Sanierung

Bettenturm der Charité könnte bald ganz in Weiß erstrahlen

Die Jury favorisiert den Entwurf eines Hamburger Büros für die Sanierung der Charité. Entscheidend ist dabei wohl die Finanzierbarkeit.

Foto: DAPD

Schlicht, weiß und nüchtern gestaltet dürfte das Bettenhaus der Charité in Zukunft in den Himmel ragen. Der rostbraune Bettenturm tauscht seine 20.500 Quadratmeter große Fassade gegen ein neues Gewand, in das sich die 21 Etagen des Krankenhausbaus künftig hüllen.

So sieht es zumindest der Entwurf des Hamburger Architektenbüros Schweger & Partner vor, das mit großer Wahrscheinlichkeit den Auftrag bekommt, die Fassade des maroden Hochhauses im kommenden Jahr zu erneuern. Neben der hellen Fassade aus Faserzement haben die hanseatischen Architekten den angrenzenden Neubau eines OP-Traktes entworfen. Mit beiden Bauabschnitten soll nach Informationen der Charité im Oktober 2013 begonnen werden.

Eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Entwurfs hat wohl die Finanzierung gespielt. „Die technische Ausführung der Fassade ist bereits erprobt und hat sich bewährt. Die Baubarkeit dieser Fassade bietet die für das Uni-Klinikum extrem wichtige Kostensicherheit“, sagt eine Sprecherin der Charité. Die Sanierung des Klinikturms hatte in der Vergangenheit wiederholt Streit geschürt. Vor allem Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hatte mit dem Charité-Vorstand über das Budget des Bauvorhabens gestritten. Auch von einem Neubau war die Rede. Schließlich genehmigte der Senat eine Kostensumme von insgesamt 185 Millionen Euro, allein 22 Millionen Euro davon sollen für die Neugestaltung der Fassade aufgebracht werden. Einige Kritiker des Projekts befürchteten, dass die Baustelle zur unkalkulierbaren Kostenfalle für das Land Berlin werden könnte.

18 Architektenbüros beteiligt

„Die technische Machbarkeit, die Einhaltung des Kostenrahmens und die zeitliche Umsetzbarkeit sind unverzichtbare Voraussetzungen, die schließlich mit ausschlaggebend waren, sich für den nun zu realisierenden Entwurf zu entscheiden“, sagt Professor Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité. Der Charité-Chef gehörte der Jury aus Architekten, Vertretern des Senats und Sachkundigen an, die über die 18 eingereichten Entwürfe entschied. Am Schluss favorisierte sie zwei Entwürfe, die beide den ersten Platz belegten. Jenen von Schweger & Partner und einen des Berliner Büros und Architektenteams von Thomas Müller und Ivan Reimann.

Über letzteres urteilte die Jury in einem Schreiben: „Insgesamt zeigt sich das Projekt als eine robuste und starke Idee, bei der man sich gut vorstellen kann, dass unerwartete Hindernisse bei der Detaillierung und Realisierung behoben werden können.“ „Gut vorstellen“ war denn der Jury jedoch am Ende zu wenig. Sie sprach sich in einer neuen Empfehlung für Schweger & Partner aus.

Hartmut Wagner, Geschäftsführender Partner des Hamburger Architektenbüros Schweger & Partner, begrüßt die Juryentscheidung. Sein Büro hat den eingereichten Entwurf, der die Budgetgrenze von 22 Millionen Euro um rund drei Millionen Euro überschritt, nicht verändern müssen, um im Kostenrahmen zu bleiben. Dennoch formuliert Wagner vorsichtig, solange sein Büro den Auftrag noch nicht konkret vorzuliegen hat. „Wir sind zuversichtlich, durch eine leicht abgeänderte Materialauswahl und konstruktive Detailoptimierungen, die Kosten so zu senken, dass sie im vorgegebenen Budget liegen, ohne Abstriche an der gestalterischen Qualität hinnehmen zu müssen“, so der 62-jährige Architekt.

Das Architektenteam hat sein Ziel aber noch nicht erreicht. Das Vergabeverfahren – wie es bei öffentlichen Auftraggebern wie der Charité als landeseigene Klinik üblich ist – ist kompliziert. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, wir haben bisher noch keinen konkreten Auftrag bekommen“, sagt Hartmut Wagner. Nach der neuerlichen Empfehlung der Jury scheint das aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Beide Wettbewerber indes prämierte die Jury mit dem ersten Preis, der auf 32.000 Euro dotiert ist. „Unser Entwurf wäre derjenige, der im Kostenrahmen des Berliner Senats zu realisieren wäre“, sagt Wagner. Der Geschäftsführer rechnet innerhalb der nächsten zwei Wochen mit einer endgültigen Entscheidung. Und auch von Seiten der Charité heißt es, dass die Verhandlungen „formal in der zweiten Juliwoche abgeschlossen werden“. Die Entscheidung des Architekturbüros in Hamburg steht bereits fest: „Wir sind sehr daran interessiert, dieses Projekt zu übernehmen und würden den Auftrag in jedem Fall annehmen“, so Wagner.

Um Patienten während des Umbaus versorgen zu können, will die Charité ab Januar 2013 sogenannte Interimsgebäude mit 340 Betten errichten. Im Zuge des Berliner Krankenhausplanes ist das Universitätsklinikum gezwungen, künftig Betten einzusparen. Liegt die Kapazität derzeit bei 1017 Betten, wird sie nach dem Umbau nur noch über 804 verfügen, heißt es seitens der Charité. Laut dem aktuellen Zeitplan wird das Bettenhochhaus im September 2013 außer Betrieb genommen, um nach den Bauarbeiten das sanierte Hochhaus an der Luisenstraße in Mitte im ersten Halbjahr 2016 wieder zu öffnen.