Porträt

Harald Huth genießt das Vertrauen der Banken

Der smarte Projektentwickler Harald Huth verbaut 800 Millionen Euro in Mitte - ein neues Stadtquartier der Megaklasse entsteht.

Foto: DPA

Harald Huth gibt sich nach außen gern bescheiden. Auf die ihm oft und auch am Freitag anlässlich der Grundsteinlegung für Berlins größtes privates Bauvorhaben am Leipziger Platz gestellte Frage, wie er das eigentlich alles schaffe, sagt der 42-Jährige: „Nur durch das Vertrauen, das Banken, Mieter und die Baubehörden in mich setzen.“ Doch was hat der schlanke, stets freundlich lächelnde Mann an sich, dass Banken selbst in Zeiten der Eurokrise 800 Millionen Euro vertrauensvoll in seine Hände legen? Und ihn damit auch noch ausgerechnet auf dem einstigen Wertheim-Areal am Leipziger Platz in Mitte bauen lassen. Dort, wo zuvor schon eine Handvoll genauso ambitionierter Investoren scheiterten und dafür sorgten, dass 20 Jahre lang eine gigantische Baulücke klaffte.

„Anlaufpunkt für die gesamte Stadt”

Huth jedenfalls hat das Talent, die Berliner immer wieder aufs Neue in Staunen zu versetzen: Gerade mal 24 Jahre alt war der frisch aus Hamburg zugezogene Neu-Berliner, als er Anfang der 90er-Jahre den Bau der Gropius Passagen in Neukölln startete – mit einer Handelsfläche von 85.000 Quadratmetern immer noch Berlins größtes Shopping-Center. 2006 folgte „Das Schloss“ an der Steglitzer Schloßstraße, mit 48.000 Quadratmeter Nutzfläche ebenfalls eins der größten Berliner Einkaufszentren. Das alles waren jedoch vergleichsweise überschaubare Investitionen, denn jetzt setzt Huth zum ganz großen Sprung an: Zur Schaffung eines neuen Stadtquartiers mit 76.000 Quadratmetern Shopping-Fläche, mit 270 Wohnungen, einem unterirdischen Parkhaus mit 1000 Stellplätzen, einem Hotel, Fitnesscenter, Büros und 30 größeren und kleineren gastronomischen Einrichtungen. Und anders als bei Huths bisherigen Bauvorhaben soll das Ganze diesmal nicht irgendwo in den Außenbezirken geschehen, sondern in Berlins Mitte, an der Nahtstelle zwischen Innenstadt Ost- und Innenstadt West.

Auf dem prestigeträchtigen Grundstück in der Nordostecke des Platzes, auf dem mit Alfred Messels Wertheim Deutschlands schönstes und größtes Kaufhaus stand, will Huth nun auch architektonisch vorstoßen in eine neue Liga. Mit Sergei Tchoban hat er einen international erfolgreichen Planer für sein Projekt gewonnen, das nun die zeitgenössische Antwort auf den stolzen Vorgängerbau geben will. Dafür konnte Huth am Freitag viele Vorschusslorbeeren einheimsen. Huths Projekt, lobte Berlins früherer Senatsbaudirektor Hans Stimmann, werde den Platz 50 Jahre nach dem Bau der Mauer und mehr als 20 Jahre nach deren Fall „wieder zum Anlaufpunkt für die gesamte Stadt machen“. Und der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, wagte die Prognose, vom Leipziger Platz werde ein „wesentlicher Impuls für Handel, Tourismus und alle Berliner“ ausgehen.

„Herausragende Investition“

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bescheinigte Huth, mit seiner „herausragenden Investition“ zudem viele hundert Arbeitsplätze zu schaffen. Zunächst auf dem Bau, später dann im Shopping-Center. Und dank seiner Zukäufe in den vergangenen Monaten schaffe Huth darüber hinaus noch den Brückenschlag zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Mit der geplanten Passage werde nun eine direkte Passage zwischen diesen beiden Geschäftszentren geschaffen. In der Tat: Das 21.000 Quadratmeter große Wertheim-Areal an der Nordostecke des achteckigen Stadtplatzes hatte Huth vor zweieinhalb Jahren erworben. Ebenfalls in Huths Besitz befindet sich seit Anfang dieses Jahres das ehemalige preußische Ministerium an der Leipziger Straße sowie die rund 10.000 Quadratmeter große Brache zwischen Leipziger, Voß- und Wilhelmstraße. Vor wenigen Wochen erwarb der studierte Wirtschaftswissenschaftler die Fläche an der Voßstraße 33. Die ist zwar nur 700 Quadratmeter groß, bietet aber die Chance, die neue Shoppingmall durchgängig bis zur Wilhelmstraße zu erweitern. „Schon in zwei Wochen“, verrät Huth, „werden wir mit dem Durchbruch zur Passage beginnen“. Der Terminplan des studierten Wirtschaftswissenschaftlers ist ehrgeizig: Bereits Ende 2013 soll die Eröffnung des neuen Shopping-Centers erfolgen, Anfang 2014 soll das Stadtquartier am Leipziger Platz komplett fertig sein.

In seiner Festrede gab der Stadtentwicklungssenator der Hoffnung Ausdruck, Huths private Baustelle werde nicht nur die größte, sondern auch „die schnellste“ in der Stadt sein. Bislang sieht alles danach aus. Zwar hatte Huth auf seiner Mega-Baustelle schon mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. So meldete die Baufirma, die die Baugrube erstellen sollte, sechs Monate nach dem Start der Arbeiten Insolvenz an. Und auch ein Wassereinbruch nahe der Tunnelwand der U-Bahnlinie 2, die schräg durch die Baugrube führt, sorgte für Verzögerungen. Doch die sind, so der Bauleiter des Projektes, Andreas Fettchenhauer, „wieder komplett aufgeholt“.