Honorarstreit

In Berlin bleibt ein Streik der Ärzte aus – vorerst

In der nächsten Woche haben die Praxen regulär geöffnet. Der Gesundheitssenator kritisiert indes die Verteilung innerhalb der Ärzteschaft.

Foto: Reto Klar

Die Ärzte werden ihre Praxen zumindest nächste Woche nicht schließen, um gegen ihr Honorar für das Jahr 2013 zu protestieren, wie es viele Ärzte angekündigt hatten. Überraschend haben sich die zwei Konfliktparteien etwas Zeit verschafft.

Die entscheidenden Verhandlungen um das Honorar der niedergelassenen Ärzte im nächsten Jahr, die zunächst für dieses Wochenende geplant waren, haben die Verhandlungsführer am Freitag kurzerhand verschoben. Erst am 4. Oktober wollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Verband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nun eine gemeinsame Lösung finden. Ob diese tatsächlich zustande kommt, bleibt zunächst unklar, wie es seitens der Allianz deutscher Ärzteverbände heißt.

Czaja fordert ausgeglichenen Verteilungsschlüssel

Kritik kommt auch aus dem Senat. „Es ist bedauerlich und nicht wünschenswert, wenn der Konflikt zwischen Ärzten und Kassen über die Honoraranpassung auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird“, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Freitag. Ärztevertreter forderten das Honorar um 3,5 Milliarden Euro zu erhöhen. Kassenvertreter und Schlichter einigten sich hingegen auf 270 Millionen Euro. Der Senator nimmt im Honorarstreit vor allem die Kassenärztliche Bundesvereinigung in die Pflicht, die unter anderem die Budgets an die Arztpraxen verteilt: „Die KBV und die KV sollten für einen stärker ausgeglichenen Verteilungsschlüssel zwischen etwa Radiologen und Hausärzten sorgen“, forderte Czaja. Er kritisierte die große Einkommensschere, die es innerhalb der Ärzteschaft gebe. Deutliche Worte findet die Patientenbeauftragte des Senats, Karin Stötzner. „Es ist ungerecht. Diejenigen Ärzte, die in den vergangenen Jahren weniger bekommen haben, sind jetzt unruhig geworden“, sagte sie.

Auf Unverständnis trifft das bei der KBV. Roland Stahl, Sprecher der KBV, sagte: „Es ist ein unausrottbares Vorurteil, dass alle Fachärzte mit eigener Praxis mehr verdienen als Hausärzte. Ein Radiologe zum Beispiel hat höhere Kosten in seiner Praxis als etwa ein Kinderarzt.“ Zudem hätte nicht allein die KBV in den vergangenen Jahren die Honorare verteilt: „Sie war lange Zeit nicht allein Sache der KBV, sondern ist regional erfolgt. Das bedeutet, dass auch die Krankenkassen eine entscheidende Rolle beim Verteilen des Budgets gespielt haben. Allein die KBV zu kritisieren greift also zu kurz.“

Angst vor Abwanderung

Gesundheitssenator Czaja sieht indes auch die Gefahr, dass Ärzte Berlin verlassen könnten: „Grundsätzlich ist eine gute, gerecht verteilte und angemessene Bezahlung der Ärzteschaft aber auch wichtig, da sie das Abwandern von Ärzten vermeidet und eine gute Versorgung ermöglicht.“