Lehrermangel

An Berlins Schulen sollen mehr Quereinsteiger unterrichten

Vor allem Physiker und Mathematiker werden für den Unterricht benötigt. Diese sollen aber weniger Stunden geben als bisher.

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In den Schulen sollen verstärkt Quereinsteiger die Mangelfächer Mathematik und Naturwissenschaften unterrichten. Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU haben am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses beschlossen, dass der Senat bis zum 31. Dezember ein Konzept vorlegen soll, wie mehr Uni-Absolventen oder Berufspraktiker für den Einsatz in Schulen gewonnen werden können. Schon jetzt werden zunehmend solche Quereinsteiger eingesetzt, vor allem an weiterführenden Schulen. 2009 gab es in Berlin nur zehn Fachkräfte ohne Lehrerausbildung, die an Schulen unterrichteten. In diesem Schuljahr sind es schon 121. Davon sind 83 im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich tätig. Die Schulen müssen sich darauf einstellen, dass es künftig noch mehr werden. Bundesweit werden zu wenige Lehramtsstudenten mit diesen Fachrichtungen ausgebildet. Und die große Pensionierungswelle steht erst bevor. Bis 2015 müssen in Berlin 5000 neue Lehrer eingestellt werden. Schon bei den Einstellungen zu diesem Schuljahr habe sich gezeigt, dass die fachgerechte Besetzung in den Mangelfächern ein Problem ist, sagt Stefan Schlede (CDU). An den Grundschulen wird bereits die Mehrheit der Mathe- und Nawistunden in den fünften und sechsten Klassen fachfremd von anderen Lehrern unterrichtet.

Nun soll vor allem Hochschulabsolventen ohne Lehramtsprüfung der Einstieg an den Schulen erleichtert werden, heißt es in dem Antrag der Koalitionsfraktionen. Gleichzeitig müsse durch pädagogische und didaktische Weiterbildungen sicher gestellt werden, dass sie den Anforderungen gerecht werden.

Bereits jetzt müssen Quereinsteiger eine berufsbegleitende Weiterbildung absolvieren. Paul Schuknecht, Vorsitzender der Schulleitervereinigung, fordert die Unterrichtsverpflichtung für die neuen Kollegen ohne pädagogische Vorbildung abzusenken. Derzeit müssen sie 19 Unterrichtsstunden pro Woche geben und an zwei Tagen pro Woche schulpraktische Seminare absolvieren. „Das ist ein extremer Stress, wenn man gar keine Berufserfahrung besitzt. Viele, vor allem junge Hochschulabsolventen sind damit eindeutig überfordert“, sagt Schuknecht. Zum Vergleich: Ein Referendar, der auf Lehramt studiert hat, muss nur sieben Pflichtstunden geben.

Zudem weist Schuknecht darauf hin, dass die Quereinsteiger einen großen Betreuungsbedarf haben. Deshalb dürften sie nicht in dieser Höhe auf den Personalschlüssel angerechnet werden. Ähnliche Probleme haben sich bereits bei den Seiteneinsteigern an Kitas offenbart. Auch hier setzt der Senat angesichts des Fachkräftemangels bei den Erziehern verstärkt auf die Umschulungen. Viele scheitern jedoch an den Anforderungen in den Prüfungen für sogenannte Externe.