Prozess

58-Jährige muss sich wegen Messerattacken verantworten

Mit zwei Messern bewaffnet hatte die Berlinerin im Februar 2012 ihren Mann aufgesucht, angeblich um sich zu schützen. Nun läuft der Prozess.

Sie sind mehr als 40 Jahre verheiratet und haben drei erwachsene Kinder – die 58-jährige Carola M., angeklagt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung, und ihr zwölf Jahre älterer Ehemann Bernhard. Aber es gibt keinen Ausdruck des Grußes, nicht einmal einen Blickwechsel zwischen ihnen im Saal 217 des Moabiter Kriminalgerichts. Da ist nur noch Kälte.

Am 17. Februar dieses Jahres soll Carola M. gegen 1.15 Uhr mit zwei Messern auf ihren Mann eingestochen haben. Beide wohnten in einem Haus am Kirchmeisterweg in Lichterfelde, jedoch schon seit zehn Jahren in getrennten Wohnungen. Sie habe plötzlich in seinem Zimmer gestanden und gesagt: „Jetzt steche ich dich ab!“, sagt der als Zeuge geladene Bernhard M. Er habe sich gewehrt und sie aus dem Zimmer geschoben. „Ansonsten hätte wohl mein letztes Stündlein geschlagen.“ Der ehemalige Inhaber eines Handwerksbetriebs erlitt sechs zum Teil stark blutende Stichwunden und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Eine 80 Jahre alte Geliebte

Carola M. hat diese Szene anders in Erinnerung. Angeblich habe sie ihren Mann in dieser Nacht nur zur Rede stellen wollen, heißt es in einer von ihrem Verteidiger verlesenen Erklärung. Sie habe sich darüber geärgert, dass er ihr über einen Anwalt drohte, das gemeinsame Wohnhaus versteigern zu lassen. Auch habe es da eine Geliebte gegeben, eine 80-jährige Frau. Die habe sie vorher noch angerufen und ihr gesagt, dass sie die Familie in Ruhe lassen solle. Wenig später sei ihr dann in den Sinn gekommen, noch einmal zu ihm runterzugehen und mit ihm zu reden. Die Messer habe sie mitgenommen, um sich zu schützen, weil er sie zuvor gelegentlich geschubst und geschlagen habe. Und als es im Streit zu einer Rangelei gekommen sei, habe sie ihn „fahrlässig verletzt“.

Dass diese Ehe lange schon nicht mehr funktionierte, wird schon durch dieses Strafverfahren deutlich. Aber noch klarer wird es, als die beiden Söhne als Zeugen vernommen werden. Der 21-jährige Sven M. berichtet, dass sie sich „ständig gestritten“ hätten. Auch Drohungen habe es vonseiten der Mutter vorher schon mehrfach gegeben. Und den Versuch, den Vater über das Amtsgericht für unmündig erklären zu lassen. Er habe sich da immer rauszuhalten versucht, sagt der Student, der bis zuletzt bei der Mutter wohnte.

Ähnlich ist die Beschreibung des älteren Sohnes. Jens M. ist schon vor Jahren von zu Hause ausgezogen. „Ich habe es dort nicht mehr ausgehalten“, sagt der 37-Jährige. „Immer nur Streit, immer nur schlechte Laune.“ Seine Mutter habe sich mit allen Nachbarn angelegt, habe die Kinder angebrüllt und geschlagen – und wenig später behauptet, dass sie sich an nichts mehr erinnern könne. Der Prozess wird am 10. Juli fortgesetzt.