Nach Sanierung

Was aus dem Berliner ICC werden könnte

Das Kongresszentrum soll erhalten bleiben, falls Investoren mitmachen. Doch wie könnte es künftig genutzt werden?

Foto: Rainer Jensen / dpa

Shopping-Paradies, Kunsthaus Tacheles oder E-Mobility Dock: Nachdem die Fraktionen von Berliner CDU und SPD sich am Dienstag auf die Sanierung des Internationalen Congress Centrum Berlin (ICC) geeinigt haben, sind nun Ideen gefragt, wie die Zukunft des Tagungskolosses am Messedamm aussehen könnte. Denn beschlossen wurde auch, dass das futuristische Messeraumschiff nur dann mit bis zu 200 Millionen Euro aus der Landeskasse rechnen darf, wenn sich neben der Messegesellschaft auch noch andere Investoren und Nutzer für das Gebäude finden. Morgenpost Online hat sich umgehört und Vorschläge gesammelt, wie das ICC künftig genutzt werden kann.

Einen Investor für eine Shopping Mall im ICC zu finden, hält Andreas Malich für „durchaus machbar“. Malich ist beim Immobilien-Berater CBRE zuständig für Einzelhandelsimmobilien und kennt die Bedürfnisse der internationalen Investoren-Kundschaft. „Damit das ICC, das ja kein direktes Einzugsgebiet hat, als Shopping-Center funktioniert, muss es eine Verkaufsfläche von mindestens 50.000 Quadratmetern haben“, so Malich. Damit wäre es so groß wie das Alexa am Alexanderplatz. Doch das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäude biete genug Platz. Und das Beste, so Malich weiter, sei die hervorragende Verkehrsanbindung: „Ein Autobahnanschluss ist genauso vorhanden wie ein riesiges Parkhaus.“ S-Bahnhof und Busanbindung gebe es ebenfalls und durch das nahe Messegelände auch noch jede Menge Kundschaft. „Ein Shopping-Center ist eine hervorragende Option“, lautet Malichs Fazit.

Ein neuer Kunstort

Martin Reiter dagegen hat ganz andere Visionen. „Das ICC ist das ultimative Kunsthaus“, findet der Sprecher der Künstlerinitiative Tacheles, die seit der Räumung der Kunstruine an der Oranienburger Straße ohne Heimat dasteht. In den 80 Sälen des ICC könnten Ateliers für Künstler zur Verfügung entstehen, und es gibt genug Platz für Theaterbühnen und Ausstellungen. „Berlin würde seinen Ruf als Stadt der Kunst zurückerlangen und für nachhaltige Kulturentwicklung und schonenden Städtetourismus stehen“, so Reiter.

Auch der CDU-Vorschlag, die für das Tempelhofer Feld geplante Landesbibliothek in die ICC-Hallen zu verlegen, ist weiter im Rennen. „Man müsste umbauen, aber die Idee schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe“, so der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Goiny. Außerdem könnte durch die Nachnutzung als Bücherei die City West aufgewertet werden. „Mit Blick auf die Kosten für den Neubau in Tempelhof, wo wir andererseits mit dem ICC ein stabiles Haus mit großen Räumen haben, ist dieser Vorschlag durchaus relevant“, sagt Goiny.

Gleich einen ganzen Strauß von Ideen präsentiert das Team um Ingo Pott, Architekt und Mitbegründer der C/O-Galerie. Die Liste möglicher Nutzungen reicht von der Kunsthalle Berlin über einen Indoor Park, ähnlich der Biosphäre Potsdam, bis zum kombinierten Bus- und Weltraumbahnhof oder einem E-Mobility Dock.

Viele Vorschläge hatte auch Jan Eder, Geschäftsführer der IHK, vor einigen Jahren. Damals kam der Gedanke auf, das ICC zur Spielhalle umzugestalten oder zum Autohaus umzubauen. Die direkte Autobahnanbindung spräche dafür. Allerdings betont die IHK heute, dass diese Ideen als Impulse gedacht waren, um die Debatte anzuregen und Investoren für das Gelände zu gewinnen.

„Kein Opfer der Mode“

Für Kerstin Wittmann-Englert wären solche Nutzungen jedoch keine ernsthafte Option. „Vielleicht entspricht das ICC nicht dem aktuellen Geschmack, aber in zehn Jahren gilt es wahrscheinlich wieder als schön“, sagt die Professorin und Vorsitzende des Berliner Denkmalrats. Deshalb dürfe das Bauwerk von „hervorragender Qualität“ nicht einer kurzfristigen Mode zum Opfer fallen. „Ich bin überzeugt, dass sich das Haus immer noch bestens als Kongresszentrum eignet“, sagt die Kunsthistorikerin und führt an, dass es bereits sechs Mal mit dem Titel „international führendes Kongresszentrum“ durch die Vereinigung professioneller Messeorganisatoren ausgezeichnet wurde. Auch wegen der „wunderbaren Materialien“ sollte man bei der Teilsanierung sensibel mit der Substanz umgehen. Immerhin trägt das ICC ja auch Kongresse in seinem Namen. Das ICC weiter als Kongresszentrum nutzen, schlägt auch der Berliner Architekt Eike Becker vor. Die vielen ungenutzten Flächen müssten jedoch dringend weiterentwickelt werden: „Beispielsweise als Hotel“, sagt Becker. „Das Gebäude hat aber auch etwas Visionäres, Mondsüchtiges.“ Der Gedanke, in einem solchen Haus ein Innovationszentrum für die deutsche Wirtschaft einzurichten, dränge sich auf.

Auch die Satire-Politiker von „Die Partei“ haben ein Konzept für die Messehalle: „Da die Fertigstellung des neuen Flughafens erst um 2048 zu erwarten“ sei, empfiehlt David Hamann, Vorsitzender von Berlin-Mitte, das Errichten eines Zeppelin-Flughafens inklusive Konstruktionshalle. Das nur vermeintlich überholte Verkehrsmittel sei „umweltfreundlich und extrem leise“, was Nachtflüge problemlos ermögliche. Zur Finanzierung des Projekts schlägt die Spaßpartei vor, die Zeppeline mit Werbung zu bekleben. Schließlich sei das ICC-Gebäude perfekt, weil es optisch dem Sternzerstörer aus dem Science-Fiction-Film Star Wars ähnele.