Kostenfrage

Berlins Eltern fordern schnelle Entscheidung bei Schulessen

Nach der Magen-Darm-Epidemie in Kitas und Schulen spitzt sich der Streit um die Verpflegungskosten zu. Der Senat ist unter Druck.

Foto: Jörg Carstensen / DPA

Die Diskussion um die Qualität des Schulessens in Berlin gewinnt durch die Magen-Darm-Epidemie an Kitas, Horten und Schulen neue Dynamik. In den nächsten Wochen soll nach Auskunft der Bildungsverwaltung nun ein Konzept erarbeitet werden, um für besseres Mittagessen an den Schulen zu sorgen. Die Notwendigkeit einer Verbesserung ist dabei unumstritten, Knackpunkt in der Debatte ist die Frage nach den Kosten.

Derzeit liegt der Preis für ein Mittagessen je nach Bezirk zwischen 1,79 und 2,30 Euro. Laut dem Verband der Berliner Caterer ist zu diesen Preisen die nötige Qualität nicht erreichbar. Auch eine Studie im Auftrag der Bildungsverwaltung kommt zu dem Schluss, das Essen müsse im Schnitt einen Euro mehr kosten, um Qualität und faire Bedingungen für die Catering-Unternehmen sicherzustellen.

In drei Schritten zu besserem Essen

Für Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist eine Qualitätsverbesserung dagegen nicht automatisch gleichbedeutend mit der Forderung nach mehr Geld fürs Schulessen. Sie plant, in drei Schritten zu besserem Essen zu kommen: Weil die Bezirke für die Verträge mit den Catering-Unternehmen zuständig sind, will Scheeres künftig für einheitliche Kriterien in den europaweiten Ausschreibungen sorgen, die bei der Suche nach einem Anbieter von den Bezirken gemacht werden müssen. So sollen etwa die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in den Kriterienkatalog aufgenommen werden. Dazu gehören Angaben zu einer gesundheitsfördernden Lebensmittelauswahl ebenso wie Vorgaben zur Personalqualifikation. Außerdem möchte die Bildungsverwaltung Instrumente der Qualitätssicherung einführen. Dazu gehören etwa „Essensausschüsse“ bestehend aus Eltern, Schülern und Lehrern, die über Auswahl, Frische und Geschmack Rückmeldung geben. Auch Qualitätskontrollen bei den Anbietern sollen eingeführt werden.

Erst im letzten Schritt will die Bildungsverwaltung die Kostenfrage angehen. Die hauseigene Studie mit der Forderung nach mehr Geld fürs Essen wird dabei als „gute Diskussionsgrundlage“ gesehen – mehr Aussagen gibt es zur Preisgestaltung von Senatsseite bisher nicht. Das Problem: Kostensteigerungen gehen entweder zulasten der Eltern, was unpopulär ist, oder das Land muss mehr Geld zur Verfügung stellen, was im laufenden Haushaltsjahr schwierig ist. Außerdem gestaltet nicht der Senat die Verträge mit den Catering-Unternehmen, sondern die Bezirke. Bisher wird vom Land nur das Essen der Grundschüler bezuschusst. 17 Euro pro Grundschüler mit Essenvertrag zahlt der Senat pro Monat, 23 Euro zahlen die Eltern. Die Bezirke bekommen die Summen im Rahmen ihres Haushalts zugewiesen.

Landeselternausschusses möchte Rückkehr zur Schulküche

Sowohl vonseiten des Landeselternausschusses (LEA) wie auch der Opposition gibt es Kritik an Scheeres" zurückhaltenden Aussagen zur Preisgestaltung. „Die Qualität des Essens muss dringend verbessert werden, und dafür muss der Senatsbeitrag erhöht werden“, sagt der Lea-Vorsitzende Günter Peiritsch. Die Eltern zahlten sowieso schon den Löwenanteil der Verpflegung, eine Kostenanpassung dürfe nicht zu ihren Lasten geschehen und müsse vor allem sozial verträglich gestaltet werden. Die Elternvertretung fordert zudem mehr Beteiligung der einzelnen Schulen und Eltern an der Essensversorgung – und wünscht sich eine Rückkehr zum System der Schulküchen.

Die Opposition macht Druck. Wenn die Bildungsverwaltung sich mit ihrem Konzept und einem überfälligen Entschluss zu höheren Zuschüssen für das Schulessen beeile, könne dies noch im Nachtragshaushalt vereinbart werden, der aktuell verhandelt werde, heißt es. „Der höhere Betrag sollte zweckgebunden an die Bezirke weitergegeben werden, damit das Geld am Ende auch auf den Tellern der Kinder ankommt“, sagt die Bildungsexpertin der Linke, Regina Kittler. Der bildungspolitische Sprecher der Piraten, Martin Delius, fordert zudem, nach und nach eine einkommensabhängige Stufenfinanzierung des Essens an allen Schulen einzuführen, nach dem Vorbild Hamburg. „Berlin will die Ganztagsbetreuung, dann müssen auch alle Schüler mit einem guten Essen versorgt werden.“