Bevölkerungsboom

3.501.900 Einwohner – Berlin wird immer größer

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs steigt die Einwohnerzahl der Hauptstadt über 3,5 Millionen. Besonders Junge zieht es her.

Foto: DAPD

Die Attraktivität Berlins ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr verlegten nach Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg 158.800 Menschen ihren Wohnsitz in die Hauptstadt. Damit leben erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wieder mehr als 3,5 Millionen Menschen (3.501.900) in Berlin. Das sind 41.100 Personen oder 1,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Das ist die mit Abstand höchste Bevölkerungszunahme innerhalb eines Jahres seit der Wiedervereinigung 1990“, sagte Heike Hendl vom Statistischen Landesamt. Im gleichen Zeitraum verließen 119.400 Menschen die Stadt.

Diejenigen, die der Stadt den Rücken kehren, gehören nach Angaben der Statistiker vor allem zur Altersgruppe der 30- bis unter 50-Jährigen mit ihren Kindern. Jeder vierte davon zog in das Umland (18 Prozent), jeder dritte ins Ausland (33 Prozent), der Rest verließ die Stadt in Richtung anderer Bundesländer. Wanderungsgewinne für Berlin zeigen sich bei jungen, in der Regel in der Ausbildung befindlichen Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren.

Durchschnittsalter steigt trotz Zuzugs Jüngerer

Trotz des Zuzuges vor allem von jüngeren Menschen steigt das Durchschnittsalter in der Hauptstadt – in den kommenden 18 Jahren voraussichtlich von derzeit 42 auf 45 Jahre.

Vor allem aus dem Ausland verlegten viele Menschen im vergangenen Jahr ihren Lebensmittelpunkt in die Stadt (24.100). Besonders viele zogen aus Polen (3300), Bulgarien (2800) und Spanien (2000) nach Berlin. In den vergangenen Jahren hatten dagegen mehr Polen die Stadt verlassen als herzogen (2010: minus 1300). Die Einwanderung aus Spanien hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Aus anderen Bundesländern zogen 15.300 Menschen nach Berlin.

Auch der Trend, dass viele gut ausgebildete, türkischstämmige Berliner der Stadt wegen einer fehlenden beruflichen Perspektive den Rücken kehren, ist gestoppt. Zogen in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 2000 türkischstämmige Berliner mehr in die Türkei, als aus der Türkei nach Berlin kamen, so ist der Saldo derzeit wieder ausgeglichen.

Durch den starken Zuzug aus dem Ausland hat sich der Ausländeranteil im vergangenen Jahr auf 14 Prozent erhöht (478.212). Gegenüber dem vergleichbaren Stand des Vorjahres stieg die Zahl der Ausländer damit um 20.000. Rechnet man diejenigen deutschen Staatsbürger dazu, die über einen Migrationshintergrund verfügen, steigt der Anteil auf insgesamt 26,5 Prozent (900.000).

33.100 Kinder geboren

In Berlin gab es zudem entgegen dem Bundestrend einen Geburtenüberschuss. „Im vergangenen Jahr wurden 33.100 Kinder geboren, im gleichen Zeitraum starben 31.400 Menschen“, sagte Hendl.

Nach der Bevölkerungsprognose des Berliner Senats steigt die Zahl der Berliner auch in den kommenden Jahren bis 2023 weiter leicht an. Erst danach wird sich die Bevölkerungsentwicklung der Prognose zufolge dem Bundestrend anpassen und wieder abnehmen. Dabei geht der Senat davon aus, dass sich weiter Unternehmen – vor allem aus den Boombranchen Medien, Tourismus und Kultur – in der Hauptstadt ansiedeln, die wirtschaftliche Entwicklung weiter positiv verläuft und mittelfristig weitere Bundesbehörden nach Berlin ziehen.

BBU fordert Neubau von Wohnungen

Der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) hat den Senat aufgefordert, angesichts der steigenden Einwohnerzahlen den Neubau von Wohnungen zu forcieren. „Der Senat darf sich mit der Diskussion um eine Steigerung der Neubauzahlen keine Zeit mehr lassen“, sagte BBU-Vorstand Maren Kern. „Alles andere geht zulasten vor allem der einkommensschwachen Haushalte, die wegen der fast aufgezehrten Leerstandsreserve bei der Wohnungssuche zunehmend Schwierigkeiten bekommen.“

Während die Zahl der Berliner Einwohner steigt, ist sie in Brandenburg leicht gesunken. Ende 2011 lebten in der Mark rund 2,5 Millionen Menschen, das waren 7600 Einwohner weniger als im Vorjahr (minus 0,3 Prozent). Als wesentlichen Grund dafür gibt das Statistische Landesamt die negative Geburtenbilanz an: Es starben 27.900 Menschen, zugleich kamen nur 18.300 Kinder auf die Welt. Im vergangenen Jahr zogen 63.400 Menschen nach Brandenburg, während 61.600 das Land verließen. Unter den Zugezogenen befanden sich 2400 Berliner.

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