Mundgesundheit

In Berlin hat jeder zweite Sechsjährige schon Karies

Eine neue Studie zeigt: Bei den Dreijährigen haben 16 Prozent kranke Zähne. Bei den Sechsjährigen sind es sogar 51 Prozent.

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Die Berliner Zahnärzte und die öffentlichen Gesundheitsdienste wollen die Aufmerksamkeit der Eltern für ihre Jüngsten schärfen. Denn bereits 16 Prozent der untersuchten Dreijährigen haben Zahnprobleme und müssten behandelt werden. Dabei sei Karies eine verhaltensbedingte Erkrankung, und bei guter Pflege passiere fast nichts, sagte Michael Dreyer, Vizepräsident der Zahnärztekammer, anlässlich der Vorstellung des neuen Berichts zur Mundgesundheit Berliner Kinder und Jugendlicher. Der beste Kariesschutz sei immer noch das tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahncreme.

Auch Milchgebiss ist wichtig

„Wenn die Eltern jedoch nicht sensibilisiert sind, kommen diese Kinder erst zum Zahnarzt, wenn die ersten Zähne da sind oder es Probleme gibt“, so Dreyer weiter. Gerade beim Milchgebiss seien Menschen aus sozial schwachen Familien der Ansicht, man müsse noch nicht so viel tun, weil sie ohnehin ausfallen. Das sei falsch.

Auch die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales setzt mit ihren Beratungen in Schulen und Kitas weiter auf Vorbeugung. Am Dienstag stellte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) in der Kreuzberger Kita Löwenzahn den Bericht zur „Mundgesundheit Berliner Kinder und Jugendlicher im Schuljahr 2010/2011“ vor. Der positive Trend der vergangenen Jahre halte an, bilanzierte Czaja.

17 Stellen nicht besetzt

Aber es gibt auch soziale Brennpunkte, die verstärkt betreut werden müssten. Die personelle Ausstattung der Zahnärztlichen Dienste (ZÄD), die die Kinder in Kitas und Schulen untersuchen, lässt aber zu wünschen übrig: Statt 32 Vollzeitstellen für Zahnärzte und 43 für Helferinnen sind nur 27 sowie 31 Vollzeitstellen besetzt. Nach Auskunft einer Sprecherin der Senatsverwaltung liege das daran, dass keine geeigneten Bewerber vorhanden seien. Im Koalitionsvertrag sei aber festgeschrieben, dass qualifizierte Bewerber auch eingestellt würden.

Nuckelflaschen zerstören Vorderzähne

Insgesamt haben die Zahnärztlichen Dienste (ZÄD) der Bezirke mehr als 190.000 Kinder im Schuljahr 2010/2011 untersucht. Hinzu kommen die Untersuchungen und Präventionsangebote der Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankung (LAG). In der LAG sind Krankenkassen, Zahnärztekammer und der öffentliche Gesundheitsdienst aktiv. Sie haben sich um die Zähne bei 13.000 Kindern gekümmert und Aufklärung betrieben. „Gerade bei kleinen Kindern muss das über die Eltern passieren“, sagt Rainer Grahlen, Geschäftsführer der LAG. Nuckelflaschen mit gesüßtem Tee beispielsweise, mit denen die Kinder ruhig gehalten würden, zerstörten die ganzen Vorderzähne.

Sechsjährige: 51 Prozent kariesfrei

Während bei den Dreijährigen noch 81 Prozent ein kariesfreies Gebiss haben, ist dies bei Sechsjährigen nur noch bei 51 Prozent der Fall. Am besten schnitten die Dreijährigen in Pankow ab, wo 88,6 Prozent der untersuchten Kinder kariesfrei waren. Die schlechtesten Werte gab es in Reinickendorf. Wegen Personalmangels waren dort aber vorrangig Kinder in Einrichtungen untersucht worden, die in sozialen Brennpunkten liegen.

Zwölfjährige schneiden gut ab

Probleme gibt es bei den Sechsjährigen. „In dieser Gruppe sind wir von den gewünschten 80 Prozent kariesfreier Milchgebisse leider noch weit entfernt“, sagte Czaja. Nur 51 Prozent, also nur jeder zweite Sechsjährige, haben ein gesundes Gebiss. Bei den Zwölfjährigen erreicht Berlin aber bereits heute das von der Bundeszahnärztekammer für 2020 angestrebte Ziel, dass im bleibenden Gebiss höchstens ein Zahn kariös, fehlen oder gefüllt sein soll. Czaja setzt deshalb weiterhin auf Prophylaxe. Eine positive Entwicklung erhofft er sich durch den 2009 eingeführten Kinderzahnpass, der die Eltern über Vorsorgeuntersuchungen informiert.