Anteilsscheine

Für 250 Euro gehört Ihnen ein bisschen Zoo und Tierpark

Es gibt zwar keine Dividende für die Stifter von von Tierpark und Zoo, dafür aber Kunst. Der Grafiker Reiner Zieger hat limitierte Drucke von Tieren gestaltet.

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Die Stiftung von Tierpark und Zoo gibt erstmalig sogenannte Anteilsscheine an der Zukunft der Hauptstadtzoos heraus. Es handelt sich bei den 250-Euro-Papieren um eine reine Benefizaktion, die keinesfalls mit dem Kauf einer Zoo-Aktie – sie kostet derzeit knapp 3700 Euro – zu verwechseln ist. „Mit den Zukunftsanteilen ist keine Dividende verbunden“, betont Eberhard Diepgen. Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin sitzt dem Kuratorium der im Jahre 2010 gegründeten Stiftung Hauptstadtzoos vor. Es handele sich vielmehr um eine symbolische Dividende, die dazu beitrage, dass auch „unsere Kinder und Enkelkinder Zoo und Tierpark besuchen und einen Einblick in die fantastische Welt der Tiere erhalten“ könnten.

500 Drucke pro Serie

Keine Kohle, dafür Kunst. Jede Serie der Zukunftsanteile ist nummeriert und auf 500 Stück limitiert. Die Drucke hat der Grafiker Reiner Zieger gestaltet. „Damit ist ein exklusiver Kreis von Stiftern garantiert“, sagt Diepgen. Ein Zukunftsanteil kostet 250 Euro. Den Anfang machen zwei Serien: Serie I zeigt einen Asiatischen Elefanten und Serie II ein Grevyzebra. Beide Tierarten sind in Zoo und Tierpark zu sehen.

Dort war der Grafiker Zieger mehr als ein Dauergast. Acht Jahre lang hat der Absolvent der ehemaligen Fachschule für angewandte Kunst in Schöneweide im Tierpark gearbeitet. Der damalige Direktor Heinrich Dathe hatte ihn als wissenschaftlichen Zeichner eingestellt. Inzwischen wohnt der 71-jährige Zieger im brandenburgischen Werneuchen auf einem Bauernhof mit Galerie.

Tiere haben den gebürtigen Wurzener seit seiner Kindheit fasziniert: Begonnen hat es mit Elefanten und Kamelen, Löwen und Tigern aus dem Zirkus. Zu Studienzeiten von 1957 bis 1960 (also vor dem Mauerbau) malte er im Zoo Berlin den Afrikanischen Elefanten Salim, Gorilla Knorke und See-Elefant Roland V. 1986 zeichnete er im Auftrag des damaligen Zoo-Direktors Heinz-Georg Klös die Vorlagen für die im Krieg zerstörten Majoliken „Treibjagd im Sudan“ am Antilopenhaus. Sie wurden von der saarländischen Firma Villeroy & Boch auf Kacheln übertragen. Im Tierpark zeichnete Zieger Bison Gustav, Elch Olaf und Schimpansen-Dame Susi.

Die Idee zu der Aktion wie auch zur Stiftungsgründung stammt vom Förderverein für Zoo und Tierpark, dessen Vorsitzender Thomas Ziolko seit 2004 ist. Der Verein hat mehr als 1800 Mitglieder und 200 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie sammelten 50.000 Euro Stammkapital für die Stiftung und haben die Summe mehr als verzehnfacht: Am 30. September 2012 betrug der Kapitalstock mehr als 730.000 Euro. Dazu trug auch die originelle Aktion bei, eigenen Kaffee einzuführen. Der 250 Gramm Stifter-Kaffee kostet 3,99 Euro. Die Packung ist in den Souvenir-Shops vom Tierpark, im Raubtierhaus vom Zoo (an Wochenenden) sowie bei Perfetto (Karstadt) zu kaufen. Außerdem gab es Muttertagsfahrten und Open-Air-Musicals.

Im Kuratorium der Stiftung sitzen, wie Ziolko es formuliert, „Menschen, die in der Stadt verankert sind“. Dazu gehören die Kuratoren Heiner Klös (Zoo) und Falk Dathe (Tierpark) sowie Susann Prinzessin von Preußen – sie steht in der Familienlinie des Zoo-Stifters Friedrich Wilhelm IV. sowie des Erbauers von Schloss Friedrichsfelde im Tierpark. Dazu kommt Jörg Woltmann – der Bankier ist Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM). Der KPM dienen Tiere aus Zoo und Tierpark als Vorlagen für Arbeiten aus Porzellan.

„Diese Stiftung steht für beide Einrichtungen: Zoo und Tierpark. Das ist ihr Erfolgsrezept“, sagt Ziolko nicht ohne Stolz und Grund. Die bislang größte sogenannte „Zustiftung“ kommt aus dem Westteil der Stadt: 180.000 Euro haben Eheleute aus Tiergarten für beide Einrichtungen bereitgestellt.

Ein Paar aus Friedrichsfelde hat 20.000 Euro überwiesen. Das Geld darf nur für den Tierpark verwendet werden: Die beiden hatten sich im Schlosspark kennengelernt, sich verliebt und sind seit mehr als 50 Jahren verheiratet. Drittes Beispiel: Ein Rentner aus Karlshorst hat der Stiftung sein Familienhaus mit 1000 Quadratmeter Land geschenkt. „Der kinderlose Mann wohnt dort auf eigene Kosten bis an sein Lebensende. Mit seinem Tod fällt die Immobilie in unsere Verwaltung“, erklärt Ziolko.

Die Einnahmen der Stiftung werden angelegt und verzinst. Erst zum Jahreswechsel 2015/2016, also fünf Jahre nach Gründung, ist laut Vorstandsbeschluss die erste Ausschüttung fällig. Verzinst ist das Kapital mit rund 2,5 Prozent. Bei 0,73 Millionen Euro Einlage sind das 18.250 Euro pro Jahr.

Höher dürfte die Rendite der Schwesterstiftung sein, Zoo-Geschäftsführerin Gabriele Thöne spricht von einer „Wertentwicklung des Portfolios in Höhe von fünf Prozent“. Diese „Zoo Stiftung Berlin“ ging im Sommer 2011 mit einem Kapital von einer Million Euro an den Start. Jahrzehntelang war nichts passiert, dann wurden innerhalb weniger Monate zwei Stiftungen gegründet. Der Zoo hatte zuvor nach einem rechtlichen Vergleich Rückzahlungen an das Land Berlin leisten müssen. Das lag an den Rekordeinnahmen im Knut-Jahr 2007. Seitdem kursiert das Gerücht, dass die Stiftungsgründung weiteres Geld „gerettet“ habe. „Stimmt nicht“, sagt Thöne. Fest steht: Nur der Tierpark bekommt noch Zuwendungen vom Land, in diesem Jahr 5,4 Millionen Euro. Der Zoo erhält nichts mehr. „Das halte ich für verkehrt“, sagt Diepgen, der auch im Vorstand der Zoo-Stiftung sitzt, „denn der Zoo erfüllt öffentliche Aufgaben wie Grünpflege und Tierschutz, und er bietet Erholung.“