Medizin

Deutsches Herzzentrum Berlin feiert die 70.000. Operation

Mit der 70.000 Operation feiert das Deutsche Herzzentrum Berlin auch das 25. Jubiläum der ersten Kunstherz-Transplantation.

Foto: DAPD

Am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) ist kürzlich die 70.000. offene Herzoperation durchgeführt worden. Patientin war Lore Buettner, eine 84 Jahre alte Frau, die wieder wohlauf ist, wie der Ärztliche Direktor der Einrichtung, Roland Hetzer, am Montag sagte.

Der Erfolg reiht sich ein in das 25. Jubiläum der ersten Kunstherz-Transplantation am 20. Juli in Berlin. Das DHZB gilt als eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Herzchirurgie. Es wurde 1984 im damaligen West-Berlin gegründet und als feste Einrichtung 1986 eröffnet. 1987 wurde am DHZB einem Menschen das erste „Totale Künstliche Herz“ eingesetzt. Operateur war Hetzer. Entwickelt worden war diese „Berliner Herz“ genannte Maschine vom Herzchirurgen Professor Emil Sebastian Bücherl.

Zur damaligen Zeit forschten Hetzer zufolge nur wenige Fachleute an künstlichen Herzen. Teams gab es unter anderem in der CSSR, in den USA und in Rostock.

Erste Konstruktionsschritte für künstliche Herzen in Berlin gab es 1969, sagte Ewald Hennig, einer der beteiligten Pioniere. Die staatliche Förderung der Forschungen habe 1972 eingesetzt. Versuche seien zunächst an Hunden, später an größeren Tieren durchgeführt worden. Hetzer übte Mitte der 80er-Jahre an Leichen. 1986 erfolgte die erste sogenannte offene Herz-OP an Lebenden unter Anwendung der Herz-Lungen-Maschine. Darüber hinaus erfanden die Forscher des DHZB das noch heute einzige Kunstherz für Kinder weltweit.

Hetzer nannte die Entwicklung der Medizin seit 1987 „bemerkenswert“. Binnen nur 25 Jahren seien wunderbare Fortschritte gelungen, die es zum Beispiel erlauben würden, auch ältere Patienten zu operieren. Die von ihm operierte 84-Jährige sei inzwischen wohlauf – trotz einer zuvor lebensbedrohlichen Erkrankung. Er selbst sei sehr stolz auf diese Leistung des Berliner Herzzentrums: „Anderswo lehnen auch renommierte Einrichtungen eine solche Operation bei über 80-Jährigen ab.“ Die Patientin selbst dankte Hetzer am Montag persönlich für ihre Rettung. Sie fühle sich gut und „frisch“. Der Eingriff war bereits am 26. Juni erfolgt.

350 Spenderherzen jährlich

Hetzer zeigte sich am Montag erneut unzufrieden mit dem neuen deutschen Transplantationsgesetz. „Es ist nicht wesentlich anders als sein Vorgänger.“ Zwar sei es „ein Schritt in die richtige Richtung“, aber noch ungenügend ausformuliert. Schließlich habe die Zahl der verfügbaren Spenderorgane „drastisch“ abgenommen. Hätten Mitte der 90er-Jahre in Deutschland noch etwa 700 Spenderherzen pro Jahr zur Verfügung gestanden, seien es nun etwa 350 pro Jahr. „Die Wartezeiten haben sich erheblich verlängert. Es muss einem Patienten erst richtig schlecht gehen, bis er überhaupt auf die Transplantations-Liste kommt.“ Der Miterfinder des künstlichen Herzens aus Berlin, Ewald Hennig, sagte: „Wir schieben das wie eine Bugwelle vor uns her.“

Gleichwohl verwies Hetzer auf den Fortschritt der Technik. Gegenüber den ersten Geräten seien gerade die Herz-unterstützenden Systeme inzwischen miniaturisiert worden. Statt Versorgungssystemen, die so groß waren wie Kühlschränke, gebe es nun wesentlich kleinere. Direkt das Herz unterstützende Pumpen müssten nicht mehr extern am Körper angebracht werden. Das biete den Patienten eine höhere Lebensqualität – sei es bis zur Transplantation eines neuen Herzens oder um mehrere Jahre mit unterstützenden Systemen zu leben. Nicht allen Menschen kann ein Spenderherz, auf das heute ein bis anderthalb Jahre gewartet werden muss, transplantiert werden – häufig aus gesundheitlichen Gründen, wenn beispielsweise noch andere Erkrankungen vorliegen. Auch für solche Menschen sind die kleinen High-Tech-Maschinen von heute, die wie eine Schultertasche getragen werden, von großem Vorteil. dpa