Gewalt in Berlin

Polizisten sollen Überfallopfern nicht geholfen haben

Zwei Jugendliche sind auf der Danziger Straße überfallen und verletzt worden. Der Vater eines der Opfer erhebt jetzt schwere Vorwürfe.

Foto: Steffen Pletl

Die Berliner Polizei muss sich schon wieder dem Vorwurf stellen, einem Menschen in Not nicht geholfen zu haben: Die Besatzung eines Streifenwagens soll einen 17-Jährigen und dessen Begleiter nicht beschützt haben, als sie von etwa zehn Jugendlichen angegriffen worden seien. Die Eltern des 17-Jährigen erstatteten Strafanzeige und informierten sowohl die Polizeiführung als auch die Senatsinnenverwaltung. Laut Polizei sind inzwischen Ermittlungen eingeleitet worden.

Demnach seien der 17-Jährige und sein Freund am vergangenen Sonntag gegen 6 Uhr auf der Danziger Straße von zehn südländisch aussehenden Männern überfallen worden. Nach Angaben des Vaters des 17-Jährigen beobachteten zahlreiche Schaulustige den Überfall – und die beiden Polizisten, die etwa 20 Meter entfernt in ihrem Streifenwagen saßen. Zunächst habe der Bekannte seines Sohnes die Beamten um Hilfe gebeten, später auch der 17-Jährige selber. Die Polizisten hätten aber nichts unternommen, um die Opfer zu schützen, sondern sinngemäß gesagt, dass die beiden das selber klären sollten. Dann hätten sie ihr Blaulicht eingeschaltet und seien bei rotem Ampellicht Richtung Eberswalder Straße davongefahren.

Diesen Rückzug hätten die Schläger genutzt, um ihre Opfer zu Boden zu schlagen und auf Kopf, Nacken, Rippen und Becken der Liegenden zu treten. In einem Brief an die Sicherheitsbehörden beschreibt der Vater die Verletzungen als erheblich.

Verdacht auf Strafvereitlung

Eine Sprecherin der Senatsinnenverwaltung bestätigte dieser Zeitung den Empfang des Schreibens. Es werde beim zuständigen Fachbereich „Sicherheit und Ordnung“ geprüft, eine Antwort werde vorbereitet.

Auch bei der Polizei wird der Vorgang sehr ernst genommen. „Es wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der Strafvereitlung im Amt eingeleitet, wir haben zudem Videoaufzeichnungen aus einer nahegelegenen Bank sowie des U-Bahnhofes Eberswalder Straße gesichert“, so Polizeisprecher Stefan Redlich. Der Anspruch der Berliner Polizei sei, schnell und richtig zu reagieren, wenn jemand Hilfe braucht. Die beiden Beamten seien noch nicht angehört worden; bis zum Abschluss der Untersuchungen gelte aber die Unschuldsvermutung. Redlich: „Dennoch halten wir die Vorwürfe für ernsthaft, weil es einen unabhängigen Zeugen gibt.“

Bei den Schlägern soll es sich um eine Gruppe handeln, deren Mitglieder alle schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Hamburg“ trugen. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Erst kürzlich hatte die Polizei Versäumnisse bei der Bearbeitung eines Notrufs eingeräumt, als ein Mann sie auf Hütchenspieler aufmerksam machen wollte. In einem anderen Fall hatte die Behörde zugegeben, dass sie einen Einsatz zum Schutz eines Passanten vor Hütchenspielern zu spät und zu langsam vorgenommen hatte.