Ungewöhnliche Architektur

Berliner Tauben bekommen ein Luxusheim am Potsdamer Platz

Zwölf Kilogramm Kot produzieren die Tauben pro Jahr auf dem Potsdamer Platz. Durch ein Vogelhaus soll er sauberer werden.

Foto: Glanze

Der Potsdamer Platz in Berlin bekommt ein Taubenhaus. Das Design ist futuristisch, in der Form eines Diamanten, die Größe beachtlich. Vier Meter hoch, fünf Meter breit und acht Meter lang ist die neue Luxusunterkunft für die Vögel. Sie wird mehrmals in der Woche gereinigt. Futter und Wasser bekommen die Bewohner frei Haus. Was nach einem Verwöhnprogramm aussieht, ist jedoch der verzweifelte Versuch des Potsdamer Platz Managements, der Taubenplage Herr zu werden. "Alle anderen Versuche sind gescheitert", sagt Objektmanager Stephan Diedrich.

Man habe Drähte gespannt, Gitter und Metallstifte gesetzt. All das war mit hohen Kosten verbunden. Doch es führte nur dazu, dass sich die Vögel immer wieder andere Plätze suchen, an denen sie nisten, brüten und ihre Überreste hinterlassen – etwa zehn bis zwölf Kilogramm Kot pro Jahr. Künftig sollen sie das an einem zentralen Ort tun – im Taubenhaus, das derzeit von der Firma Fittkau in Weißensee gebaut wird. Ende September bekommt es seinen Platz auf einem Dach nahe dem Tilla-Durieux-Park.

Eine Mitarbeiterin des Tierschutzvereins wird die Vögel betreuen. Sie wird auch die frisch gelegten Taubeneier auf den 68 Nistplätzen einsammeln und durch angewärmte Ton- oder Gipseier ersetzen. Dann brüten die Tiere einige Tage lang weiter, ohne den Tausch zu bemerken. So soll die Zahl der Tauben am Potsdamer Platz allmählich verringert werden. Mehrere Hundert leben dort, schätzt Michael Begall, Leiter des Tierheims Berlin. Bis zu sieben Mal im Jahr brüten die Vögel. In Süddeutschland habe dieses Verfahren, das so genannte Augsburger Modell, Erfolg gehabt, erzählt Begall. Doch das Taubenhaus am Potsdamer Platz ist ein Novum – für die Tierschützer und für die Vögel. "Bisher sind Taubenhäuser aus Holz gebaut worden", erläutert Begall. Die Berliner Konstruktion besteht aus einem Stahlgerüst, das mit Aluminiumplatten bedeckt wird.

Passende Einflugöffnung

Dieser Glanz könnte die Tauben abschrecken, also wird noch eine Farbe aufgetragen. "Weiß bis grau", sagt Stephan Diedrich vom Potsdamer Platz Management. Vier Öffnungen gibt es, durch die die Tauben einfliegen können. Für Wanderfalken, die auch am Potsdamer Platz leben, wären sie ungeeignet. Um den Vögeln die neue Unterkunft schmackhaft zu machen, wird Lockfutter auf die Bretter im Taubenhaus gestreut: eine Mischung aus Erbsen, Mais, Reis und Raps. "Dann kommen die ersten Tauben", sagt Tierheimleiter Begall. "Dann stellen sie fest, dass ihnen keine Gefahr droht. Und dann übernachten sie. Und nisten auch eines Tages."

Ein langwieriger Prozess. Mehr als ein halbes Jahr könne es dauern, bis das Haus voll belegt ist, sagt Begall. Rund 100.000 Euro lässt sich das Potsdamer Platz Management dieses Taubenhaus kosten. Denn es soll zur modernen Architektur ringsum passen. Weil es auf einem eckigen Bürohaus, dem Renzo-Piano-Gebäude, stehen wird, "kam eine runde Form nicht in Frage", sagt Katrin Stade vom Büro Baumgarten Simon Architekten, das das Taubenhaus entworfen hat. Seine Gestalt, die am Computer konstruiert wurde, sei einer ruhenden Taube nachempfunden.

Wenn sich das Verfahren bewährt, dann könnte auch auf anderen Gebäuden am Potsdamer Platz ein Taubenhaus gebaut werden. Doch der Erfolg ist gefährdet, wenn Berliner und Touristen immer wieder die Tauben füttern. Deshalb beginnt der Tierschutzverein eine Aufklärungskampagne. In der kommenden Woche wird die Mitarbeiterin, die das Taubenhaus betreut, mit Passanten am Potsdamer Platz sprechen und ihnen das Projekt erklären.

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