Honorare

Berliner Patienten sollen Ärzteprotest vorerst nicht spüren

Nach den gescheiterten Verhandlungen setzen auch Berliner Ärzte die Kassen unter Druck. Die Patienten sollen darunter aber nicht leiden.

Die Auseinandersetzungen über die Honorare der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten soll zunächst keine Auswirkungen auf die Patienten in Berlin haben. Zwar hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Ärzte bundesweit zu einer „Politik der kleinen Nadelstiche“ gegenüber den Kassen aufgerufen. Geplant seien aber zunächst Maßnahmen, die die Patienten nicht spüren würden, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl.

Von Montag an sollen die niedergelassenen Mediziner Kassenanfragen nicht mehr schriftlich beantworten. Auskünfte beispielsweise über Reha-Maßnahmen oder Krankschreibungen der Versicherten würden die Praxen zudem nur noch vor 8 oder nach 20 Uhr erteilen. Zudem sollen Bonushefte nicht mehr ausgefüllt werden. Für die Patienten sei vor allem wichtig, dass die Behandlungen durchgeführt würden, betonte Stahl am Freitag. Mögliche Nachweise könnten auch später noch erbracht werden. Die KBV will den Druck auf die Kassen aber noch weiter verstärken, falls bei der nächsten Verhandlungsrunde am kommenden Sonnabend kein Entgegenkommen zu erkennen sei. Denkbar sei beispielsweise ein Tag der Fortbildung für alle Arzthelferinnen, sodass sich Abrechnungen verzögern könnten, sagt Sprecher Stahl.

Honorarverhandlungen gescheitert

Die Verhandlungen über die Honorare für die niedergelassenen Kassenärzte waren am Montag gescheitert. Hintergrund ist der Unmut der Ärzte über den Schlichterspruch des Erweiterten Bewertungsausschusses, der den Kassenärzten für 2013 eine Honorarerhöhung von 270 Millionen Euro oder 0,9 Prozent einräumt. Das entspreche nicht einmal einem Inflationsausgleich, kritisieren Ärztevertreter.

Die Allianz freier Ärzteverbände führt derzeit eine Urabstimmung über mögliche Ärztestreiks in den deutschen Arztpraxen durch. Am Donnerstag sollen Ergebnisse vorliegen. Für Berlin rechnet Ärztekammerpräsident Günther Jonitz allerdings nicht mit längeren Praxisschließungen. „Die Ärzteschaft in Berlin wird sicher nicht mit der Pickelhaube in flächendeckende Streikmaßnahmen ziehen“, sagte Jonitz gegenüber Morgenpost Online. Man werde über differenzierte Maßnahmen nachdenken, um den Druck auf die Kassen zu erhöhen, ohne die Patienten im Regen stehenzulassen.

47 neue Hausärzte

Grundsätzlich soll sich die ärztliche Versorgung in Berlin sogar verbessern. In der Stadt werden 47 neue Hausärzte zugelassen, teilte die Arbeitsgemeinschaft Krankenkasse und Krankenkassenverbände im Land Berlin am Freitag mit. Der gemeinsame Zulassungsausschuss aus Kassenärztlicher Vereinigung (KV) und Kassen habe auf demografische Veränderungen in der Stadt reagiert und für das Jahr 2012 Zulassungsbeschränkungen im Bereich der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung Berlins aufgehoben, hieß es in einer Erklärung.

Neben den 47 niedergelassenen Hausärzten wird es danach stadtweit auch 27 zusätzliche Facharztpraxen geben. Von den neu zugelassenen Hausarztpraxen sollen vor allem die Bezirke Neukölln (11 neue Allgemeinmediziner), Lichtenberg (9), Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick (jeweils 7 neue Hausarztsitze) profitieren. Untersuchungen der KV hatten für diese Bezirke eine ärztliche Unterversorgung festgestellt – allerdings vor allem im Bereich der Fachärzte.