Ehrung

Reagan erhält Gedenktafel nahe Brandenburger Tor

1987 hielt der damalige US-Präsident eine historische Rede im geteilten Berlin. Nach langer Diskussion erinnert jetzt eine Plakette an Reagans berühmte Worte.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Vor der neuen Plakette in der Nähe des Brandenburger Tors bringt US-Botschafter Philip D. Murphy einen Toast aus: „Auf Präsident Ronald Reagan!“ Er stößt an mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Sektgläser klingen. Nach jahrelangen politischen Querelen hat Berlin seit Mittwoch eine Gedenkplakette für den 2004 verstorbenen US-Präsidenten. Auf der in den Bürgersteig eingelassenen Bronzetafel auf der Straße des 17. Juni ist die lächelnde Kontur Ronald Reagans zu erkennen. Die Inschrift daneben – auf Englisch und Deutsch – sind seine historischen Worte aus dem Jahr 1987: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Reißen Sie diese Mauer ein!“

Erinnert wird mit der Tafel an die Rede Reagans im geteilten Berlin vor dem Brandenburger Tor. „Die Mauer war damals Normalität“, sagt Klaus Wowereit in seiner Rede. Zahlreiche Prominente sind zur Enthüllung der Reagan-Plakette erschienen – der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), sein Parteifreund Friedrich Merz, Friede Springer.

Ein Zeichen der Freundschaft

Klaus Wowereit steht am Rednerpult, an dem die Wappen der US-Botschaft und des Land Berlins angebracht sind – ein Zeichen der Freundschaft. Auch in den Reden wird an diesem Nachmittag immer wieder auf die besondere Verbundenheit zwischen den USA und Berlin verwiesen. Die neue Plakette erinnere an „die dunkle Zeit der Spaltung der Stadt“, sagt Wowereit. „Was zu Zeiten des Kalten Krieges noch undenkbar schien, ist heute selbstverständlich geworden: Berlin ist eine freie, internationale Stadt – und das Brandenburger Tor ist zum Symbol für diese Offenheit geworden.“ Reagan habe damals „über die Mauer hinüber“ gesprochen, er habe den Berlinern vermittelt, dass Zuversicht angebracht sei. „Er hat Mut gemacht“, sagt Wowereit. Reagans berühmte Worte erzeugten noch heute eine Gänsehaut.

US-Botschafter Murphy bezeichnet die Rede Reagans als „Meilenstein in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Partnerschaft“. „Hier vor der Berliner Mauer hat er dem Wunsch aller freiheitsliebenden Menschen nach Demokratie eine Stimme verliehen.“ Mit der Gedenktafel würdige Berlin die Werte von Freiheit und Demokratie. „Diese Werte werden die deutsch-amerikanische Partnerschaft und die besonderen Beziehungen zwischen dieser großartigen Stadt und den Vereinigten Staaten immer kennzeichnen“, sagt der Botschafter.

Geschaffen wurde die Plakette von der Künstlerin Helga Lieser. Angst hat sie keine davor, dass ihr Kunstwerk sich abnutzt, wenn die Berliner und Touristen über die Tafel im Boden laufen. „Es tut der Platte gut, wenn man drüber läuft. Sie poliert sich dann“, sagt sie. Finanziert wurde das Denkmal von General Electric, dem Energie- und Technikkonzern, dessen Werberepräsentant Reagan vor seiner Präsidentschaft war.

Am 12. Juni 1987 stand Ronald Reagan wenige Meter von der nun enthüllten Gedenkplakette entfernt auf einem Podest, flankiert von deutschen und amerikanischen Flaggen. Hinter ihm die Mauer und das Brandenburger Tor. Vor ihm eine Menge aus Tausenden Berlinern, die gekommen waren, um seine Ansprache zu hören. 28 Mal wurde der US-Präsident während seiner Rede von Jubelrufen unterbrochen. Seine Worte klangen damals so ambitioniert wie im Nachhinein prophetisch. Nur zwei Jahre später, 1989, passierte dann das Unglaubliche, die Berliner Mauer fiel tatsächlich. Und wieder wenige Jahre später löste sich die Sowjetunion unter der Führung von Präsident Michail Gorbatschow weitgehend friedlich auf. Der Kalte Krieg war zu Ende.

Der Besuch von Ronald Reagan 1987 war durchaus umstritten. Während Tausende Berliner dem Präsidenten zujubelten, demonstrierten wiederum Tausende gegen seinen Besuch. Ebenso umstritten war in den vergangenen Jahren auch die Frage der Würdigung Reagans. Als er 2004 starb, setzte in der Berliner Politik eine rege Debatte darüber ein, wie dem ehemaligen US-Präsidenten und seinem Einsatz für die Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands ein Denkmal gesetzt werden könnte.

Langjährige Diskussion

Bis zum vergangenen Jahr wurde auf Betreiben von CDU und FDP darüber diskutiert, ob nicht eine Straße in Berlin nach dem US-Präsidenten benannt werden könnte. Noch 2011 lehnte der rot-rote Senat auch eine Plakette für Reagan ab. Mit dem Verweis auf eine Gedenktafel in der Nähe des Brandenburger Tors und ein Reagan-Zitat an einer Wand im U-Bahnhof Brandenburger Tor teilte ein Sprecher des Senats damals mit: „Nach unserem Eindruck sind wir doch sehr präsent im Gedenken an Reagan im öffentlichen Raum.“

Auch bei den Grünen gab es Widerstand. An einer Ehrung des verstorbenen Ronald Reagans zu dessen 100. Geburtstag im Abgeordnetenhaus nahmen die Grünen-Abgeordneten nicht teil. Lapidar ließen sie mitteilen, die Einladung habe die Fraktionsspitze nicht erreicht. Dagegen setzte sich die CDU mit ihrem Landeschef Frank Henkel für eine stärkere Würdigung Reagans ein. „Es ist höchste Zeit für eine würdevolle Geste“, sagte Henkel.

Am Ende ging dann alles ganz schnell. Erst im Juni war der Entschluss gefallen, nun endlich eine Gedenkplakette nahe dem Brandenburger Tor anzubringen. Auch damit jüngere Generationen verstehen sollten, dass die Welt einmal eine andere war, wie US-Botschafter Murphy im Juni sagte. Die Enthüllung der Plakette ist somit auch der Schlusspunkt einer Geschichtsdebatte. Eberhard Diepgen nennt sie am Mittwoch „eine der Albernheiten in der Berliner Politik“. Diepgen weiter: „Es hat verdammt lange gedauert.“