Tarifantrag

Taxipreise sollen in Berlin um 25 Prozent steigen

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Thomas Fülling

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Die Branchenverbände begründen die geplante Steigerung mit stark gestiegenen Kosten – vor allem beim Sprit.

Taxifahrten in Berlin könnten in Kürze deutlich teurer werden. Die zuletzt im Sommer 2009 angehobenen Preise sollen noch in diesem Jahr um bis zu 25 Prozent steigen. Das sieht ein gemeinsamer Tarifantrag vor, den die drei großen Branchenverbände jetzt beim Senat eingereicht haben. Die Innung des Berliner Taxigewerbes, der Taxiverband Berlin Brandenburg (TVB) und der Verband Taxi Deutschland (TD) begründen ihren Vorstoß vor allem mit den in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich stark gestiegenen Kosten. “Vor allem die Spritpreise machen dem Gewerbe stark zu schaffen”, sagte der TVB-Vorsitzende Detlev Freutel Morgenpost Online.

Der Chef des Berliner Landesverbandes von Taxi Deutschland, Stephan Berndt, machte den Senat für den Kostenanstieg mitverantwortlich: “Wegen des sehr schlechten Zustands vieler Berliner Straßen sind auch die Reparaturkosten für Taxis zuletzt stark gestiegen.” Berndt hofft, dass die Preiserhöhung noch vor dem Weihnachtsgeschäft wirksam wird. Zuständig für die Genehmigung der Taxitarife ist die Senatsverkehrsverwaltung. “Wir werden zunächst prüfen, ob die Forderungen berechtigt und angemessen sind”, sagte Behörden-Sprecherin Daniela Augenstein. Nach der internen Prüfung seien zudem noch Anhörungen geplant.

Besonders stark soll nach dem Willen der Taxiverbände der Kurzstrecken-Tarif für Distanzen bis zu zwei Kilometern steigen, und zwar von derzeit vier auf künftig fünf Euro. Der bei Touristen wie Partygängern gleichsam beliebte Pauschaltarif für eine Fahrt etwa zur nächsten Sehenswürdigkeit oder zum nächsten angesagten Klub ist vielen Taxifahrern schon lange ein Dorn im Auge. Wiederholt gab es in der Vergangenheit Versuche, den Tarif ganz abzuschaffen, was jedoch von der Senatsverkehrsverwaltung stets als kundenunfreundlich abgelehnt wurde.

Neuer Streckentarif

Kräftig steigen sollen laut dem Antrag der Verbände auch die Streckentarife. Demnach sollen die ersten zehn Kilometer 1,84 Euro je Kilometer kosten, derzeit werden 1,65 Euro für jeden der ersten sieben Kilometer fällig. Längere Strecken sollen künftig um 15 Cent teurer werden und dann 1,43 Euro pro Kilometer kosten. Unterm Strich würde das heißen, dass eine zehn Kilometer lange Fahrt statt 18,60 Euro dann 21,40 Euro kostet und sich somit um rund 15 Prozent verteuert. Für eine 20 Kilometer lange Tour würden künftig 35,70 Euro statt derzeit 31,40 Euro berechnet, eine Preiserhöhung von fast 14 Prozent.

Für den Fahrgast könnte es sogar noch teurer werden, wenn er das Taxi per Telefon anfordert. Für sogenannte Bestellfahrten soll es künftig ein Entgelt von vier Euro geben. Hält der Fahrgast das Taxi dagegen am Straßenrand an, sollen nur drei Euro berechnet werden. Das wäre die einzige Preissenkung im neuen Tarif, denn der aktuelle Grundpreis liegt derzeit einheitlich bei 3,20 Euro. Forderungen einiger Taxiverbände etwa nach Einführung von speziellen Nachttarifen und eines Gepäckzuschlags sind inzwischen vom Tisch.

Preisanstieg bei Kraftstoff und Instandhaltung

Für den TVB-Vorsitzenden Detlev Freutel führt jedoch an einer spürbaren Preisanhebung kein Weg vorbei. “Seit der letzten Tarifanpassung sind die Kosten für das Taxigewerbe um 14 Prozent gestiegen, das ist doppelt so hoch wie die allgemeine Teuerungsrate”, sagte Freutel. Ganz oben stehe die Belastung durch die Kraftstoffpreise, die laut Freutel seit 2009 um 22,5 Prozent gestiegen sind. Noch höher fiel allerdings die Kostensteigerung bei der Instandhaltung der Taxen aus: ein Plus von 37,3 Prozent. “Die vielen Schlaglöcher und zwei beinharte Winter führen dazu, dass Verschleißteile früher ausgetauscht und Fahrzeuge öfter repariert werden müssen”, so Freutel. Die Prämien für Haftpflicht und Kaskoversicherung würden sogar um 43 Prozent über den Kosten von vier Jahren liegen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Verband Taxi Deutschland. Nach seinen Angaben sind die Fixkosten (also Steuern, Versicherungen und Gebühren) um 17,6 Prozent gestiegen. Für Diesel, Wagenpflege und Reparaturen müssten die Taxiunternehmer sogar 25,6 Prozent mehr Geld bezahlen.

Verschärft werden die Kostenprobleme der Branche durch die stetig wachsende Zahl von Taxifahrern. Aktuell hat der Senat mehr als 7000 Konzessionen vergeben. Als wirtschaftlich werden für die Stadt 5500 Konzessionen angesehen. Eine Begrenzung der Anzahl der Taxiunternehmen ist rechtlich jedoch nicht zulässig.