Keine Empfangshalle

Es bleibt zugig am Bahnhof Gesundbrunnen

Einer der wichtigsten Umsteigeknoten Berlins bleibt vorerst ein Provisorium: Die Bahn hat den Bau einer Empfangshalle erneut verschoben.

Foto: DB Station&Service AG

Die täglich etwa 100.000 Fahrgäste am Berliner Bahnhof Gesundbrunnen müssen weiter auf ein Empfangsgebäude warten. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigt, ist der seit Jahren geplante Bau erneut verschoben worden. Zuletzt hatte die Bahn von einem Baubeginn im ersten Halbjahr 2012 gesprochen. Inzwischen ist vom vierten Quartal die Rede. Damit würden die Arbeiten ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen beginnen. Als Grund für die neuerliche Verzögerung nannte der Sprecher notwendige Planänderungen.

Dass der Start für den Neubau damit in die Wintermonate fallen soll, bezeichnet Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, als „mehr als ärgerlich“. Einschränkungen im Verkehr von S-Bahn, Regional- und Fernzügen soll es während der Arbeiten voraussichtlich zwar nicht geben. Allerdings müssen Fahrgäste mindestens zeitweise mit längeren Wegen beim Umsteigen rechnen, weil die Zugänge über den Vorplatz nicht zur Verfügung stehen werden.

Bezirkspolitiker und Fahrgastvertreter fordern seit Jahren eine Empfangshalle auf dem nach Hertha-BSC-Legende Hanne Sobek benannten Bahnhofsvorplatz. Die 2006 zum Regional- und Fernbahnhof aufgewertete Station ist bis heute ein Provisorium. Eine bereits 1991 geplante Empfangshalle wurde aus Kostengründen gestrichen. Wer am Gesundbrunnen umsteigt, muss deshalb bei Wind und Wetter über die zugige Bahnhofsplatte laufen. Ein paar Marktstände, ein Kiosk und viel grauer Beton, viel mehr gibt es dort derzeit nicht. Kritiker sprechen von „Service auf Dorfbahnhofsniveau“ und einer „städtebaulich nicht tragbaren“ Situation.

Züge nach Prag und Rostock

Igeb-Sprecher Wieseke verweist auf die gestiegene Bedeutung der Station, die sich in den vergangenen sechs Jahren zum wichtigsten Umsteigeknoten im Norden Berlins entwickelt hat. Auf vier Gleisen fahren dort die S-Bahnen der Nord-Süd-Linien und der Ringbahn. Auf sechs Gleisen fahren Regional- und Fernzüge etwa nach Rostock, Stralsund, Stettin, Leipzig, Dresden und Prag. Mit der Linie U8 hat die Station zudem Anschluss an das U-Bahn-Netz. Ein Reisezentrum, wettergeschützte Wartebereiche und zentrale Fahrgastinformationen seien das Minimum, das ein Bahnhof dieser Größe bieten müsse, fordert Wieseke.

All das ist in der neuen Halle auch geplant. Dazu soll es Läden und gastronomische Einrichtungen geben. Eine Simulation des Empfangsgebäudes zeigt einen nüchternen Zweckbau mit viel Glas und Stahl. Das ist auch dem vergleichsweise schmalen Budget für den Bau geschuldet. Schätzungen gingen zuletzt von etwa 7,4 Millionen Euro aus. Aktuelle Zahlen nennt die Deutsche Bahn nicht. Eines ist dagegen klar: Für das Geld will die Bahntochter DB Station & Service möglichst viel bekommen. Bereits mehrfach wurden die Pläne daher geändert und der Baubeginn verschoben. Nun müssen die Nutzer des Bahnhofs wohl mindestens bis Ende 2013 auf die Fertigstellung warten.