicherheit unserer Stadt zu tun“, sagte Purper. Sparen am Vollzug hieße zugleich Sparen an der Sicherheit.