IGA 2017

Umzug der Gartenschau nach Marzahn spart Berlin Millionen

Um Kosten zu sparen, wirbt Senator Müller für eine Verlegung der IGA vom Tempelhofer Feld nach Marzahn. Die Opposition übt Kritik.

Foto: Massimo Rodari

2008 hatte der damals rot-rote Senat beschlossen, sich um die Ausrichtung der Internationalen Gartenschau (IGA) 2017 auf dem Tempelhofer Feld zu bewerben.

Vier Jahre später und um vier Millionen Euro ärmer, die bereits in die Vorbereitung investiert wurden, will Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) davon nun nichts mehr wissen. Im Ausschuss für Stadtentwicklung am Mittwoch warb er bei den Abgeordneten der Oppositionsparteien für eine Verlegung der IGA an den östlichen Stadtrand. Die reagierten jedoch äußerst skeptisch auf diesen Vorschlag und forderten belastbare Aussagen über den Kostenrahmen und das neue Konzept.

Die in fünf Jahren geplante IGA soll nach den Vorstellungen Müllers nun nicht mehr aufs Tempelhofer Feld ziehen, sondern nach Marzahn-Hellersdorf. Der Erholungspark Marzahn mit den aktuell 21 Hektar großen „Gärten der Welt“ soll dazu um eine landeseigene zwölf Hektar große Fläche, die ehemals als Baustofflager diente, erweitert werden. Außerdem soll auch der Kienberg im Wuhletal in die Planungen mit einbezogen werden.

Für die Gartenschau reduzierten sich dadurch die Kosten. Waren in Tempelhof bislang 51 Millionen Euro veranschlagt, denen Einnahmen in Höhe von 37 Millionen Euro gegenüberstünden, sollen in Marzahn nun insgesamt 44 Millionen Euro ausreichend sein, rechnete Müllers Staatssekretär Christian Gaebler den Ausschussmitgliedern vor. Der Eigenanteil des Landes Berlin in Höhe von 13,5 Millionen Euro für Tempelhof werde in Marzahn auf zehn Millionen Euro sinken, so Gaebler weiter.

Das Einsparpotenzial sei insbesondere der Tatsache geschuldet, dass es die Infrastruktur für Besucher am Marzahner Standort im Wesentlichen schon gäbe. Dabei sei auch schon mit eingerechnet, dass die Besucherzahlen in Marzahn wohl niedriger ausfallen werden als im gut angebundenen und zentral gelegenen Tempelhofer Feld. Der Senat rechnete in Tempelhof mit 30.000 Besuchern täglich. Wie viele in Marzahn erwartet werden, konnte Gaebler am Mittwoch jedoch nicht sagen.

Noch kein Beschluss für Marzahn

Auch eine Anbindung mit „leistungsfähigen Verkehrsmitteln“ an die U-Bahn-Linie 5 sei vorgesehen. Laut Gaebler gehen die Planer davon aus, das 44 Prozent der Besucher das IGA-Geländes in Marzahn mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, rund ein Drittel mit dem eigenen Auto sowie 20 Prozent mit Reisebussen.

Die verbliebenen drei Prozent entfallen demnach auf Radfahrer und Fußgänger. „Es gibt bislang noch keinen Beschluss für eine IGA in Marzahn“, betonte Müller anschließend. Noch gelte der Tempelhof-Beschluss. Er werde jedoch zügig eine entsprechende Vorlage erarbeiten, damit Senat und Abgeordnetenhaus schnell entscheiden könnten.

Während die Ausschussmitglieder der Regierungsfraktionen von SPD und CDU die Änderungspläne begrüßten, gab es von den Oppositionsparteien deutliche Kritik. „Sie haben uns weder einen detaillierten Kostenrahmen präsentiert noch ein Konzept“, bemängelte etwa Antje Kapek von den Grünen.

Ihre Partei sei zwar auch dafür, die IGA in Tempelhof abzublasen, zumal das ehemalige Flughafenareal mit seinen Freiflächen von der Bevölkerung bestens angenommen werde. Man könne jedoch nicht auf einen mündlichen Vortrag hin, der zudem viele Fragen unbeantwortet lasse, der Verlegung nach Marzahn zustimmen. „Da müssen Sie uns schon belastbare Zahlen liefern – und zwar schriftlich“, so Kapek.

Ähnlich sah das die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Katrin Lompscher: „Von uns wird es keinen Blankoscheck für eine IGA in Marzahn geben.“ Unklar sei zudem nach wie vor, wie es auf dem Tempelhofer Feld nach einer Absage der IGA weitergehen solle.